Tabak-Süchte

Ich habe vor knapp 10 Jahren aufgehört zu rauchen. Von 2 Schachteln am Tag auf 0.
Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich am 2. Januar 2000 bei meiner Schwester in Hannover auf dem Balkon stand, um eine zu rauchen. Sie und ihr Freund hatten die Jahrtausendwende bei mir in Konstanz gefeiert und danach sind wir zusammen mit dem Auto in den Norden gefahren. Unterwegs habe ich der nächsten Pause entgegengefiebert, um mir eine anstecken zu können. Und natürlich bin ich nach der Ankunft in ihrer Wohnung sofort auf den Balkon geflitzt, um meiner Sucht nachzugeben. Nur war mir das bis zu diesem Zeitpunkt nicht so wirklich klar. Natürlich hatte ich schon ab und zu über das Aufhören nachgedacht. Weil es gesünder ist, weil es billiger ist. Eine Abhängigkeit hatte ich für mich aber immer verneint. Ich war sicher, körperlich nicht abhängig zu sein. Bei einer starken Erkältung z.B. habe ich tagelang nicht geraucht und bei der ersten Zigarette danach wurde mir immer schwindelig. Irgendwann habe ich schon mal darüber nachgedacht: „warum rauchst du dann eigentlich weiter?“, den Gedanken aber nie zu Ende geführt. Eine psychische Abhängigkeit?
In dieser Nacht habe ich jedoch zum ersten mal wirklich darüber nachgedacht: ich stand auf dem Balkon und habe tierisch gefroren (für die, die mich nicht kennen: nichts ist schlimmer für mich als Frieren), es war dunkel und ich hatte niemanden, mit dem ich mich unterhalten konnte. Da habe ich mich gefragt: warum stehe ich eigentlich hier? Und mir fiel keine gescheite Antwort ein. Außer der, daß mir diese kleinen Stäbchen das befehlen. Und das hat mir gestunken. Ich bestimme mein Leben und meine Handlungen gerne selber!
Also habe ich die halbgerauchte Zigarette ausgemacht – und das war es für mich. Ich hatte erhebliche Bedenken  in Versuchung zu geraten.  Aber mit dieser Erkenntnis im Rücken kam ich es nie wirklich dazu.
Erstaunlicherweise stand ich heute mehrmals davor, mir zumindest eine Schachtel Cigarillos zu kaufen. Ich habe es nicht getan, war auch nicht schwer. Aber allein, daß mich der Gedanke wieder anspringt, fand ich seltsam.

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9 Antworten to “Tabak-Süchte”

  1. gernodgammler Says:

    Scheinst ne Starke zu sein! Aber Suchtstruktur bleibt. Immer wieder Kampf, kenn das auch

  2. michallein Says:

    Ich habe fünf Jahre nicht geraucht und in dieser Zeit meine schlimmste persönliche Krise ohne Rückfall überstanden.
    Wieder angefangen habe ich erst lange danach. Weil ich mir „die Freiheit“ gönnen wollte. Krank, nicht?

  3. ichhebgleichab Says:

    Nein, nicht krank, ganz gewiß nicht. Aber ein Protest, der sich leider gegen Dich selbst richtet. Wenn Du einmal die Ruhe hast – denke darüber nach, fühle es, ob Du Dir wirklich Freiheit genommen hast.

  4. Markus Says:

    Hi Muli
    schöner Blog zur rechten Zeit: Ich beschäftige mich gerade recht ernsthaft damit, das Rauchen aufzugeben. Da machen erfolgreiche Beispiele natürlich immer Mut.
    lg Markus

  5. ichhebgleichab Says:

    Ich bin der Meinung, daß nicht die Willenskraft entscheidend ist, sondern ein Mensch ernsthaft der Überzeugung sein muß, aufzuhören. Argumente von außen wirken da nur zeitlich begrenzt. Nur wer für sich selbst entscheidet, daß es an der Zeit ist, hat auf jeden Fall Erfolg.
    Ich wünsche Dir, daß es der richtige Zeitpunkt ist.

  6. Thomas Says:

    Ich will – nein „muss“ – auch dringend aufhören.
    Wer weiss… Wünsche mir, dass mich die späte Lektüre dieser Seite evtl. dazu bringt.

    Mit den besten Grüßen

    Thomas.

  7. Ich mach´s jetzt einfach. « mich allein Says:

    […] in Persönliches | Tags: Persönliches, zukunft Vor knapp drei Wochen hat @ichhebgleichab über „Tabak-Süchte“ gebloggt. Damals verspürte ich zum ersten Mal seit Jahren wieder den Wunsch, auch Nichtraucher […]

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