Was tun?

Ich habe Euch ja schon mal flapsig vom „Hausschlumpf“ meiner Freundin erzählt. Ein optisch ganz ansehnlicher und durchaus sympathischer Typ, der immer bei ihr rumhing und sich mehr oder weniger durchfüttern ließ. Ich war froh, als die beiden heftigen Streit bekamen  und sich getrennt haben. Er hat sie emotional am langen Arm verhungern lassen und weist auch sonst einige Mängel auf. So hat er es nicht so mit regelmäßiger Arbeit, hat keinen Führerschein mehr wegen Drogen am Steuer (was ihn aber nicht vom Autofahren abhält) und er ist großmannssüchtig: alle Spielzeuge, die irgendwelche vermeintlichen Kumpels haben, braucht er auch. Wenn ich richtig aufgepaßt habe, hat er sich alleine im letzten Jahr 3 teure Fahrräder zugelegt, ein kleines Segelboot, eine Digitalkamera, eine Spiegelreflex, einen Plattenspieler und was weiß ich sonst noch alles. Die Stadtwerke haben ihm zwar schon den Strom abgestellt, er hat nur noch ein Paar Schuhe, aber was soll´s.
Und außerdem hat er sich einen Hund zugetan. Natürlich kein Wuschel-Fifi aus dem Tierheim – nein, natürlich nicht. Ein teurer Windhund mußte es sein, ein edles Tier, mit dem er angeben kann. Mir gefällt diese Rasse ja nicht besonders, aber das Mädel hat ein wirklich liebes Gesicht, ist sehr klug und hat ein ausgesprochen angenehmes Wesen. Und sie hatte leider einen kleinen Unfall und läuft seitdem auf drei Beinen. Irgendwann ging Herrchen dann doch zum Tierarzt: mehrfacher Beinbruch! Eine Operation kostet einige hundert Euro. Und jetzt? Meine Freundin war geschockt. Sie hat es zwar nicht ausgesprochen, aber sie hat ganz klar erwogen, die OP zu zahlen. Ich weiß, daß sie während der Beziehung den Tierarzt bezahlt und auch danach noch eine Rechnung beglichen hat. Auch mein erster Gedanke war: bevor der Hund weiter Schmerzen leidet, lege ich etwas dazu.
Aber ist das bei der Konstellation sinnvoll? Ich bin für das Tier nicht verantwortlich. Und auf die Weise lernt sein Besitzer nie, verantwortungsvoll mit seinem Geld umzugehen und für das Tier zu sorgen. Aber das wird er ohnehin nicht mehr, fürchte ich. Für ihn selbst würde ich keine müde Mark geben. Falls er mich für das Tier bitten sollte, würde ich dagegen vermutlich sofort zum nächsten Geldautomaten marschieren. Aber mir ist auch klar, daß daraus schnell ein Rattenschwanz wird. Ich weiß, daß der Kerl vor kurzem über einen zweiten Hund nachgedacht hat….
Das ist so eine Situation, wo ich wirklich nicht weiß, was richtig ist.

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10 Antworten to “Was tun?”

  1. beingmenow Says:

    Meine Gedanken dazu: Wenn Du das Geld aufbringen (und gedanklich abschreiben) kannst, tu es für den Hund, nicht für ihn – was, wenn ich Dich recht verstehe, ohnehin Dein Gedanke ist.
    Setz Dir aber eine Grenze: Nur dieses eine Mal. Sollte eine ähnliche Situation noch einmal eintreten oder er sich gar tatsächlich einen zweiten Hund zulegen, gäbe es für mich nur einen Weg: Direkt zum Ordnungsamt.
    Aber ich bin mir sicher, dass Du auch ohne unseren Rat das richtige tun wirst!

  2. Tweets that mention Was tun? « Twitter-Splitter -- Topsy.com Says:

    […] This post was mentioned on Twitter by Old Mac Donald, Ichhebgleichab. Ichhebgleichab said: Was mich seit gestern beschäftigt: Blogpost http://bit.ly/avMrAY […]

  3. eM Jay Says:

    Aus Erfahrung: So eine OP zieht einen Rattenschwanz hinter sich her. Nachsorge, Medikamente. Von möglichen Komplikationen gar nicht zu sprechen.

    Das gleiche Geld würde in einem Tierheim mehr Tieren gut tun!

    • ichhebgleichab Says:

      Da hast Du völlig recht #Tierheim. Aber das gilt natürlich immer, sobald ich Geld zum Tierarzt trage. Wo ziehe ich da die Grenze?

      • eM Jay Says:

        Du willst Geld für ein Tier ausgeben, für das Du nicht die Verantwortung trägst, nur weil Du ihm in die Augen geschaut hast!

        Bei einem eigenen Tier übersteigt der emotionale Wert oft, fast immer, den monetären! Ein Hamster für 5€ kann trotzdem, wegen der Kinder, eine TA Rechnung von 50€ rechtfertigen…

        Jetzt musst Du mit Dir ausmachen, was Dir der „fremde“ Hund wert ist. Was wird der Besitzer machen?

        Möglichkeit A: (Keiner gibt Geld) Er läßt den Eingriff machen und gut ist.

        Möglichkeit B: (Keiner gibt Geld) Er macht den Eingriff nicht. Der Hund wird damit überleben, ein Dreibein bleiben, vllt. ins Tierheim kommen (Weil ja kein Statussymbol mehr) und da die Hoffnung auf eine bessere zweite Chance bekommen.

        Möglichkeit C: (Du und Deine Freundin bezahlen) Er freut sich darüber nen „Dummen“ gefunden zu haben und kauft sich Anfang Mai von dem gesparten Geld ein iPad.

        Ich würde nix geben. Ein Hund, und ein Rassehund zweimal, verursacht immer „Nebenkosten“. Bei unseren zwei summiert sich das im Monat auf gut 200€ (Futter, Steuern, Versicherung, Medikamente, Tierarzt). Dazu können dann noch, wie in diesem Fall, Unfälle kommen. Tja….

  4. ichhebgleichab Says:

    Damit hast Du die Geschichte ziemlich gut auf den Punkt gebracht. Das Dilemma zwischen Gefühl und Verstand.
    Aber mir ist gerade wieder bewußt geworden, daß ich auch für meine eigenen Tiere nicht endlos Geld ausgeben würde. Ich kann aber nicht gut haben, wenn ein Tier Schmerzen hat. Auch wenn ich nicht die Verantwortung habe.
    Und doch haben wir irgendwie alle Verantwortung. Ich finde zum Beispiel das Argument gegen das Herholen von spanischen Straßenhunden, nämlich daß es doch genug deutsche Hunde im Tierheim gäbe, völlig daneben. Man sollte dem Wesen helfen, daß die Hilfe am nötigsten braucht.
    Und schon drehe ich mich wieder irgendwie im Kreis.

  5. ichhebgleichab Says:

    Update
    Freundin hat gerade angerufen: die Hündin wurde mit Gipsbandage gesichtet 🙂

  6. Nils die Maus Says:

    Na, dann scheint ja zumindest der Hund etwas bekommen zu haben.
    Also ich als absoluter Tierliebhaber tu mich mit so etwas auch immer sehr schwer. Wie du schon schriebst, ist es nicht „dein“ Hund, sondern du hast ihn nur beobachtet.
    Ich hätte nichts gegeben, das Ordnungsamt informiert, den Assi (so nenne ich Monsieur Oberflächlich mal) ordentlich den Marsch geblasen und dann geschaut, was weiter passiert.
    Auf jeden Fall ist sein Verhalten unter aller Kanone (welch ein Ausdruck. Hätte nicht gedacht, dass ich den mit meinen 24 Lenzen jemals gebrauchen würde)!

  7. Yewa Says:

    Mein erster Gedanke war: Hoffentlich wird das arme Tier nicht gleich eingeschläfert (oder erschossen/ertränkt/beliebige andere Tötungsarten für Tiere). Zutrauen würde ich dem Herrn das allemal.

  8. Melusine Says:

    Hi, wo ich schon da bin hab ich hier weitergelesen.

    Ich würde sowas nicht tun. Wenn du so jemandem einmal Geld gibst, kommt er wieder und will mehr. Das ist als würdst du Geld in ein Schwarzes Loch schmeißen. Hab sowas schon erlebt und solche sind dann echt schwer wieder loszuwerden, grad wenn du ein weiches Herz hast und z.B. des Hundes wegen nix abschlagen kannst.

    Außerdem würd ich bezweifeln, ob der OP-Marathon für die Hündin überhaupt gut wäre. Schlecht verheilte Knochenbrüche müssen doch neu gebrochen werden. Wenn sie dann nicht die nötige Fürsorge hat… ? Nö, dann besser ein Leben lang humpeln.

    Mein Kleiner lahmt übrigens auch, hat sich in seinem abenteuerlichen Leben, ehe er zu mir kam, wohl mal eine heftige Beinverletzung zugezogen. Er läuft normalerweise auf vier Beinen, die Treppe runter aber auf dreien, und wenn er müde ist zieht er den rechten Hinterlauf merklich nach. Ab und zu überpurzelt er sich, wenn er zu schnell läuft und über irgendwas stolpert. Das macht ihm aber derzeit – mit mittlerweile über 11 Jahren – immer noch gar nix aus, er steht einfach auf und läuft weiter. Also … ich würd mir mehr Sorgen über die hundgerechte Haltung des Hundemädchens machen als über ihre Beinverletzung.

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