Die Sache mit der Geduld

Wer mich persönlich kennt, der weiß, daß ich im Umgang mit anderen Menschen eigentlich sehr geduldig bin. Ich höre auch noch zu, wenn mir jemand zum fünften mal etwas zu einem Thema erzählt, das ihn sehr beschäftigt oder eine Riesenschleife macht, bis er zum Wesentlichen vordringt.
Wobei ich allerdings schon immer nicht viel Verständnis hatte, das ist im beruflichen Bereich. Ich hasse Umstandskrämer, die einfach nicht auf den Punkt kommen. Ich bin ein lösungsorientierter Mensch und habe keinen Nerv für überflüssige Diskussionen. Das gilt umso mehr, als der Arbeits- und Termindruck von Jahr zu Jahr steigt. Und das färbt langsam auch auf meine privates Benehmen ab. Vielleicht auch, weil ich einen Kollegen habe, der mich mit seiner extrem umständlichen, pingeligen, begriffsstutzigen Art richtig aggressiv werden läßt. Ich habe ohne Witz schon mal mein eigenes Büro verlassen, weil ich ihn sonst angebrüllt oder geschlagen hätte wegen seiner Dämlichkeit.

Aber das nur zu Erläuterung. Was mich beschäftigt, ist ein gestriges Telefonat mit meinem Vater. Ich glaube, ich habe schon einmal erzählt, daß ich immer ein ausgesprochenes Papakind war. Mein Vater war immer mein Held, mein Vorbild, der Mann, der alles kann und alles wieder hinbekommt. Daß das nicht so ist, habe ich natürlich irgendwann auch einmal begriffen. Auch, daß er langsam älter wird und deshalb nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen Fähigkeiten langsam nachlassen. Aber das ist der Lauf der Dinge. Ich weiß, daß er nicht mehr alles für mich regeln kann, aber daß er sich immer bemühen wird.
Im Moment befinde ich mich einer ziemlich stressigen Situation, die mir viel abverlangt. Mein Vater weiß das natürlich und möchte mir helfen, mich unterstützen. Deshalb hatte er etwas im Internet recherchiert und rief mich auf dem Handy an, um mir davon zu erzählen. Ich habe schnell gemerkt, daß er das Problem falsch verstanden hat und versucht, ihn auf das richtige Gleis zu bringen. Ich habe ihm auch von anderen Dingen erzählt, die damit zusammenhängen. Aber er hat es nicht auf die Reihe bekommen. Zum Teil wohl auch, weil er – mal wieder – sein Hörgerät nicht drin hatte. Und er fing wieder mit den gleichen Sachen von vorne an.
Da habe ich dann etwas unwirsch reagiert und er hat es auch gemerkt. Er hat sich entschuldigt, daß er es nicht gleich alles richtig verstanden und alles durcheinander gebracht habe. Und das hat mir wehgetan. Zum einen, weil es stimmt mit dem Durcheinanderbringen. Und zum anderen, weil ich ihn angefahren habe. Das hat er wirklich nicht verdient.
Aber trotzdem, ich konnte gerade nicht anders. Und er versteht das. Dennoch gefällt mir meine Veränderung nicht.

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3 Antworten to “Die Sache mit der Geduld”

  1. Sven Hennig Says:

    Das kann ich mehr als gut nachvollziehen. Ich bin momentan auch extrem „dünnhäutig“ wegen vielen Kleinigkeiten die irgendwann das Fass zum Überlaufen bringen und das schlimme daran, es trifft Dritte die mir wichtig sind.

    Manchmal ärgere ich mich im Anschluss das ich dies/ das getan oder nicht getan habe und sage Sachen die mir dann selbst leid tun.

    Wenn der (gesundheitliche) Teil wieder läuft, dann gehts wohl auch wieder. Na mal sehen.

    Wünsch Dir viel Kraft!

  2. Markus Says:

    Hi Muli,
    mach Dir keine Gedanken. Er wird die Situation schon richtig einschätzen können. Das man bzw. Frau in Deiner Situation schon mal den falschen Tonfall findet, ist doch normal!
    lg Markus

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