Bürokratie

Ich kümmere mich für eine Verwandte, die im Moment im Pflegeheim ist, um den ganzen Schriftkram. Ich hab das so locker übernommen – aber ich hätte es wissen müssen: in Deutschland geht verwaltungsmäßig nichts einfach nur der Logik folgend. Vor allem ist niemals nur eine Stelle mit etwas befaßt, sondern immer mehrere, die zudem nicht in der Lage sind, sinnvoll gegenseitig Informationen auszutauschen (übrigens auch ein Grund, weshalb ich mich nicht so besonders vor dem Überwachungsstaat fürchte).
Ein geschasster Arbeitskollege von ihr hatte mir verraten, daß der Tarifvertrag einen dreimonatigen Zuschuß zum Krankengeld vorsieht, der die Differenz zwischen Krankengeld und Arbeitslohn ausgleicht. Daß es so etwas in der Metallbranche gibt, wußte ich bis dahin auch nicht. Ist wohl auch nicht so bekannt und ein Anruf meinerseits im Lohnbüro verursachte erst ein Zögern, dann die Aussage, daß es das nur auf Antrag gäbe und die Arbeitnehmer auch nicht darauf hingewiesen würden. Soso… Pech gehabt, ich wußte es nun mal. Und jetzt wollte ich den Zuschuß natürlich erst recht.
Also schriftlichen Antrag gestellt und auf Rückfrage noch einmal bestätigt, daß sonst keine weiteren Zuschüsse oder Gelder geflossen sind. Dann wollten sie noch einmal die Höhe des Krankengeldes bescheinigt haben. Also die Krankenversicherung angeschrieben und zur Beschleunigung um direkte Übersendung an den Arbeitgeber gebeten. Damit fing das Elend an: Die Krankenversicherung teilte dem, Arbeitgeber mit, daß für eine Zeit von 5 Tagen Anspruch auf Übergangsgeld bestanden habe. Das wiederum hielt mir dann das Lohnbüro vor. Ich wußte erst überhaupt nicht, wovon die sprachen. Hab dann aber rausbekommen, daß es in ihrem Fall den 5-tägigen Zeitraum nach der Reha bis zum zweiten Krankenhausaufenthalt umfaßte und daß dafür wieder die Rentenversicherung zuständig ist. Uff. 
Also habe ich die Rentenversicherung angeschrieben und angefragt, ob das mit dem Anspruch auf Übergangsgeld stimmt und daß ich in dem Fall das hiermit beantrage. Wohlgemerkt: die Rentenversicherung hatte zu dem Zeitpunkt eigentlich alle relevanten Daten. Nichts desto Trotz bekam ich etwa sechs Wochen später ein mehrseitiges Formular zugesandt. Davon waren zwei Bögen für den Arbeitgeber zum Ausfüllen und einer wiederum für die Krankenversicherung. Den hab ich inzwischen sogar schon zurück, den vom Arbeitgeber natürlich noch nicht.
Aber vielleicht haben sie einer anderen Abteilung der gleichen Krankenversicherung ja wenigsten die Lohnabrechnung geschickt, die sie haben wollen für die von mir beantragte Befreiung der Zuzahlungen. Obwohl ja schließlich die Höhe des Krankengeldes anhand der vorliegenden Lohnbescheinigungen ausgerechnet wurde. Grrrmpf.
Dafür hab ich inzwischen wenigstens den mir von der Krankenversicherung zugeschickten Antrag für die Rentenversicherung für die nächste Reha ausgefüllt. Natürlich mit Daten wie z.B. den Arbeitsbeginn beim derzeitigen Arbeitgeber, den die Rentenversicherung besser kennt, als ich. Dafür mußte ich erst wieder beim Arbeitgeber anrufen. Die freuen sich schon immer, wenn ich mich melde. Und den Antrag hatte die Krankenversicherung trotz vorliegender Vollmacht natürlich an die Wohnanschrift geschickt. Wär‘ noch nicht so schlimm, das bekomme ich von einem Freund nachgesendet. War aber per Einschreiben und lag dann unerreichbar auf dem Postamt, 600 km entfernt. Grrrmpf

Es ist alles viel zu kompliziert und zum Teil ziemlich nervenaufreibend. Ich frage mich, wie das eigentlich Leute machen, die keinen Bezug zu solchem Schreibkram haben.

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4 Antworten to “Bürokratie”

  1. Thomas Says:

    Deine Frage am Ende deines Artikels ist berechtigt, und die Antwort ist denkbar einfach wie auch fatal. Die Menschen geben auf und verzichten auf alle Ansprüche!
    Bei Privatwirtschaftlichen Unternehmen wie z.B. Versicherungen ist das gewollt um Geld zu sparen. Bei Staatlicher Seite dürfte das nicht sein, denn die sind eigentlich für „uns“ da, aber das scheint das System immer öfter zu übersehen

  2. Markus Says:

    Hi Muli
    ich schließe mich Thomas an: Sie steigen garnicht durch und deshalb bleiben wohl riesige Summen unabgerufen.
    Ich glaube auch, dass sich das nie ändern wird, weil wir lassen nicht zu, dass all diese Organisationen mal von aussen, unabhängig untersucht werden, ob die Art und Weise zu arbeiten wirklich effizient ist …..

    lg Markus

  3. Sven Says:

    Tja, leider.

    GKV oder Pkv versichert? Mit einigen Tipps kann ich Dir sicher helfen. Meld Dich einfach.

    Sven

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