Weniger ist mehr Netzwerk

Mein Einstieg in die Social-Media-Welt begann mit Twitter. Und dort fühle ich mich nach wie vor zuhause. Zwischendurch habe ich mal die Phase durchgemacht, wo ich meinte ständig präsent sein zu müssen, weil man das von mir erwartet, aber das habe ich schnell wieder abgelegt. Genauso, wie ich auch Blogposts nur dann schreibe, wenn ich gerade Lust dazu habe und nicht nur, um meine kleine Leserschaft zu halten.
Die ganze Social-Media-Welt scheint mir voll mit irgendwelchen Präsenz- und Verhaltensregeln zu sein. Besonders anstrengend finde ich dabei die Freundes, Follower- und Kreis-Geschichten. Das ist schon manchmal mühsam, aber steckt wohl in dem Wort „social“ schon drin. Bei jedem menschlichen Miteinander, ob im Real Life oder im Netz, gibt es Höflichkeitsregeln, Empfindlichkeiten, Eifersüchteleien, Angeberei uvm. Da muß jeder einen Weg für sich finden. Bei mir ist die Grenze dort, wo ich anfange Druck zu verspüren und es mir keinen rechten Spaß mehr macht.
Und da sind wir bei der Präsenz. Irgendwie muß man anscheinend in bestimmten Netzwerken sein, weil da alle sind. Oder die meisten oder die Wichtigsten. Aus Neugier hatte ich mich deshalb u.a. auch bei Facebook und bei Xing angemeldet. Wer mir auf Twitter folgt, kennt meine Vorbehalte gegenüber Facebook. Es war mir immer zu unübersichtlich, zu kompliziert in der Anwendung, alle wichtigen Funktionen im Wirrwarr versteckt…ich bin nie damit warm geworden und habe nur wenig gepostet. Ich hab auch nie so richtig gewußt, was eigentlich. Noch weniger Sinn macht Xing für mich. Ich bin nicht auf der Suche nach geschäftlichen Kontakten und die eine oder andere interessante Veranstaltung wäre immer Gottweißwo oder während meiner Arbeitszeit gewesen.
Aber die Accounts löschen? Wo ich gerade mühsam ein paar Kontakte gefunden habe? Die Gemeinschaft verlassen?
Und wenn ich mal öffentlich mit dem Gedanken gespielt habe kamen Argumente wie: „Ich nutze Xing als ständig aktualisiertes Adreßbuch“ „Du kannst auf Facebook ja einfach weiter mitlesen“ etc. Aber funktioniert das? Wenn die Accounts da sind, gucke ich auch immer mal wieder rein und gebe ein Lebenszeichen von mir. Spätestens, wenn irgendwo aufleuchtet, daß eine (unwichtige) Meldung da ist. Dafür habe ich eigentlich keine Zeit und keine Lust. Ich konzentriere mich lieber auf weniger Netzwerke, aber dafür mit voller Aufmerksamkeit. Und davon, alles automatisch auf sämtliche Netzwerke durchzuposten, halte ich nicht so viel.
Ich bleibe bei Twitter und jetzt neu dazu Google+. Sollte sich das nicht durchsetzen, dann suche ich mir etwas anderes, aber sicher nicht wieder Facebook, das mag ich einfach nicht.
Und darum habe ich heute morgen zuerst meinen Xing-Account und dann meinen Facebook-Account gelöscht. Das heißt: deaktiviert. Denn so leicht lassen sich die natürlich nicht abschütteln. Bei Xing erschienen ein paar Profilfotos mit der Frage, ob ich diese Kontakte wirklich verlieren möchte. Zufälligerweise der hübscheste Herr gleich vornedran. Da hab ich natürlich erst wieder gezögert: will ich die Kontakte verlieren? Dann ging mir auf: ich verliere sie nicht, ich kontakte bloß in diesem Netzwerk nicht mehr. In einem, das ich sowieso nicht nutze. Also „Klick“.
Noch schlimmer ist Facebook: Profilbilder mit der Unterschrift „Stefan wird sie vermissen“ „Katrin wird sie vermissen“ Herzzerreißend. Da bekommt man ja ein richtig schlechtes Gewissen! Ich bin sicher, an dieser Stelle überlegen es sich viele wieder anders. Ein ganz nette Psychomasche, die die da abziehen. Das hat mich nur bestärkt.
Ich habe jetzt vier Wochen Zeit meinen Account zu reaktivieren und werde bestimmt mehr als eine Erinnerungs-Mail bekommen. Alles andere würde mich wundern.
Und wo ich gerade dabei war, habe ich mein Konto bei Empire Avenue auch gleich gelöscht. Das war am Anfang ganz nett, ist mir jetzt aber langweilig geworden. Auch wenn der Rest noch weiter spielt – ich muß nicht überall dabei sein.
Deshalb werde ich demnächst bei meinen Locationbased Services auch mal aufräumen. Langsam habe ich nämlich keine Lust mehr, mich überhaupt noch irgendwo einzuchecken. Das spielerische Element geht verloren, wenn der Wettbewerb zu sehr im Vordergrund steht. Das liegt natürlich vor allem an mir selbst, also wird reduziert. Mal sehen wo.

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13 Antworten to “Weniger ist mehr Netzwerk”

  1. Erik Says:

    Konto deaktivieren bringt nix, deine Daten behalten sie weiterhin.

    Du mußt den u.a. Link mit der Anfrage klicken, dann löschen sie dich: https://www.facebook.com/help/contact.php?show_form=delete_account

    Ich kann dich gut verstehen. Mir wird gerade Twitter zu Mainstream… einfach zu viele Egotrips dort. Aber das liegt ja nur an mir, das zu ändern. Ich müßte halt mal die Timeline entrümpeln. 😉

    Google+ gefällt mir grade sehr gut… sehr aktiv und vom Konzept weiter als Twitter. Man muß eben sehen, ob der Hype andauert oder ob’s wieder in der Versenkung verschwindet. Aber das Circles-Prinzip ist eigentlich genau das, was ich mir von den Twitter-Listen erhofft hatte und was leider nur halblebig implementiert wurde.

    Schau’n mer mal! 😉

  2. mikel Says:

    Ich bin schon 4 Wochen aus fb raus…

  3. Jan Says:

    Klasse Konsequenz. Und Du bist nicht die Einzige… Vielen scheint gerade der Einstieg bei Google+ ein bißchen gezeigt zu haben, was sie an Twitter und Facebook stört…

    Ich selbst nutze Twitter ja ohnehin seit Monaten kaum noch, und bei Facebook habe ich angefangen, jene, die mich nerven, aus meiner Timeline zu entfernen.

    Für mich wird es wohl darauf hinauslaufen: Twitter sporadisch bei Lust drauf, Facebook für Freunde (auch einige rein virtuelle Bekanntschaften, die mir über die letzten Jahre aber doch sehr ans Herz gewachsen sind) und Familie. Und nicht zuletzt Google+ für alle anderen.

    DICH hätte ich allerdings auch auf Facebook ‚behalten’… 😉

    • ichhebgleichab Says:

      Danke 🙂
      Das Ganze hat wohl auch etwas mit Distanz zu tun. Ich mag Twitter, weil ich dort unter einem Nick agieren kann, weil es schnellebig und vor allem übersichtlich ist. Das stört mich auch etwas bei Google+, zu wenig auf einer Seite.
      Im Notfall bleibe ich halt einfach bei Twitter. Back to the roots.

  4. Markus Says:

    HI Muli

    auch ich habe vor einiger Zeit eine kleine Inventur meiner „social media“ Aktivitäten gemacht ( http://www.der-sprachlose.de/?p=1016 ) und bin zu einem recht ähnlichen Ergebnis gekommen.
    Allerdings muss ich schon sagen, dass es bei Dir ja auch eine Zeit gegeben hat, wo Du auf jeden fahrenden Zug aufgesprungen bist. ( thihi…bei Dir ist der Satz regelrecht mehrdeutig..)
    Ich bin im Gegensatz zu Dir immer noch ein Facebook Freund, auch wenn ich Dir recht gebe, dass die Benutzung zum Teil recht mühsam erlernt werden muss und man immer auf seine Privatsphäre aufpassen muss, da Facebook die Regeln schon mal ändert. (Ohne groß Bescheid zu geben….)

    Google+ ist mir noch zu sehr beta und es fehlen viele gute Funktionen,die ich bei Facebook benutze. Außerdem will ich meine Daten ein bisschen streuen im Internet und nicht Einen in den Genuss aller Daten kommen lassen 🙂
    Letztlich habe ich stark aufgeräumt und seit dem gefällt mir meine Timeline wieder. Ich blocke auch schneller als früher. Letztlich ist es meine Timeline….

    Sollten jetzt alle Kontakte, die mir wichtig sind, von Twitter + Facebook wandern, tja dann wandere ich eben auch. Da bin recht schmerzfrei 😉

    Also bleibt alles beim alten: Jeder ist seines Glückes Schmied!

    lg Markus

    • ichhebgleichab Says:

      Das mit dem Zug stimmt. Und ich probiere immer noch gerne wieder etwas Neues aus, aber nicht mehr immer sofort. Und wenn es für mich nicht funktioniert oder ich zu wenig oder nicht die richtigen Kontakte finde, dann gehe ich auch schnell wieder.

  5. Hubert Says:

    Mir fällt der Schritt schwer. Warum? Weil es mich lange Überwindung gekostet hat, mich bei facebook anzumelden. Und mich immer wieder aufs neue freue, so viele alte Bekanntschaften wieder zu entdecken..Bei google+ (was mir tatsächlich sehr gut gefällt) ist alles letztendlich (noch) nerdig, also nur ein kleiner Tei meines „Bekannten-/Freundes“-Kreises..

    Bei xing haben für mich die Gruppen einen echten Mehrwert, auch wenn das seit dem relaunch leider sehr stark eingeschränkt ist..und das, wie du schreibst, selbstaktualisierende Adressbuch hat einfach wirklich was für sich 😉

  6. SuGGuS (jd) Says:

    Bereits Anfang 2011 hab ich angefangen meine genutzten Plattformen zu reduzieren.

    Ergebnis bis dato: Twitter, 4sq und PicPlz. Seit kurzem G+.

    Mein persönlicher Hype zu LBS hat stark nachgelassen. Mal schauen wie lange noch 4sq bleibt.

    Auch PicPlz ist keine Daueranwendung von mir und noch offen was damit passiert.

    Manchmal ist weniger eben doch mehr!

  7. Blogs im Juli 2011 | stadtkindFFM Says:

    […] Weniger ist mehr Netzwerk via ichhebgleichab, […]

  8. Thomas Says:

    Ich bin platt, Xing hat dir echt mein Profilbild als erstes gezeigt als du dort das Account gelöscht hast 😉

    Aber, ich werde heute Abend mein Xing ebenfalls löschen, bei Facebook habe ich noch Skrupel aber es läuft auch darauf hinaus

  9. Hello again Facebook « Twitter-Splitter Says:

    […] nicht allzu langer Zeit habe ich vollmundig die Löschung meines Facebook-Accounts bekanntgegeben (Weniger ist mehr Netzwerk) Aber ich mußte feststellen, daß es sich nicht ganz durchhalten läßt. Schuld ist @Penny1205, […]

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