Probleme überall

Einige von Euch fragen sich vielleicht, was ich so oft in Hannover mache: ich kümmere mich um meine schwerkranke Schwester. Es fing vor 2 Jahren an und wurde zeitweise so schlimm, daß ich für ein paar Monate sogar die gesetzliche Betreuung übernehmen mußte. Das ist Gottseidank vorbei, aber ich regele weiterhin alle Angelegenheiten und das ist leider nicht wenig.
Nach langen Krankenhausaufenthalten war sie zuletzt ein gutes Jahr in einem Pflegeheim. Jetzt haben wir den Schritt gewagt und ich habe sie Ende Mai nach fast genau zwei Jahren wieder in ihre Wohnung zurückgeholt. Dabei mußte ich unglaublich viel bedenken und organisieren, angefangen vom Pflegebett und allen möglichen Hilfsmitteln über die Suche nach neuen Therapeuten bis hin zur Sicherstellung der täglichen Pflege.
Sie lediglich einem ambulanten Pflegedienst zu überlassen, war mir angesichts ihrer immer noch sehr großen Hilflosigkeit zu riskant. Deshalb habe ich mir über eine Agentur einen polnischen Pflegedienst vermitteln lassen. Die Frauen kommen dann in der Regel für 3 Monate nach Deutschland und reisen dann für 1 Monat wieder aus (manche arbeiten aber auch 2 und 2). Meist sind es keine gelernten Pflegekräfte, aber sie kümmern sich um den Haushalt und leisten Hilfe beim Waschen, Aufstehen, Anziehen, Essen etc.
Meine Schwester ist völlig klar im Kopf und kann grundsätzlich selber sagen, was sie möchte oder was zu tun ist. Aber durch die Krankheit hat auch ihre Aussprache stark gelitten. Sie ist vor allem für Fremde nach wie vor nur ganz schlecht zu verstehen. Deshalb hatte ich ausdrücklich um eine Frau mit möglichst guten Deutschkenntnissen gebeten.
Zuerst kam Danuta. Eine sehr nette Frau, aber ihr Deutsch war so miserabel, daß sie nicht einmal mich verstanden hat. Wie sollte ich sie da einarbeiten? Und die Verständigung mit meiner Schwester hat natürlich überhaupt nicht geklappt. Dann stellte sich am zweiten Tag auch noch heraus, daß sie eine kaputte Schulter hat. Damit einen Menschen zweimal am Tag aus dem Bett in den Rollstuhl heben und wieder zurück? Dazu abends nochmal umsetzen für den Besuch im Bad? Ein ziemlicher Fehlgriff.
Eine Woche später kam Anna. Ihr Deutsch ist schon deutlich besser und sie kann sich mit meiner Schwester ganz gut verständigen. Die zwei haben sich auf ein System geeinigt, das ganz gut funktioniert. Ich denke, sie werden auch ohne mich klarkommen.

Womit beide Pflegerinnen aber das größte Problem hatten: den Umgang mit der elektrischen Pumpe für die Sondennahrung. Danuta hatte nach einer Woche immer noch nicht richtig kapiert, wo der Unterschied zwischen On/Off und Start/Stop liegt. Und wozu der Knopf ‚Fill‘ da ist, sowieso nicht. Sie hatte auch Angst vor dem Gerät. Anna hat sich ebenfalls sehr schwer damit getan, ihre Berührungsängste aber langsam abgelegt.
Dann ist da allerdings noch die Sache mit dem neu hinzugekommenen Dreiwegehahn für die zusätzliche Gabe von Wasser. Oh jeh. Aber nachdem ich schon im Krankenhaus gelegentlich einer Schwester zeigen mußte, wie man die Dinger richtig hindreht, wundert mich das nicht.
Was mich aber wundert: wieso haben viele Frauen so gar keine Affinität zu solchen Dingen. Ist das wirklich angeboren oder (was ich eher vermute) wurde es versäumt ihnen bestimmte Grundstrukturen beizubringen?

Und beide Damen können für meine Begriffe überhaupt nicht kochen. Ich weiß nicht, ob es in Polen üblich ist, Kartoffeln und Gemüse ohne alles, sprich ohne Sauce, ja nicht einmal ein bißchen Butter auf den Tisch zu bringen. Auch der Reis wurde mir ganz pur serviert. Ansonsten alles paniert, was irgendwie geht und auch dort keine Sauce und Gewürze.
So gesehen hat meine Schwester noch Glück, daß sie fast nur Sondennahrung bekommt und mittag etwas Babybrei 😉

Nachher werde ich dann nach drei Wochen endlich wieder nach Hause fahren und hoffen, daß alles auch ohne mich klappt. In zwei Wochen komme ich wieder und sehe nach dem Rechten.
Anna bleibt leider nur bis zum 21.07., dann muß ich die nächste in Empfang nehmen. Aber vielleicht stellen wir doch auf ambulante Pflege um. Mal sehen.

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8 Antworten to “Probleme überall”

  1. freudefinder Says:

    oh, das ist aber wirklich schwierig – da wünsche ich ganz viel Kraft

  2. daimlerblog Says:

    Ganz, ganz großen Repekt!

  3. Robert Says:

    Drück Dir die Daumen und Hut ab!

  4. Miss Fairytalez Says:

    Respekt. Ich hoffe es klappt gut mit der neuen Helferin.

  5. Markus Says:

    Hi Muli
    Ich verfolge das ja nun schon eine ganze Weile und kann auch nur sagen: Respekt, wie Du Dich da rein gehängt hast und Dich um Deine Schwester gekümmert hast. Das hätten wohl nicht viele so gemacht!

    lg Markus

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