Eine Bahnfahrt, die ist….

Am Sonntag bin ich zum gefühlt mindestens 100. mal von Hannover zurück nach Konstanz gefahren, tatsächlich waren es wohl eher 50 mal, und irgendwie war von Anfang an der Wurm drin.
Ich wusste, dass es knapp wird, aber zum Rennen mit dem schweren Rucksack auf dem Buckel hatte ich keine Lust, also ist mir der Bus Richtung Bahnhof direkt vor der Nase weg gefahren. Weil, eigentlich ja erfreulich, Sonntag war, musste ich 20 Minuten auf den nächsten Bus warten, aber wenigstens schien die Sonne und es war angenehm temperiert. Dafür war es dann natürlich im Bus reichlich hitzig, wie immer, wenn die Sonne durch die großen Scheiben knallt und ich hab mich wenigstens teilweise aus meinen Sachen gepellt, um nicht zu erschwitzen.
Auf die Stadtbahn, in die man umsteigen muss, weil der Anschluss des Stadtteils immer noch auf ich warten lässt, hieß es weitere 7 Minuten zu warten, statt wie geplant 2 Minuten. Zu meinem Erstaunen war ich dann doch noch 10 Minuten vor Abfahrt des ICE am Bahnhof, hab mir in Windeseile noch belegte Brötchen, Mineralwasser und eine Zeitschrift besorgt und bin damit die Treppen zum Bahnsteig hoch gesaust. Nur um dann dort zu lesen, dass der ICE 75 etwa 15 Minuten Verspätung hat, wegen verspäteter Bereitstellung, wie es später aus dem Lautsprecher hieß. Was bedeutet das eigentlich? Dass jemand verschlafen und den Zug zu spät aus der Garage geholt hat? Eigenartiger Weise passiert das immer dann, wenn die Temperaturen um die Null Grad oder darunter liegen und ein eisiger Wind geht oder wahlweise über 30 Grad und nicht das geringste Lüftchen. Jedenfalls hatte ich deshalb kurz überlegt, mich in die DB-Lounge zu begeben und aufzuwärmen, aber das hätte sich bei 15 Minuten nicht gelohnt. Dann ging mir durch den Kopf, eventuell den 20 Minuten späteren IC zu nehmen, also nur 5 Minuten später als der verspätet ICE, weil der IC direkt bis Konstanz durchfährt, allerdings auch mehr als anderthalb Stunden später ankommt. Wobei zu bedenken ist, dass ich wegen meiner Abneigung gegen die Schwarzwaldbahn geplant hatte über Stuttgart zu fahren und dadurch ohnehin eine Stunde länger unterwegs wäre. Bevor ich das alles zu Ende durchdacht hatte, kam allerdings die Durchsage, dass der IC 80 Minuten Verspätung hat, damit hatte er sich als Alternative natürlich disqualifiziert.
Als der ICE mit pünktlicher Verspätung abfuhr dachte ich mir, es könnte klappen, weil ich in Frankfurt eigentlich 20 Minuten Umsteigezeit gehabt hätte, aber 5 Minuten im Notfall auch reichen. Weniger sollte es aber nicht sein, denn Frankfurt hat 24 Gleise und wenn man noch dazu im dicksten Gewühle unpassenderweise von einem Ende zum anderen muss und vorher noch den Zug entlang, dann reicht das nicht. Aber ich musste mich nicht schon vorher warm laufen, denn der Zugtechniker wurde ans Telefon gerufen, was natürlich immer ein Warnsignal bedeutet und tatsächlich haben wir dann in Fulda etwa 15 Minuten außerplanmäßig gehalten wegen einer technischen Störung, damit war der Anschlusszug natürlich Geschichte.
Also fing ich an neue Überlegungen anzustellen. Zuerst wollte ich in Frankfurt aussteigen und den nächsten Zug Richtung Stuttgart nehmen, hatte mich schon angezogen und meine Plünnen zusammen gepackt, aber dann kam der Hinweis, dass Reisende Richtung Stuttgart bis Mannheim im Zug bleiben und dort umsteigen könnten. Also hab ich mich zurück ins Abteil begeben, alles wieder verstaut, mich auf meinen Platz gesetzt und erst danach gesehen, dass alle Anschlusszüge nach Stuttgart Verspätung haben und mir deshalb überlegt, dass ich besser bis Karlsruhe weiter fahre und doch die Schwarzwaldbahn nehme. Nach meiner Rechnung hätte ich in Karlsruhe etwa 40 Minuten Zeit zum Umsteigen und im Coffee Fellows noch einen Tee trinken können, aber wie man schon ahnen kann, wurde nichts daraus.
Zuerst wurden in Mannheim die restlichen Plätze im Abteil von drei rundlichen Schwarzafrikanern mit Kisten, Koffern und Taschen geentert, die lautstark und ausgiebig darüber palaverten, wer sich wo hinsetzt, wo wessen Gepäck hinkommt oder ob sie vielleicht doch noch weiter gucken. Jedenfalls glaube ich das, denn ich habe kein Wort ihrer Sprache verstanden, aber es klang lustig. In dem leichten Chaos tippte mir plötzlich eine Frau auf die Schulter, die den Platz reserviert hatte, auf dem ich saß und natürlich nur bis Frankfurt reserviert hatte, also musste ich wohl oder übel raus. Ich hatte alle Mühe, meine Siebensachen in dem Gewühl aus dem Abteil zu befördern, denn nicht nur dass 4 Leute herumstanden, sondern dank Shopping in München und Hannover hatte ich zwei Taschen mehr dabei als sonst und wegen der Temperaturschwankungen neben meiner leichten Winterjacke noch eine Fleecejacke und eine Steppweste. Ach ja, und mein Sitzkissen. Da keiner irgendwohin weichen wollte blieb mir nichts anderes übrig, als alles einfach nur raus auf den Gang zu werfen, wo geschickterweise gerade ein ganzer Trupp Leute mit Riesenkoffern und Säcken durch stapfte. Das Chaos war perfekt. Irgendwann hatte ich mich und meine Sachen dann wieder sortiert und ums Eck einen günstigen Stehplatz gefunden, denn eine Platzsuche und ein erneutes Ausbreiten hätte für die von Mannheim bis Karlsruhe dauernde Fahrt von nur 20 Minuten keinen Sinn gemacht. Hätte, denn es kam die Durchsage, dass sich die Weiterfahrt wegen einer technischen Störung vorerst verzögert. Zu diesem Zeitpunkt hat mich schon nichts mehr überrascht und ich hab mir sicherheitshalber doch noch einen Sitzplatz gesucht und das war auch gut so, denn kurz danach kam die Durchsage, dass der Zug wegen einer Streckensperrung einen Umweg fährt. Das war dann der Punkt, an dem endgültig klar war, dass es mit der Teepause in Karlsruhe nichts wird und ich mir eher Sorgen machen muss, ob ich denn nun die Schwarzwaldbahn überhaupt noch erreiche. Am Ende hatte ich dann 10 Minuten zum Umsteigen, Zeit genug, um mir wenigstens noch eine Tüte Gummibärchen zu kaufen. Die Schwarzwaldbahn hat dann brav ihren Dienst getan und pünktlich in Konstanz abgeliefert, allerdings nicht ohne mir wenigstens noch meinen Lieblingsschaffner mit dem entsetzlichen Nagelpilz vorbei zu schicken.

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