Lasagne mit was?

Die Meldung über Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne hat mich nicht sonderlich schockiert. Zum einen, weil ich mir so etwas noch nie geholt habe und zum anderen, weil Pferdefleisch genauso hochwertig, wenn nicht sogar noch besser ist, als Rindfleisch. Allerdings war natürlich nicht klar, was für Medikamente die Pferde vielleicht bekommen hatten. Aber mal ehrlich: hätte der Verbraucher das bei den Rindern gewusst?

Das Problem liegt in meinen Augen nicht darin, dass hier Pferdefleisch verwendet wurde. Das Problem liegt darin, dass der deutsche Konsument bei Fleisch fast nur auf eines achtet: auf den Preis. Es scheint hierzulande nach wie vor nicht wirklich zu interessieren, wie die Schlachttiere gehalten werden, solange nur das Fleisch im Supermarkt billig ist.
Hier setzt der selbe Mechanismus ein, wie bei billigen Klamotten. Jedem ist klar, dass ein T-Shirt für 2 € in Billiglohnländern von Kindern genäht wurde. Und Kinderarbeit, noch dazu völlig unterbezahlt und in gesundheitsschädlicher Umgebung, findet jeder ganz furchtbar. Und trotzdem steht der brave deutsche Kunde am nächsten Tag wieder bei KIK und kauft ein.
Und genauso sieht es mit dem Fleisch aus. Immer wieder gehen furchtbare Fotos und Filme von tierquälerischer Haltung durch die Medien. Fast jeder ist betroffen und findet die Zustände unhaltbar. Trotzdem ist Deutschland bei der Umsetzung des europäischen Tierschutzes im Hintertreffen. Nach wie vor werden z.B. Ferkel ohne Betäubung kastriert und ihnen die Schwänze abgeschnitten. Bis zu 10% der Tiere sind nicht richtig betäubt, bevor sie ins heiße Wasser zum Brühen geworfen worden, damit Borsten und Haut sich leichter lösen.
Wir kritisieren in Deutschland gerne die Spanier wegen des Stierkampfes und den Umgang mit ihren Windhunden. Wir finden es furchtbar, dass in Asien Hunde und Katzen stranguliert und gegessen werden. Aber wir gehen mit unseren Schlachttieren auch nicht besser um. Und warum? Weil auf diese Weise das Fleisch billig bleibt. Alles andere wird einfach ausgeblendet.

Deshalb habe ich kein Mitleid mit denen, die eine Pferde-Lasagne erwischt haben. Wäre kein Pferdefleisch drin gewesen, wäre es eben welches von einem gequälten oder kranken Rind gewesen. Und wie jetzt grad gerne empfohlen wird, die Lasagne doch selber zu machen, das nützt auch nichts, wenn man dafür wieder irgendwo das billigste Hackfleisch aus dem Angebot kauft.

Mensch und Tier hilft hier nur eins: bewusst einkaufen und deutlich mehr Geld für die eigene Ernährung ausgeben.

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7 Antworten to “Lasagne mit was?”

  1. debelloculinario Says:

    Da ist was wahres dran. Mmanchmal hilft es auch einfach weniger Fleisch zu essen. Dann ist es auch nicht so dramatisch, wenn es etwas mehr kostet!
    Unabhängig davon finde ich aber schon, dass die Auszeichnung auf den Produkten korrekt sein sollte- unabhängig davon, ob es sich um regionale Bio Lasagne handelt oder um Billo-Eigenmarken TK-Kost von dem Discounter.

    • ichhebgleichab Says:

      Natürlich sollte die Auszeichnung korrekt sein. Egal, um welches Lebensmittel es geht. Aber wenn es um Profit geht, wird leider auch betrogen. Das werden wir nie ganz verhindern können.

  2. mayarosa Says:

    So ähnlich sehe ich das auch. Ich selbst kaufe kein Fertigfutter, sonder koche selbst und achte dabei vor allem auf Qalität der Zutaten. Schmeckt man. Allerdings ist mein zur Schule gehender Sohn auf Kantinenessen angewiesen und die haben ja das gleiche Problem. Damit das Mittagessen nicht zu teuer wird, wird beim Einkauf sehr auf den Preis geachtet. Siehe Erdbeeren und Apfelsaft auch China. Und oft können wir Verbraucher auch gar nicht unterscheiden, warum etwas wie viel kostet. Daher möchte ich, dass nicht nur bei Frischobst und Gemüse draufstehen muss, wo das Zeug herkommt. Und weil es mir zu lange dauert, bis die EU reagiert, habe ich schon mal angefangen, mich selbst dafür einzusetzen. Ich schreibe Hersteller von Waren in meiner Küche an, wo der Weizen gewachsen ist oder die Kuh gemolken wurde. Eine Antwort kam bisher noch immer. Dafür ist der Lebensmittelmarkt viel zu umkämpft, als dass man es sich leisten könnte, Verbraucher zu ignorieren. Und wenn das viele machen, fangen die Hersteller an, freiwillig transparenter zu werden, da bin ich sicher. Jedenfalls dann, wenn sie ihren Verkaufsvorteil darin erkennen, weil sie z.B. regionale Ware zu bieten haben.
    Nachahmen ist nicht nur erlaubt, sondern sehr erwünscht. HIer ist so ein Musterbrief: http://mayarosasweblog.wordpress.com/2012/11/04/verbraucher-hilf-dir-selbst/

  3. The Green One (@Eyfelgrynch) Says:

    Essen, vor allem gutes Essen, hatte in Deutschland immer den Ruch der Verschwendung und Völlerei (und des Unchristlichen).
    Wenn ich am Wochenende 500€ ausgebe, um mit meiner Holden irgendwo in Hamburg, München oder Berlin eine Theateraufführung oder eine Ausstellung zu besuchen, werde ich gefragt, wie es war. Gebe ich dieselben 500€ aus, um richtig gut zu Essen und zu trinken, hält man uns für bescheuert.
    Ich lebe hier „in meinem Sumpf“ ja ziemlich ländlich. Nichtsdestotrotz sterben auch hier die lokalen Produzenten aus. Jedes Jahr werden die Vollerwerbslandwirte, Bäcker und Metzger weniger.
    Übrigens passt der aktuelle „Skandal“ um Amazon genauso ins Bild.
    Jeder konnte schon lange wissen, wie es dort im Versand zugeht und auch zugehen muss, damit all unsere netten Bücher und Gadgets nach spätestens 3 Tagen „kostenlos“ an unserer Haustür abgeliefert werden.

    Business as usuall ist einfach zu bequem und der Mensch im Grundstz faul.

    • ichhebgleichab Says:

      Du hast völlig recht.
      Andererseits heißt es ja, dass sich viele Menschen in Deutschland kein gesundes Essen leisten können. Wenn das so ist, läuft hier wirklich was falsch. Woran liegt es? Zu geringes Einkommen? Zu hohe Mieten? Das Geld geht für Zigaretten und Bier drauf?

      • mayarosa Says:

        Dass sich Menschen in Deutschland kein gesundes Essen leisten können, halte ich für ein Märchen.
        Das Problem ist vielmehr, dass viel zu viele Leute sich an Fertigfutter bedienen oder bei McDoof und Co essen. Kaufe ich regional und saisonal ein und koche selbst, kann ich auch mit Hartz IV eine gesunde Ernährung hinkriegen. (Klar, bio ist nicht unbedingt drin, aber bio ist nicht unbedingt gesünder, sondern eher aus ethischen Gründen besser. Und die Ethik muss man sich tatsächlich leisten können)

  4. Frank Says:

    Schwer für Menschen zu realisieren, die mit knapp 700 Euro über die Runden kommen müssen.

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