Kaffee führt zu noch mehr Kaffee

Kaffee? Mag ich nicht. Ich bin in einem Teetrinker-Haushalt groß geworden. Möglichst weiches Wasser, eine gute Ostfriesen-Mischung, Kandis und Kekse dazu und zum Abendessen Früchte- oder Kamillentee. Kaffee? Mein Vater hat mittags einen schnellen Löslichen getrunken, bevor er wieder zur Arbeit musste. Aber das war es auch schon.
Als ich anfing, im Büro zu arbeiten, gab es dort nur Kaffee. Ganz selbstverständlich zu jeder Frühstückspause. Und zwischendurch. In jedem Büro stand mindestens eine Kaffeemaschine. Also hab ich auch damit angefangen. Zuerst fand ich ihn ungenießbar, dann stellte ich aber fest, dass er mit viel Milch und Zucker einigermaßen runter zu bekommen ist. Aber wirklich mögen? Bis heute nicht.
Und die Zeiten haben sich geändert. Auch in den Büros. Kein Rauchen am Arbeitsplatz und die Teetrinker sind auf dem Vormarsch. Hängt wohl mit dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein zusammen (wie weit es damit tatsächlich her ist, sei an dieser Stelle mal dahingestellt). Und so hab ich irgendwann einmal völlig mit Kaffee aufgehört. Aufhören können, denn inzwischen kriegt man auf Nachfrage tatsächlich auch einen genießbaren Tee. Nur noch selten bekomme ich ein „Oh, da muss ich mal die Kollegen fragen“ zu hören, worauf dann 10 Minuten später jemand triumphierend mit einem einzelnen etwas verknickten Teebeutel undefinierbarer Herkunft auftaucht.

Heute Mittag bin ich etwas verfroren in Hannover in den ICE gestiegen. Normalerweise bestelle ich mir dann einen Tee, bevorzugt Grüntee mit Zitrone. Dann kam aber gerade eine Zugbegleiterin mit einem Tablett Kaffee und Cappuccino vorbei. Und ich dachte: was soll’s, ist auch heiß und müde war ich auch schon wieder (dabei hilft Kaffee bei mir überhaupt nicht gegen Müdigkeit, aber irgendwie ist das bei mir trotzdem drin). Und Cappuccino schmeckt nicht ganz so furchtbar, also hab ich einen genommen. Mit zwei Zucker. Ging so, aber ging.
In Frankfurt hat mich mein Sitznachbar über dem Gang gebeten, auf seinen Platz aufzupassen. Der ICE hat dort immer 5 Minuten Aufenthalt und ich dachte, er geht schnell eine rauchen. Stattdessen tauchte er mit zwei Bechern Kaffee wieder auf, die er draußen geholt hatte. Er erzählte mir, dass er eigentlich nur einen Kaffe und ein Stück Kuchen bei seinem bevorzugten Stand habe holen wollen. Aber da sei eine lange Schlange gewesen, also habe er schnell woanders einen geholt. Und wo er doch nun eine Hand frei gehabt hätte…. Tja. Da saß ich nun mit meinem Becher Kaffee, den ich so gar nicht wollte. Ablehnen? unmöglich. Aber er hatte genügend Zucker mitgebracht und wir haben dazu meine Milka-Kekse geteilt. Trotzdem hätte ich viel lieber Tee gehabt. Dafür hatten wir eine lange und nette Unterhaltung, das war den Kaffee wert.
Und falls er gefragt hätte, ich hätte ihm sogar meine Nummer gegeben. Bei einem Becher Tee hätte ich sie ihm vielleicht von selbst gegeben 😉

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