Ausflug mit Hindernissen

Vor 10 Tagen hatten wir Betriebsauflug. Entweder eine vierstündige Wanderung am Donautal oder sich in Sigmaringen aussetzen lassen und die Landesgartenschau und/oder das Schloss besuchen. Eigentlich wandere ich ja ganz gerne, aber es hieß, man soll feste Schuhe anziehen (besitze ich nicht *hüstel*) und Wanderstöcke mitbringen (besitze ich schon zweimal nicht). Das klang mir alles irgendwie zu anstrengend und außerdem wollte ich ganz gern mit Kollegin C. zusammenbleiben.
Die letzten Ausflüge hatte ich meist deshalb ausgelassen, weil mir im Bus gerne schlecht wird. Weil neulich die Fahrt nach Stuttgart ganz gut ging, dachte ich aber, ich versuche es mal wieder. Was ich allerdings nicht bedacht hatte: der Bus fuhr nicht geradeaus auf der Autobahn, sondern weil noch Kollegen eingesammelt wurden, die ganze Strecke schön über die Dörfer. Also leider Kurven ohne Ende. Vor allem am Schluss, als die Wanderer noch irgendwo in der Pampa abgesetzt wurden. Ich war völlig grün und kurz davor, nach der Tüte zu verlangen. Aber auch die scheußlichste Fahrt nimmt mal ein Ende. Die Sonne schien, aber nicht zu knallig, genau richtig für die Landesgartenschau. Auf der bin ich mit der Kollegin eine ganze Weile rumgelaufen. Wir haben uns Schokoladenblumen angesehen und uns von einem fliegenden Händler einen Lederbalsam aufschwatzen lassen 😉 Die Gartenschau selbst fanden wir irgendwie enttäuschend. Einfach viel zu wenig Blumen. Aber das lag sicherlich auch mit an dem blöden Wetter der letzten Wochen.
Unsere frühe Mittagspause war dafür sehr unterhaltsam, weil sich ein älteres Ehepaar zu uns setzte, so an die 80 Jahre alt. Die zwei waren total süß und haben uns mit Geschichten aus ihrem Leben gut unterhalten.
Meine Kollegin habe ich kurz danach wieder in den Bus gesetzt und bin allein noch etwas durch Sigmaringen gelaufen. Ich hatte nicht die geringste Lust, mit dem schaukeligen Bus irgendwo in die Einöde zu dem geplanten späten Mittagessen zu fahren und dann den Weg zurück nach Konstanz. Allein der Gedanke daran ließ mich schon wieder grün werden. Der Bahnhof war auch gar nicht so weit weg und leicht zu finden. Nachdem ich genug davon hatte in der Stadt herumzulaufen (und wieder unnötig Shirts und Schuhe zu shoppen ;-)) hab ich mir noch ein Riesen-Eis gekauft und vor dem Bahnhof ein bißchen unter den Bäumen auf einer Bank gesessen. Die getankte Relaxtheit hab ich später noch dringend gebraucht:
Der Bahnsteig in Sigmaringen war für einen Donnerstag erstaunlich gut gefüllt. Fast ausschließlich mit jungen Leuten mit allerlei Zeugs dabei. Also besser gleich in Position bringen für einen Platz im Zug. Der ließ sich aber mal wieder Zeit. Erst hieß es 10 Minuten, dann 15 Minuten, am Ende waren es dann 20. Und er war schon rappelvoll.
In der Zwischenzeit hatte ich auch mitbekommen, dass irgendwo ein Musikfestival war. Von sowas hab ich keine Ahnung, weil ich nicht mal Konzertgänger bin. Und ein mehrtägiges Festival würde mir schon gar nicht einfallen. Also hatte ich natürlich auch den Termin des Southside-Festival nicht mal ansatzweise auf dem Schirm.
Der Lokfüher hat mich und eine Wandergruppe netterweise gleich rangewunken und in die 1. Klasse einsteigen lassen. Deshalb hatte ich wenigstens einen Sitzplatz. Aber der Anschluss in Immendingen war nicht mehr zu kriegen. Weil ich inzwischen festgestellt hatte, dass ich eine Fahrkarte nur für den Nahverkehr hatte, die nächste Verbindung aber ein IC wäre und weil ich keine Lust hatte, länger auf einem Dorfbahnhof rumzuhängen, hab ich beschlossen, schon in Tuttlingen auszusteigen. Fehler. Schwerer Fehler.
Was ich nämlich auch nicht wusste: das alle Festival-Gänger ebenfalls in Tuttlingen aussteigen würden. Und dass gefühlt 1000 Leute den Ausgang des Bahnhofs blockieren würden, während sie auf den Shuttle-Bus warten. Habt Ihr schon mal versucht, Euch durch eine Menschenmenge zu wühlen, die nicht nur jede Menge „Gepäck“ in Form von Trollys und Sackkarren mit palettenweise Bier dabei hat? Dazu Rucksäcke mit quer befestigten Isomatten und Zeltgestängen? Ein Wunder, dass ich es überhaupt geschafft hab. Aber ging sicher fast eine Viertelstunde.
Das nächste, was ich gelernt habe: nicht jeder Bahnhof befindet sich direkt in der Innenstadt. Ich bin gefühlt 3km gelatscht , bis ich endlich dort war. Tatsächlich war es nur die Hälfte, aber weil ich dringend pinkeln musste, kam es mir erheblich länger vor. Im Zug und auch am Bahnhof hatte ich bloß keine Chance gehabt. In der Innenstadt hab ich sofort die nächste Eisdiele gestürmt. Die Toilette war okay, aber der Quarkbecher, den ich mir gönnen wollte, war furchtbar. Der Quark schmeckte nicht und das Eis auch nicht. Zum Trost bin ich dann noch in einen türkischen Klamottenladen. Ihr wisst schon: so einer wo auf jedem Schuh und jedem Shirt mehr Glitzer ist, als in meiner gesamten Schmuckschatulle 😉 Die ganze Zeit hat mich eine Verkäuferin argwöhnisch beobachtet, weil ich irgendwie so gar nicht dort rein passte. War mal eine ganz neue Erfahrung.
Rechtzeitig zurück am Bahnhof um mich wieder durch die Menschenmenge zu graben, kam mein Zug überraschenderweise nur ein paar Minuten zu spät. Dafür hatte dann wieder der Anschluss in Singen deutlich Verspätung. Durch dieses blöde Festival ist an dem Tag der ganze Fahrplan aus dem Takt geraten. Am Ende war ich dadurch erst mit zweieinhalb Stunden Verspätung zuhause.
Aber hey: mir war nicht schlecht.

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4 Antworten to “Ausflug mit Hindernissen”

  1. frauhild Says:

    Großartig! :))) Hab mich hier schlappgelacht. Aber war doch ein ereignisreicher Tag. 😉
    Lg dani

  2. Jay F Kay Says:

    Wer kam denn bitteschön bei euch auf die Idee Sigmaringen zu besuchen? Die Stadt geht gar nicht, auch wenn das Schloss recht nett ist. Da hast du wirklich was erlebt und dass in Tuttlingen die Southsider zu Gast waren, ist natürlich Pech. Leider kann ich mir sehr gut vorstellen, in welcher Eisdiele du warst. Aber sei beruhigt, die andere in unmittelbarer Nähe ist auch nicht besser.

    Falls du in deinem Leben jemals wieder in Tuttlingen aus dem Zug steigen wirst, kannst du mich gerne per Twitter fragen, wo man sich dort verlustieren kann. Ein paar gute Locations gibt es dort nämlich… 😉

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