Wie es mir zuhause erging

Ich hatte mich ja sehr darauf gefreut, nach über einem Monat Krankenhaus endlich wieder zuhause zu sein. Mir war klar, dass es nicht einfach sein würde. Aber ich hatte nicht gedacht, dass es eine solche Quälerei werden würde.
Mir ging es nämlich überhaupt nicht gut, die meiste Zeit ging es mir sogar ziemlich besch**. Ich war nicht nur ständig müde und kaputt, mir war auch ständig übel. An manchen Tagen nur leicht, an den meisten jedoch musste ich darum kämpfen, mich nicht zu übergeben. Und dabei sollte und musste ich essen, um nicht noch weiter abzunehmen. Außerdem machte mein Kreislauf zunehmend schlapp. An manchen Tagen ging es und ich konnte mit Begleitung ein bisschen an die frische Luft und etwas am See spazieren. Die meiste Zeit aber war es einfach zu anstrengend. Ich war schon völlig fertig, wenn ich nur vom Bett ins Bad musste oder vom Sofa in die Küche.  WIE fertig, kann sich keiner vorstellen, der nicht selbst einmal in einer solch extremen körperlichen Verfassung war. Das Herz klopfte wie verrückt und ich musste mich vor Überanstrengung fast übergeben. Keine guten Voraussetzungen.
Dazu hatte ich zwischendurch immer wieder Theater mit dem Stomabeutel. Es gab immer wieder Phasen, wo das Ding einfach nicht richtig halten wollte und die Sauce auslief. Ich war ständig mit Umziehen und sauber machen beschäftigt. Außerdem verätzt die Flüssigkeit die Haut. Am Ende war ich eines Abends sogar notfallmäßig im Krankenhaus, weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste. Die Haut am Bauch hat gebrannt wie Feuer und nichts hielt mehr. Toll ist sowas natürlich auch nachts. Ich weiß nicht, wann ich das letzte mal ruhig durchgeschlafen habe. Leeren muss man das Teil meist sowieso einmal, weil der Dünndarm leider laufend durch arbeitet. Und ich habe immer Angst, der Beutel platzt mir mal. Und natürlich Angst, er wird vorzeitig undicht und überschwemmt mir das Bett. Ich hab einige Foren im Internet besucht. Die sind voll von Leuten, die jede Nacht ihr Bett mehrmals neu beziehen. Tolle Aussichten. Im Moment geht es bei mir. Aber drückt mir bloß die Daumen, dass die Rückverlegung in ein paar Tagen auch gut klappt.

Letzten Montag war ich zur Voruntersuchung für die geplante Tumor-OP am 19. Dezember im Krankenhaus. Aufnahme in der Verwaltung, Aufklärungsgespräche, Blutabnahme etc. Ich hatte es schon kaum geschafft, überhaupt hin zu kommen. Sie haben mich dann mit einem Rollstuhl von Zimmer zu Zimmer geschoben. Aber hinlegen konnte ich mich nicht. Deshalb bin ich dann zusammengeklappt. Nachdem mich der Onkologe untersucht hat und die ersten Ergebnisse der Blutabnahme da waren kam heraus, dass ich völlig dehydriert war und meinem Körper mehrere Liter Wasser gefehlt haben. Außerdem waren aufgrund der Chemo praktische sämtliche Blutwerte total abgefallen. Vor allem die weißen Blutkörperchen und auch der rote Blutfarbstoff.
Sie haben mich dann wegen akuter Ansteckungsgefahr in Isolation gesteckt, damit ich ja mit nichts infiziere. Ich habe intravenös jede Menge Wasser, Mineralien, Antibiotika, und sogar zwei Blutkonserven bekommen. Außerdem sauteure Spritzen (in der Apotheke hab ich mal für eine über 1.800€ bezahlt), um die Produktion der weißen Blutkörperchen zu beschleunigen. Schon nach zwei Tagen ging es mir dann deutlich besser. Auch die ständige Übelkeit hatte sich verflüchtigt und ich kann inzwischen wieder normal essen. Wisst Ihr, wie schön? 🙂
Die Dehydrierung habe ich übrigens auch dem blöden Ileostoma zu verdanken. Wenn etwa 90% dessen, was man trinkt über den Beutel wieder rausläuft, wird es natürlich schwierig mit der Flüssigkeitsversorgung.

Im Moment geht es mir jedenfalls wieder ganz gut und ich warte auf meine OP am Donnerstag. Die wird kein Spaziergang und danach wird es mir sicherlich ein paar Tage wieder ziemlich mies gehen. Aber dann bin ich wenigstens den Beutel los, den Tumor los und hab nur noch dreimal Chemo vor mir. Das ist zu schaffen.

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8 Antworten to “Wie es mir zuhause erging”

  1. frauhild Says:

    Oioioi… Hatte dich ja übel erwischt ;( Muss ziemlich nervig sein mit so nem Stoma-Beutel. Freu dich auf die OP und guck nach vorne :)))
    Meine Mam hat eine PEG, dort ist es umgekehrt. Nur benötigt sie enorm viel Zeit für eine Mahlzeit. IhrTagesablauf ist immer um die Nahrungsaufnahme mit der PEG gebaut. Dann Verbandwechsel durch die Ambulante Hilfe, dann scheuert der Verschluss des Teils, oder es wächst wildes Fleisch um den Eingang des Schlauchs. und das seit 5 Jahren. Naja, sie ist bedient. Essen würde sie gerne wieder normal.
    Weihnachten ist – logo – die Hölle für sie, weil alle Welt isst und überall die Gerüche von den Weihnachtsmärkten rumwabern…
    Ich wünsche dir eine supergute OP, dass alles gut geht und der blöde Tumor auf ewig in der Tonne verschwindet!
    Drück dich von hier aus und wünsch dir trotz allem eine richtig schöne Weihnachtszeit :))) Mach´s beste draus!
    Lieben Gruß
    dani

  2. Ute Says:

    Daumen sind weiter feste gedrückt, dass die OP und alles drumrum bestmöglich verläuft und keine weiteren Komplikationen auftreten.

  3. Miss Fairytalez Says:

    Ich bewundere dein Durchhaltevermögen und deine Fähigkeit positiv in die Zukunft zu schauen. Respekt!
    Ich war selbst schon oft krank, hilflos und am Rande meiner Leidensfähigkeit, aber ich habe nicht immer diese positive Einstellung halten können.

    Ich wünsche Dir so sehr, dass Du wieder gesund wirst und es dir schon bald wieder richtig gut geht.

  4. Christian Theisen Says:

    Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft! Es wird bestimmt bald wieder besser.

  5. Peter Says:

    Ich drück Dir die Daumen, dass alles gut geht.

  6. unepartiedemoipourvous Says:

    Denke fest an dich. Daumen sind gedrückt,vor allem am Donnerstag.

  7. erikschimmelErik Says:

    Ich drück dich und alle meine Daumen, dass es dir nach der OP besser geht. Krebs ist ein Arschloch… zeig’s ihm!

  8. Yvonne Says:

    Du bist ne tapfere Frau!

    Meine Gedanken sind bei dir, ich drücke dich ganz fest.

    Liebe Grüße aus Stuttgart!

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