Die Operation

Am 19. Dezember bin ich morgens ganz ruhig in den OP gerollt. Ich wusste, dass die OP länger dauern würde und dass ich in guten Händen bin. Tatsächlich ging die OP dann fast 7 Stunden. Sie haben den Tumor und alle sichtbaren Metastasen entfernen können und neben den geplanten Dingen wie Eierstöcke, Gebärmutter, Darmnetz und Bauchfell ist lediglich die Milz noch flöten gegangen. Aber ohne die Milz kann man wohl ganz gut leben und alles andere ist noch da.
Leider musste ich dann aber am nächsten Tag wegen Nachblutungen noch einmal operiert werden. Und am Tag darauf noch einmal. Selber habe ich davon nichts mitbekommen, aber es war wirklich knapp. Die Ärzte hatten meine Freundin @Penny1205 schon nach einer Patientenverfügung gefragt. Das sagt wohl alles.
Ich bin nur zwischendurch immer mal wieder halb wach geworden und habe ein paar Gesprächsfetzen mitbekommen. Irgendwie war ich in einer seltsamen hellen schwebenden Welt und bin aufgrund der Bemerkung eines Arztes zu dem Schluss gekommen, dass ich wohl sterben muss. Seltsamerweise hat mich das nicht schockiert, sondern nur erstaunt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war ganz ruhig und habe das akzeptiert.
Ich bin dann doch nicht gestorben, hab es mir in den Tagen auf der Intensivstation aber fast gewünscht. Ich war sediert und wurde künstlich beatmet, war aber nicht so weg, wie ich hätte sein sollen. Ich war immer wieder halb wach und das war für mich nur eins: quälend. Diesen Zustand wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht. Als ich wieder richtig wach und die Beatmung los war, hatte ich Panikattacken und wollte nicht allein sein. Denn ich hatte nur noch Angst, nackte Angst. Inzwischen weiß ich – was einem keiner erzählt – dass so etwas eine häufige Nebenwirkung von Narkosen ist. Und ich hatte gleich drei an drei aufeinanderfolgenden Tagen und zusätzlich Sedierungen. Aber da haben sich meine Freunde wieder bewährt 🙂 🙂 @Penny1205 hat – nach hartem Kampf mit dem Stationsarzt – bei mir auf der Intensivstation übernachtet. Leider wurde sie krank und musste am nächsten Tag wieder nach Hause. Da hat spontan meine Kollegin C. an Heiligabend (!) ihr Essen mit den Patenkindern abgesagt und ist bis spät abends bei mir geblieben bis @thomasgemperle kam. In der Nacht ist er dann bei mir geblieben. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie dankbar ich den Dreien dafür bin.
Dann war die größte Angst vorbei und ich kam auch alleine zurecht. Aber eine Intensivstation ist in jedem Fall nicht besonders schön. Ich hatte eine Unzahl von Schläuchen, überall hat es gepiept und es war nie ruhig. Und leider hatte ich wieder jede Menge Ödeme und konnte mich wegen der geschwollenen Arme und Beine kaum rühren. Auch am Rücken und an der Seite hatte ich Schwellungen. Und Wasser im linken Ohr, so dass ich damit kaum noch was hören konnte. Blöd.
Wegen Kapazitätsproblemen durfte ich dann recht bald wieder auf die Normalstation. Da hab ich mich schon deutlich wohler gefühlt. Ich hatte wieder meine Sachen um mich und nicht so viele Apparate. Und die Schwestern dort kannten mich schon und haben mich netter und persönlicher betreut als die überlasteten Kollegen der Intensivstation 🙂

Fortsetzung folgt….

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20 Antworten to “Die Operation”

  1. Yvonne Mich Says:

    Es ist unglaublich, wie zäh Du bist! Unglaublich unglaublich und unglaublich schön!!
    Freue mich jeden Tag, wie viel besser es Dir geht! Mach weiter so und im Sommer trinken wir Whisky am See!

  2. Yvonne Says:

    Puh. Heftig.

    Fühle dich herzlich umarmt.

  3. Jens A. Heim Says:

    Eine an sich schreckliche Geschichte, wirklich toll geschrieben. Schön, wenn man solche Freunde hat – Gänsehaut 🙂

    Dir weiterhin alles alles Gute! Bis dann, wir sehen uns 🙂
    Jens

  4. Daniela Says:

    Ich weiss gar nicht, was man dazu sagen kann, das ist so heftig und Du erträgst das alles so tapfer. Ich wünsch Dir so fest, dass Du bald wieder auf den Beinen bist und den Mist gut überstanden hast.

  5. Melanie Says:

    Och herrje…. Du armes! Das tut Mir so leid, erst deine schwester und jetzt du 😦 schoen das du menschen um dich hast die fuer dich da sind

  6. unepartiedemoipourvous Says:

    bekam ne Gänsehaut, als ich gelesen habe, wie es dir wirklich erging. Umso schöner, dass es dir etwas besser geht. Kämpfe weiter. Drück dich.

  7. cruiser607 Says:

    Grundgütiger!!! Ich scheine nicht nur 18300 km weit weg, sondern auch hinter dem Mond zu leben. Habe deine Geschichte gerade erst durch Zufall gelesen.

    Offensichtlich geht es dir inzwischen wieder besser. Ich denke ganz doll an dich!

    DU SCHAFFST DAS!

  8. die paule Says:

    wenn man deine schlimme odyssee liest wird einem erst mal wieder bewusst, dass gesundheit überhaupt nichts selbstverständliches ist. und, dass das leben nicht fair ist. ich hab dir schon paarmal getwittert, dass du das einfach nicht verdient hast und ich bewundere, wie stark du das durch stehst. umso betroffener macht es mich zu lesen, wie schlimm es wirklich war 😦
    ich wünsch dir – unbekannterweise – weiterhin kraft und alles nur erdenklich gute, dass es nur noch aufwärts geht und keinen einzigen kleinen schritt zurück!

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