Zwischenstand

So langsam könnte ich ja mal wieder was bloggen….das denke ich schon eine ganze Weile. Aber bei mir passierte irgendwie nichts. Das sieht man auch den relativ wenigen Tweets an. Vorbei die Zeit der Erlebnisse. Ich war lange krank zu Hause, hab viel geschlafen und mich irgendwie beschäftigt. Wöchentlich zum Arzt zur Infusion, zweimal zur Lymphdrainage, kurz was einkaufen. Das war es schon. Um über ein anderes Thema zu schreiben, war ich einfach zu müde und zu träge.

Dann ist doch endlich was passiert: ich hab angefangen zu planen, langsam wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Zunächst nur mit zwei Stunden am Tag, vier Tage die Woche. Das hab ich mir zugetraut. Und ich hab mich gefreut, dass wieder etwas Normalität in mein Leben kommt.
Und genau zu der Zeit fing der Tumormarker in meinem Blut wieder an zu steigen. Schwankungen sind zwar durchaus nicht ungewöhnlich, aber… Schnell hab ich mich mit meinem Onkologen darauf verständigt, ein PET/CT machen zu lassen. Das Besondere dabei ist, dass man eine radioaktive Zuckerlösung gespritzt bekommt. Tumorzellen stürzen sich auf Zucker und verraten sich durch ein Leuchten.

Genau zwei Stunden vor meinem Arbeitsbeginn nach anderthalb Jahren dann die Nachricht: der Krebs ist wieder da. Auf der Leber, dem gesamten Darm und noch zwei Stellen im Bauchraum. Ich wusste gar nicht, wie ich meinen Arbeitskollegen entgegentreten sollte. Gleich sagen, dass alles nur Makulatur ist und ich eigentlich gleich wieder gehen kann? Ich hab erst mal nichts gesagt. Alle haben sich so gefreut und mich so nett begrüßt. Das hat mich echt aufgebaut. Und ich musste die schlechte Nachricht auch erst einmal für mich selbst verarbeiten. Ich hatte zwar schon damit gerechnet, aber natürlich gehofft, dass es nur blinder Alarm ist.

Es war natürlich ziemlich blöd für mich, mir meinen Arbeitsplatz einzurichten, mich auf das Laufende zu bringen, mir Arbeit von den Kollegen zu holen, wohl wissend, dass es wohl sinnlos ist. Auf der anderen Seite war die Hoffnung, dass es keine weitere OP gibt und ich eine zweite Chemo gut vertrage und trotzdem arbeiten kann.

Leider kam es anders. Der Krebs hat meinen Darm versteift und ich musste zweimal nachts notfallmäßig mit einem beginnenden Darmverschluss ins Krankenhaus. Das war wirklich nicht witzig. Und meine Kollegen konnten sich ausrechnen, dass etwas nicht stimmt. Am Ende hab ich immerhin zwei Wochen ein bißchen gearbeitet. Aber das war es dann.

Jetzt bekomme ich wieder Chemo, die mich ziemlich fertig macht. Mit der Übelkeit geht es bisher und die Haare bleiben anscheinend dran. Aber ich bin unendlich schlapp und müde. Ich schlafe sehr viel und bin den Rest der Zeit gar nicht richtig wach. Und wenn ich mal aus dem Haus gehe, bin ich sofort aus der Puste. Langsam habe ich ein echtes Problem damit zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen. Dabei habe ich erst zwei Chemos hinter mir und vier folgen noch. Und die Nebenwirkungen werden bekanntermaßen eher schlimmer. Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll und kann nur auf gute Tage hoffen.
Außerdem habe ich das Pech, dass zum Ende des Monats gleich zwei Freunde aus Konstanz wegziehen. Beide haben einen Wohnungschlüssel und waren im Notfall für mich da. Die Beruhigung fehlt mir jetzt. 

Die ganze Situation zieht mich ziemlich runter. Ich habe immer darauf hin gelebt, dass ich keinen Rückfall bekomme und mein normales Leben irgendwann wieder weiter leben kann. Aber davon kann ich mich verabschieden. Ich werde die Chemo irgendwie wieder schaffen und den Krebs dann hoffentlich besiegt haben. Aber auch dann wird es nicht mehr wie vorher. Die OP hat viel zerstört und mein Darm funktioniert nicht mehr richtig. Ich hab Wasser in den Beinen und muss mehrmals am Tag zum Teil schauerliche Medikamente nehmen. 
Ich lebe zwar, aber Moment irgendwie nicht richtig. Diese elende Müdigkeit macht mich zusätzlich fertig. Hoffentlich wird das wieder besser. 

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6 Antworten to “Zwischenstand”

  1. Torsten Maue Says:

    Aber du lebst, und das ist erst mal das Wichtigste. Und wenn du das hier überstanden, wirst auch wieder besser drauf sein, es dir besser gehen und Stück für Stück wirst wieder die alte, also die junge… Wenn das irgendwer schafft, dann doch wohl du. Da vertraue ich dir voll und ganz.

  2. Birgit Schmidt (@I_C_H) Says:

    Fleißig lese ich deine Blogeinträge und das immer sehr gerne. Zuerst mal wünsche ich dir ganz schnelle Besserung und dass du die Chemo gut überstehst.
    Das Problem kenne ich zu gut, Gottseidank nicht selbst aber meine Mutter ist schwer vor 3 Jahren an Knochenkrebs erkrankt, ausgehend vom Brustkrebs. Komplette Wirbelsäule, Kopf und Hüften waren vom Krebs befallen, durch Bestrahlung konnte man alles zum Stillstand bringen, Brüste wurden entfernt und es war alles soweit gut. Ein gutes Jahr später ging es wieder los, diesmal ist die Lunge und die Leber mitbetroffen. 19 Chemos. 10 hat sie nun hinter sich, ist auch schnell müde und fertig, keine Übelkeit aber das Essen fällt ihr sehr schwer… Was ich sagen möchte ist, dass du so eine positive Einstellung hast, wie meine Mutter. Du arbeitest dich auch immer wieder nach oben und das imponiert mir sehr, wie ihr damit umgeht 😊 Ich wünsche dir alles Gute und bleib so positiv. Es hilft unwarscheinlich!
    Liebe Grüße
    Birgit (Twitter I_C_H)

  3. Daniela Warndorf (@Frau_Elise) Says:

    Ach Mann, was für ein Mist. Ich drücke Dich ganz fest!

  4. Yvonne Says:

    Du Liebe, ich wünsche dir ganz viel Kraft. Denke fest an dich. Ruh dich schön aus.

  5. Miss Fairytalez Says:

    Oh nein! Manchmal fragt man sich wirklich, warum… Ich drücke dir so sehr alle alle Daumen!!!
    Und ich wünsche Dir die Kraft und Energie, die Krankheit auch diesmal zu besiegen.

  6. knqt Says:

    Ich denke oft an Dich, Du schaffst das!

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