Archive for the ‘Alter’ Category

Graue Haare?

3. November 2014

Letzte Woche war ich mal wieder in der Ambulanz der Frauenklinik. Die Schwester dort hatte mich längere Zeit nicht mehr gesehen.
Sie sah mich an und sagte: „Oh, Ihre Haare sind aber inzwischen schön wieder nachgewachsen.“
Ich: „Stimmt. Ich hatte schon Angst, weil sie erst mal nur in einem breiten Kranz gekommen sind. Oben in der Mitte und direkt über den Ohren war erst nix.“
Sie darauf: „Gell, und grau sind sie noch nicht.“
Da musste ich erst mal überlegen. Vorher waren meine Haare stark blondiert, da hätte man erste graue Haare sowieso nicht gesehen. Jetzt sind sie dunkel nachgewachsen und bisher war mir nichts aufgefallen. Aber stimmt, ich könnte tatsächlich schon grau werden. Darüber hatte ich bisher noch nie nachgedacht.
Zu Hause hab ich mir gleich einen Spiegel geschnappt und mich im Tageslicht genau angeguckt. Tatsächlich: an den Schläfen so zwei, drei graue Härchen und oben an der Stirn auch ein einzelnes. Verdammt! Jetzt hab ich mir doch glatt ein Schönheitsproblem andrehen lassen 😉

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Meine Nachbarn

15. Juni 2013

Heute möchte ich Euch endlich mal meine NachbarInnen vollständig vorstellen, von denen ich bei Twitter ab und zunmal erzähle.

Unten im Haus sind die Goldschmiede. Ein sehr nettes Paar, das erst im eigenen Wohnzimmer ein bißchen nebenbei geschmiedet hat und vor fast zwei Jahren gemeinsam den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hat. Dazu haben sie die Räume, die etwas windschief und mindestens 300 Jahre alt sind, in wochenlanger Eigenarbeit wunderbar hergerichtet. Der Schmuck, den sie selbst designen und herstellen, ist oft nicht so ganz mein Geschmack, aber das ist ja egal. Dafür finden sie immer mal wieder eine Gelegenheit für eine Einladung zu einem Glas Wein oder Prosecco. Und ganz wichtig: sie nehmen immer meine Paketpost an! Ich bin ja ein klein wenig shoppingsüchtig und gehöre zu denen, die abends noch im Internet dieses und jenes bestellen. Und die zwei sind so nett und bringen meine Pakete oft sogar noch die Treppe hoch und legen sie mir vor die Tür 🙂

Direkt über mir wohnt eine junge Frau, die ich praktisch nie zu Gesicht bekomme. Sie arbeitet in einem Restaurant und schläft noch, wenn ich aus dem Haus gehe und kommt dafür erst nach Mitternacht von der Arbeit, wenn ich schon wieder im Tiefschlaf liege. Es kann allerdings passieren, dass ich dann später wach werde, wenn es über mir rhythmisch wummert. In diesen alten Häusern sind ja nur Holzfußböden mit ein bisschen Stroh und Papier dazwischen, da übertragen sich Erschütterungen besonders gut. Deshalb bekomme ich auch immer mit, wenn die Wäsche schleudert, aber das stört nicht weiter.

Und ganz oben wohnt die 90-jährige, die im Dezember einen leichten Schlaganfall hatte und seitdem etwas Hilfe vom Pflegedienst braucht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktioniert das jetzt ganz gut und sie wird langsam wieder. Nur das Haus verlassen kann sie bisher (noch) nicht. Es gibt keinen Fahrstuhl und die steilen Treppen bis in die dritte Etage sind ein zu große Herausforderung geworden. Deshalb kaufe ich mindestens einmal in der Woche für sie ein und erledige ihre Post und Bankgeschäfte. Inzwischen weiß ich ziemlich genau, was ich mitbringen muss. Aber der Mai hat uns mit seinen vielen Feiertagen ordentlich aus dem Takt gebracht. Die abgezählten Brotscheiben, Joghurtbecher und Obststücke haben irgendwie nie so richtig gepasst 🙂

Im Winter wohnt außerdem noch eine Cousine von mir im Hinterhaus. Sie hat mir nie was getan, fällt aber in die Kategorie „lästige Verwandtschaft“. Kennt Ihr auch solche Leute, die ohne Punkt und Komma Zeug erzählen, das Euch überhaupt nicht interessiert? Die auch nicht aufhören, wenn Ihr anfangt, Euch mit etwas anderem zu beschäftigen? Die nicht mal aufhören zu reden, wenn ihr weggeht??? Ich habe schon jetzt Angst vor der Zeit, wenn sie in Rente geht und ganz nach Konstanz zieht. Aber irgendeine Strategie wird mir da sicherlich noch einfallen 😉

Aber ganz egal, wie verschieden wir Nachbarn auch sind: wir haben uns noch nie gestritten und bisher hat schon jeder mal dem anderen einen Gefallen getan und wird es auch jederzeit wieder tun. Das gefällt mir und auch deshalb wohne ich gerne in dem Haus 🙂

Weichgespült?

4. Juni 2013

Meine 90-jährige Nachbarin ist nach ihrem leichten Schlaganfall inzwischen wieder fit genug zum Wäsche waschen, was sie auch fleißig tut. Deshalb sollte ich ihr neulich Persil mitbringen. Und Weichspüler. So eine große Flasche von Meister Proper.
Ich selbst habe mein Lebtag noch keinen Weichspüler gekauft, weil es in meinen Augen ein ziemlich sinnfreies und dazu noch schädliches Produkt ist. Sobald die Wäsche wieder etwas feucht ist, wird sie von alleine weich. Weichgespülte Wäsche wird außerdem feuchtigkeitsabweisend, was bei Handtüchern oder Shirts nun wirklich nicht sinnvoll ist. Die enthaltenen Duftstoffe treten mit Deo oder Parfum in Wettstreit, reizen Haut und Nase und können Allergien auslösen. Und nicht zuletzt wird die Umwelt zusätzlich belastet.
Nun ja, so etwas habe ich gar nicht erst versucht, der alten Dame zu erzählen und mich mit meinem Einkaufsauftrag abgefunden. Allerdings hatte ich auch mit meiner mangelnden Erfahrung im Bereich Weichspüler vermutet, dass es so etwas wohl nicht von Meister Proper gibt, aber vielleicht vom Weißen Riesen. Aber soviel ich auch Ausschau in der Drogerie meines Vertrauens gehalten habe: kein Weichspüler mit einem muskulösen glatzköpfigen Mann drauf. Dafür Babys, Blüten und Kuschelbären. Ist ja auch irgendwie passender. Am Ende bin ich mit irgendeiner blauen Flasche abgezogen, hoffend, dass mich beim Erwerb keiner bemerkt.

Wenn ich mich recht entsinne, war das gerade mal vier Wochen her. Aber schon gestern wurde wieder Weichpülernachschub verlangt. Und ob ich diesmal nicht eine große Flasche mitbringen kann. Früher gab es doch immer so große mit Henkel. Ohah, anscheinend ist da an jemandem etwas vorbei gegangen. Ich habe versucht, ihr die Sache mit dem Konzentrat zu erklären, was mir erst mit einem Sirup-Vergleich gelungen ist.
„Dann hätte ich wohl nur eine Kappe nehmen sollen? Und ich hab einfach immer bloß so rein geschüttet.“ Ähm…..das erklärt den Verbrauch natürlich.

Eingesperrt

21. April 2012

Heute war ich in einem Senioren- und Pflegeheim und saß friedlich in einer Sitzecke. Auf einmal Rufe einer Frau: „Hilfe, Hilfe, Hilfe“. Ich drehe mich um und sehe eine alte Dame im Nachthemd im Rollstuhl, die sich in unsere Richtung bewegt. Ruft sie wirklich „Hilfe“? Ich höre wieder hin: nein, sie ruft nach Ilse. Das kommt dort öfter vor, daß nach jemandem gerufen wird. Da sagt meine Schwester: „Sie ruft um Hilfe, geh doch mal hin und guck.“ Also gut. Ich rappel mich auf und tappse auf Socken in Richtung der alten Dame. Meine Schuhe hatte ich nämlich ausgezogen, weil es diesen Einrichtungen immer ziemlich warm ist und wir außerdem gerade eine Spaziergang hinter uns hatten.
Die alte Frau war ganz aufgeregt: Ich solle anrufen, in der 3. Etage würden Leute gefangen gehalten! Da war mir sofort alles klar. In der 3. Etage würden sie die Frau vermutlich schon suchen. Während ich noch überlegt habe, wie ich das jetzt am besten regele, war die Gute schon an mir vorbei und durch den Hintereingang nach draußen. Nur im dünnen Nachthemd. Ich hab gerade noch den Rollstuhl zu fassen bekommen und sie wieder zurück gezogen. Ich hab mit ihr gesprochen und ihr gesagt, daß sie sich doch erkältet. Sie hat nicht protestiert, aber fing wieder damit an, daß ich anrufen solle.
Dann kam Gottseidank auch schon ein Pfleger um die Ecke, der sie gesucht hatte. Und ich sag noch treudoof zu ihr: „Gucken Sie mal, da kommt jemand und holt sie wieder ab“ „Ich traue ihm aber nicht“ sagt sie und sieht mich hilfesuchend an. Der Pfleger nimmt den Rollstuhl und bringt sie zurück in die 3. Etage.
Ich weiß, daß sie gut behandelt wird. Aber in ihrer Vorstellung ist sie eine Gefangene. Ein Albtraum.