Archive for the ‘Erlebnisse’ Category

Die große Furcht

22. April 2016

Mein erster Kater Frodo wurde eingeschläfert wegen FIP. Mein zweiter Kater Charly wegen eines Nierentumors. Der dritte Kater Sammy erst vor 16 Monaten wegen eines Hirntumors. Und morgen werde ich Kasimir einschläfern lassen wegen eines Knochentumors. Ich mag nicht mehr. Keine meiner Katzen ist natürlich gestorben. Sammy und Kasimir haben zumindest ein gutes Alter erreicht. Und trotzdem. Es ist schwer. Am allerschlimmsten ist der Moment, in dem die Todesspritze gegeben wird. Du weißt, es ist richtig. Aber es ist unumkehrbar und endgültig und du hast das Gefühl, den allerschlimmsten Fehler deines Lebens zu begehen.Ich fürchte mich vor morgen.

Was rumpelt da?

3. Oktober 2015

Heute Nacht bin ich aufgewacht und wusste gar nicht warum. Es war dunkel, alles war ruhig, also hab ich mich auf die andere Seite gedreht, um weiter zu schlafen. Da hörte ich ein eigenartiges Rumpeln aus dem Wohnzimmer. Irgendwie konnte ich mir das Geräusch nicht so recht erklären. Das musst der Kater sein, aber woher kam das Geräusch genau? Fehlte ihm etwas? Aber dann würde er sicherlich laut miauen. In letzter Zeit schreit er sowieso dauernd, und zwar meist bloß aus Langeweile. Aber irgendwie ließ mir die Sache keine Ruhe. Außerdem fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, ihm noch etwas in den Fressnapf zu tun. Das mache ich immer, bevor ich ins Bett gehe, damit er nicht schon morgens um 5:00 Uhr wegen Frühstück jammert. Also machte ich das Licht an und warf einen Blick auf den Wecker: es war 2:15 Uhr. Genau die richtige Zeit, um in der Wohnung herum zu laufen. Grmpf.
Im Wohnzimmer saß der Kater wie angenagelt mitten im Raum und starte in die Luft. Aus den Augenwinkeln nahm ich einen dunklen Schatten in der Luft wahr. Eine dicke Motte hatte sich offensichtlich verirrt und der Kater war auf der Jagd nach ihr. Ich blieb noch einen Moment stehen und etwas zischte an meinem Gesicht vorbei. Zuerst war ich verdattert, dann kam mir die Erleuchtung: von wegen Motte. Eine Fledermaus kreiste im Wohnzimmer! Vermutlich hatte der Kater sie von draußen mit hereingebracht und sie war ihm entwischt. Was nun tun? Ich überlegte mir, dass sie irgendwann aufhören würde zu kreisen und sich an einen Deckenbalken hängt. Dann könnte ich sie vielleicht mit einem Kopfkissenbezug einfangen. Ich holte also ein Bezug und wartete. Und wartete und wartete. Die kleine Fledermaus zischte oft ziemlich dicht an meinem Kopf und meinem Gesicht vorbei, was mich doch etwas nervös machte.

Und sie hatte Kondition. Sie dachte gar nicht daran, sich irgendwo aufzuhängen. Dann kam mir die Idee, dass es vielleicht geschickter wäre, das Fenster weit auf und das Licht auszumachen. Gedacht getan. Dann bin ich erst einmal ins Bad, dann in die Küche, um dem Kater etwas in den Napf zu tun und nach ein paar Minuten zurück ins Wohnzimmer. Und die kleine Fledermaus kreiste immer noch. Ich konnte gut ihren Schatten gegen das Licht der Straßenlaternen sehen. Und gerade als ich anfing zu überlegen, dass ich langsam wirklich wieder ins Bett gehen möchte, fand die Fledermaus den Weg nach draußen und flatterte davon.

Der Kater war natürlich völlig frustriert, dass seine Beute das Weite gesucht hat. Aber ich konnte dafür endlich wieder ins Bett 🙂

Falscher Alarm?

30. November 2014

Ich sitze friedlich auf dem Sofa und spiele etwas auf meinem iPad. Da höre ich hinter mir im Raum auf dem Dielenboden ein Katzentrappeln. So hört sich das normalerweise an, wenn der dicke rote Kater seine Energieausbrüche hat und durch die Bude tobt. Der lag aber neben mir, konnte es also nicht sein. Der schmalere Graue macht normalerweise nicht so einen Radau. Stattdessen hörte ich ihn aber auf einmal jammern. Ich stehe auf und sehe ihn mit ganz rundem Buckel auf dem Teppich stehen, gerade so, als ob er gleich einen Haufen machen würde. Er guckte mich dabei an und jammerte. Im ersten Moment dachte ich schon, ob er vielleicht starke Verstopfung und Schmerzen oder so etwas hat? Aber dann fing er an etwas herumzulaufen und torkelte dabei. Ich konnte nicht erkennen, ob er vielleicht etwas mit einer Hinterpfote hatte? Vor allem war mir überhaupt nicht klar, warum er den Rücken so stark gekrümmt hatte. Dazu das für ihn absolut untypische leise Gejammer. Mir wurde heiß und kalt. War der arme Kater abgestürzt und hatte sich was am Rücken geholt? Oder hatte er irgendwelche inneren Verletzungen? Welcher Tierarzt hat Notdienst und wie kommen wir da jetzt am schnellsten hin? Puuuuh.
Das Tier hatte sich inzwischen hingelegt und verhielt sich ruhig. Ich hab ihn erst gestreichelt und dann schnell herausgesucht, welcher Tierarzt Notdienst hat und mich angezogen. Bevor ich in den Keller bin, um den Transportkorb vorzuholen, habe ich mich noch mal neben den Kater gesetzt und ihn beruhigend gestreichelt. Dabei wollte ich versuchen festzustellen, ob und wo das arme Tier Schmerzen hat. Aber er verhielt sich ganz normal. Strich ich über den Rücken, kam das Hinterteil hoch, genauso wie sonst auch. Ich hab in vorne etwas hoch genommen, quasi aufgebockt. Und siehe da, der Kater stand wie ne Eins. Dann bin ich probeweise seine liebsten Leckerchen holen gegangen und siehe da: der Kater lief mir nach, als ob nie etwas gewesen wäre. Ich konnte es nicht glauben. Ich hab die Leckerchen durch die Wohnung geworfen und das Tier sprang lustig hinterher.
Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich war. Trotzdem beobachte ich ihn jetzt die ganze Zeit argwöhnisch. Und ich werde mir morgen den Kater unter den Arm klemmen und zum Tierarzt gehen. Das ist eins, was sicher ist!

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Update:
Der Kater hatte heute Morgen wieder einen ähnlichen Anfall. Diesmal taumelte er jedoch nur herum, ohne einen runden Rücken zu machen. Gottseidank hatte ich bereits für 1 Stunde später ausgemacht, dass meine Freundin uns abholt und zur Tierärztin bringt.

Die Tierärztin untersuchte den Kleinen gründlich und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: er hat einen verspannten Rücken und Kreislaufprobleme.
Ich war erst baff und dann total erleichtert! Er bekam eine Kreislaufspritze und ich soll jetzt darauf achten, dass er mehr trinkt. Und außerdem soll ich ihm kräftig den Nacken kraulen, um den Kreislauf anzuregen. Und den Rücken massieren um die Verspannungen zu lösen. Nun denn.

Update 2
Erst sah so aus, als ginge es dem Kater etwas besser. Dann kamen die Anfälle jedoch wieder. Zwar etwas schwächer, aber dafür in kürzeren Abständen. Und irgendwie kamen mir die Anfälle doch jetzt mehr krampfartig vor. Als er dann gestern Abend praktisch widerstandslos von der Sofalehne über mich drüber auf den Boden purzelte ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, sich irgendwo fest zu krallen, war ich mir eigentlich sicher, dass das nicht mehr der Kreislauf sein kann. Ich bin deshalb heute Vormittag mit ihm zu einer anderen Tierärztin gegangen. Die neue Tierärztin hat mich auch schon ganz anders gefragt als die erste.
Und sie tippt auf eine leichtere Form von Epilepsie. Sie meinte zwar, Kreislauf könne man nicht ausschließen und es könnten auch Schmerzanfälle sein, weil er offensichtlich ein sehr verspannten Rücken hat und auch Schmerzen, aber Epilepsie halte sie für am wahrscheinlichsten. Nun können die Ursachen dafür natürlich vielfältig sein, bis hin zu einem Hirntumor ist alles drin. Möglicherweise kann die Ursache aber auch nie geklärt werden. Sie hat ihm jetzt erst einmal Blut abgenommen und schon mal Tabletten mitgegeben, die die Hirndurchblutung anregen. Und vermutlich weil es ausnahmsweise mal ein Medikament ist, dass tatsächlich für Tiere gemacht wurde, hab ich die Tablette auch problemlos zusammen mit ein bisschen Thunfisch in die Katze hinein bekommen.
Jetzt drückt uns mal die Daumen, dass die ganze Geschichte eine harmlose Ursache hat.

Länger aufgeblieben

29. November 2014

Am Freitag bin ich schon um 6:00 Uhr aufgestanden, Weil ich eine Freundin zu einem Arzttermin begleitet habe. Das ist mir ein bisschen schwer gefallen, weil ich zur Zeit frühestens um 8:00 Uhr aufstehen, manchmal sogar erst gegen 10:00 Uhr. Aber ich bin am Abend vorher brav schon um 22:00 Uhr ins Bett gegangen und war erstaunlicherweise beim Weckerklingeln halbwegs fit. Wir sind auch ziemlich pünktlich um 8:00 Uhr drangekommen und meine Freundin konnte mich deshalb schon um 8:50 Uhr beim hiesigen Einkaufszentrum absetzen. Dummerweise machen fast alle Geschäfte erst um 9:30 Uhr auf. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Aldi, der schon um 8:00 Uhr aufmacht. Also hab ich dort ein bisschen eingekauft und bin dann wieder nach Hause getrottet.
Tja, und abends war ich dann schon wieder um 22:00 Uhr müde und bin tatsächlich ins Bett gegangen, weil ich die Augen nicht mehr offen halten konnte. Und logischerweise war ich dann am Samstagmorgen schon wieder um 6:00 Uhr wach. Blöd. Ich bin kurz aufgestanden und hab die Katzen gefüttert. Dann bin ich aber noch mal wieder ins Bett und hab noch anderthalb Stunden geschlafen. Heute Abend war ich dann natürlich schon wieder um 22:00 Uhr müde. Aber ich habe durchgehalten. Jetzt ist es genau 23:59 Uhr und ich bin immer noch wach. Naja, sagen wir die Augen sind noch irgendwie offen. Aber es wäre doch gelacht, wenn ich nicht wieder in meinen alten Rhythmus finden würde.

Die perfekte Tasche

4. November 2014

Neulich hab ich im Internet eine Tasche gesehen. Eine Messenger Bag. Farbe und Design haben mir auf Anhieb gefallen und Ruckzuck landete das Ding im Einkaufskorb. Ich neige zu Spontankäufen und oft sind die Sachen hinterher nicht mehr so toll. Aber die Tasche war klasse! Nicht zu steif oder zu wabbelig und für mich genau die richtige Größe. Ich hab sie praktisch jeden Tag benutzt. Als Handtasche und als Einkaufstasche. Perfekt! Die Freude währte jedoch nicht allzu lange. Zuerst hatte ich ein Brötchen mit Huhn und Currysauce in die Tasche gepackt. Die Papiertüte ist natürlich von der Sauce ziemlich schnell aufgeweicht und zur Krönung hab ich mich im Bus auch noch auf die Tasche draufgesetzt. Passiert mir sonst nie, aber natürlich genau dann, wenn ich so etwas Kritisches drin habe. Die Sache ist aber noch mal gut gegangen. Nur mein Schlüsselbund und die kleine Ledertasche mit meinem Kleinkram hatten etwas von der Sauce abbekommen. Puuuuh.
Und was mach ich ein paar Tage später? Packe eine Schachtel Eier in die Tasche und schaffe es irgendwie ein rohes Ei zu zerdrücken. Und diesmal ging es nicht gut aus. Das ganze Innenfutter war verschmiert mit rohem Eiweiß. Ich hätte heulen können! Das war typisch. Noch nie hab ich eine Tasche ruiniert. Aber natürlich die, die mir mal richtig gut gefällt. Welche sonst.
Dann fiel mir ein, dass ich die vielleicht noch mal bestellen könnte. Es war zwar ein Angebot gewesen, aber vielleicht war sie ja noch da. Und sie war! Und heute kam das Paket mit der neuen 🙂

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Wäre ja zu schön gewesen

27. Februar 2014

Wäre ja zu schön gewesen, wenn nun alles glatt gegangen wäre.
Statt dessen hatte ich ständig Temperatur und erhöhte Entzündungswerte im Blut. Zuerst wurde ein Keim in der Blase festgestellt und ich bekam zwei Antibiotika. Dann wieder ein anderer Blasenkeim und ein anderes Antibiotikum. Von dem Zeug ist mir natürlich wieder schlecht geworden und mit dem Essen ging es immer noch nicht so recht. Trotzdem wurde der Venenzugang für die künstliche Ernährung entfernt. So ein Kunststoffschlauch stellt zum einen immer ein Infektionsrisiko dar und hätte die Ursache für die schlechten Blutwerte sein können. Und zum anderen mussten wir endlich testen, ob ich auch ohne zusätzliche künstliche Ernährung zurecht komme.
Leider gingen die Entzündungswerte trotz allem nicht zurück, was meinen Arzt und auch mich mal wieder nervös machte. Also zum x-tenmal in’s CT (nächstes mal löse ich gleich eine Zehnerkarte). Zu meiner Erleichterung war aber nichts zu sehen. Keine neuen Abszesse oder Ähnliches. Aber woher dann die Infektion? Da kamen sie damit um’s Eck, dass ich noch zwei Doppel-J-Schienen drin hätte (???) Das sind ziemlich lange Kunststoff-Schläuchlein, die im Harnleiter zwischen Blase und Nieren liegen. Die halten den Harnleiter offen und wurden mir während der großen Unterleibs-OP vorsichtshalber eingesetzt. Die sollten dann jetzt raus. Und wie? Ja genau: durch die Blase. Und wieder einmal wurde mir ganz anders. Immer, wenn ich dachte, jetzt hab ich alles mitgemacht…
Der Urologe war ein wirklich netter Kerl und hat mir mehrmals sehr glaubhaft versichert, dass die Prozedur zwar unangenehm sei, aber nicht wehtun würde. Schön wäre es gewesen. Der erste Schlauch war zwar relativ schnell draußen, aber dann fing er an, den zweiten zu suchen. Auah und nochmal auah. Und dann nichts gefunden. Als er mir dann sagte, dass entweder doch nur einer eingesetzt wurde oder aber der Schlauch hochgerutscht sei, war mir schon wieder alles klar. Und so war es natürlich auch: das Mistding hatte sich gelöst und war Richtung Niere gewandert. Erst dachte ich schon, jetzt muss wieder geschnibbelt werden. Aber der Urologe erklärte mir, dass er den Schlauch auch so durch die Blase holen kann, aber nur in Vollnarkose. Das würde er dann aber erst am nächsten Tag machen.
Tja, und das war dann zuviel für mich. Bisher hatte ich ja alle Komplikationen irgendwie hingenommen. Und diese war ja jetzt im Vergleich zu den vorherigen nicht wirklich schlimm. Aber eben eine zuviel. Ich hab einen regelrechten Weinkrampf bekommen und war den Rest des Tages völlig fertig. Irgendwie tat es aber auch gut, einfach mal loszulassen und nicht mehr tapfer zu sein.
Das Entfernen am nächsten Tag ging dann völlig problemlos und ich war auch schnell wieder wach und fit. Und tatsächlich gingen dann die Entzündungswerte endlich runter und ich durfte ein paar Tage später – nach über zwei Monaten – endlich wieder nach Hause. Wißt Ihr, wie toll? 🙂
Hier bin ich jetzt seit einer Woche. Und wie es mir ergeht, demnächst in diesem Medizin-Theater.

Nach der OP ist vor der OP

1. Februar 2014

Da war ich nun wieder auf Station um mich von der OP zu erholen. Ich hatte immer noch einige Drainagen, weil der Körper immer noch Bauchwasser produzierte. Und leider Fieber und trotz Antibiotika ganz miese Entzündungswerte. Deshalb wurde ich noch einmal durch’s CT geschoben. Das erste was dabei heraus kam: jede Menge Wasser auch in der Lunge. Kein Wunder hatte ich immer noch Probleme mit der Atmung und brauchte zusätzlich Sauerstoff. Blöderweise gab es außerdem noch einen Abszess an der Stelle wo vorher die Milz war. Damit war klar: ich würde wohl noch einmal operiert werden müssen. Da hab ich erst mal wieder Panik bekommen, weil ich mich schon wieder mit künstlicher Beatmung auf der Intensivstation sah. Nicht sehr wahrscheinlich, aber vorher lief es ja auch irgendwie schief. Mein Arzt wollte aber zunächst nichts unternehmen, weil das Ding verkapselt war und erst mal die Geschichte mit dem Wasser behandeln. Also wurde meine Lunge punktiert. Natürlich war mir das nicht geheuer, ging aber ganz gut. Erst der linke, dann der rechte Lungenflügel, zusammen mehr als 2 Liter Flüssigkeit. Danach ging das Atmen doch deutlich besser. Leider bildete sich schnell wieder neues Wasser, deshalb haben sie mir am linken Lungenflügel eine Drainage gelegt. Gottseidank nur ein ganz dünnes Schläuchlein, deshalb hab ich kaum was gespürt.
Dann war es Zeit die Klammern am Bauch zu entfernen. Zunächst nur jede zweite und am nächsten Tag der Rest. Das war am 5. Januar. Der Teil unterhalb des Bauchnabels war noch nicht völlig verheilt, deshalb hat der Arzt das Stück unter örtlicher Betäubung noch einmal vernäht. Dabei war mir natürlich auch wieder nicht ganz wohl, aber tatsächlich hat auch diesmal nur die Betäubungsspritze weh getan. Ich war jedenfalls guten Mutes, rücke mich im Bett wieder zurecht, mache einen leichten Huster – und irgendwie läuft was aus dem Bauch und das Bett ist nass. Ich gucke vorsichtig unter die Bettdecke: der Teil oberhalb des Bauchnabels ist komplett aufgegangen und ich konnte mir selbst in die Bauchhöhle gucken ((O.O)) Nun bin ich ja nicht besonders empfindlich, aber ich hab dann doch lieber nicht mehr hingesehen.
Ertaunlicherweise haben sich weder Schwester noch Arzt darüber aufgeregt und der Schaden wurde zunächst nur verpflastert. Nun ja. Dem Arzt kam es eigentlich gerade recht. Wenn jetzt sowieso auf war konnte er gleich nach dem Abszess gucken. Das sollte in einer Stunde erledigt sein und ich käme gleich wieder auf Station. Da war ich mir nicht so sicher. Zu recht. Abends wurde ich dann wieder in den OP geschoben und bin dann natürlich doch wieder auf der Intensivstation aufgewacht. Irgendwie war das Ding schwer zu erreichen und sie haben mehr als zwei Stunden gebraucht zur Entfernung. Hmmmpf.
Am nächsten Morgen hab ich ein bisschen verdünnten Joghurt als Einstieg bekommen. Geschickterweise stand gerade ein Chirurg neben mir, der zu seinem großen Erstaunen bemerkte, dass es in der neuen Drainage trüb wurde. Ich konnte förmlich die Rädchen in seinem Hirn arbeiten sehen. Es blieb nur eine Möglichkeit: ich hatte ein Loch im Magen. Das bedeutete? Richtig. Noch eine Operation. In dem Moment war ich schon fast am Verzweifeln. Aber es nützte ja nichts. Am nächsten Tag also wieder in den OP. Dort haben sie festgestellt, dass ich ein durchgebrochenes Magengeschwür hatte. Soweit es sich nachvollziehen ließ, hatte sich das nach der ersten OP innerhalb von nur ein paar Tagen entwickelt. Muss der Megastress auf der Intensiv gewesen sein.
Aber dann ging es endlich aufwärts. Ich hab zwar noch eine weitere Drainage für den rechten Lungenflügel bekommen, einige Bauchpunktionen und auch eine weitere Drainage am Bauch. Das war echt fies. Aber mir war alles egal – bloß keine OP mehr. Und außerdem sieht nach dem fünften Aufschneiden und Zunähen die Narbe nicht mehr gut aus. Schade. Viermal hat die Haut das mitgemacht. Aber jetzt ist sie beleidigt. Natürlich ist das nur ein kosmetisches Problem, das sich sicher später noch etwas korrigieren lässt. Ich gucke nur jeden Tag mehrmals drauf und die Eitelkeit lässt sich nicht verleugnen 😉
Inzwischen ist an Drainagen und Kathetern alles draußen, bis auf den Venenzugang am Hals. Denn leider brauche ich immer noch zusätzlich künstliche Ernährung. Aber den werde ich irgendwann auch noch los. Und dann wird es auch bald mit der Chemo weitergehen, die mir hoffentlich nicht wieder den Appetit verdirbt.

Die Operation

31. Januar 2014

Am 19. Dezember bin ich morgens ganz ruhig in den OP gerollt. Ich wusste, dass die OP länger dauern würde und dass ich in guten Händen bin. Tatsächlich ging die OP dann fast 7 Stunden. Sie haben den Tumor und alle sichtbaren Metastasen entfernen können und neben den geplanten Dingen wie Eierstöcke, Gebärmutter, Darmnetz und Bauchfell ist lediglich die Milz noch flöten gegangen. Aber ohne die Milz kann man wohl ganz gut leben und alles andere ist noch da.
Leider musste ich dann aber am nächsten Tag wegen Nachblutungen noch einmal operiert werden. Und am Tag darauf noch einmal. Selber habe ich davon nichts mitbekommen, aber es war wirklich knapp. Die Ärzte hatten meine Freundin @Penny1205 schon nach einer Patientenverfügung gefragt. Das sagt wohl alles.
Ich bin nur zwischendurch immer mal wieder halb wach geworden und habe ein paar Gesprächsfetzen mitbekommen. Irgendwie war ich in einer seltsamen hellen schwebenden Welt und bin aufgrund der Bemerkung eines Arztes zu dem Schluss gekommen, dass ich wohl sterben muss. Seltsamerweise hat mich das nicht schockiert, sondern nur erstaunt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war ganz ruhig und habe das akzeptiert.
Ich bin dann doch nicht gestorben, hab es mir in den Tagen auf der Intensivstation aber fast gewünscht. Ich war sediert und wurde künstlich beatmet, war aber nicht so weg, wie ich hätte sein sollen. Ich war immer wieder halb wach und das war für mich nur eins: quälend. Diesen Zustand wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht. Als ich wieder richtig wach und die Beatmung los war, hatte ich Panikattacken und wollte nicht allein sein. Denn ich hatte nur noch Angst, nackte Angst. Inzwischen weiß ich – was einem keiner erzählt – dass so etwas eine häufige Nebenwirkung von Narkosen ist. Und ich hatte gleich drei an drei aufeinanderfolgenden Tagen und zusätzlich Sedierungen. Aber da haben sich meine Freunde wieder bewährt 🙂 🙂 @Penny1205 hat – nach hartem Kampf mit dem Stationsarzt – bei mir auf der Intensivstation übernachtet. Leider wurde sie krank und musste am nächsten Tag wieder nach Hause. Da hat spontan meine Kollegin C. an Heiligabend (!) ihr Essen mit den Patenkindern abgesagt und ist bis spät abends bei mir geblieben bis @thomasgemperle kam. In der Nacht ist er dann bei mir geblieben. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie dankbar ich den Dreien dafür bin.
Dann war die größte Angst vorbei und ich kam auch alleine zurecht. Aber eine Intensivstation ist in jedem Fall nicht besonders schön. Ich hatte eine Unzahl von Schläuchen, überall hat es gepiept und es war nie ruhig. Und leider hatte ich wieder jede Menge Ödeme und konnte mich wegen der geschwollenen Arme und Beine kaum rühren. Auch am Rücken und an der Seite hatte ich Schwellungen. Und Wasser im linken Ohr, so dass ich damit kaum noch was hören konnte. Blöd.
Wegen Kapazitätsproblemen durfte ich dann recht bald wieder auf die Normalstation. Da hab ich mich schon deutlich wohler gefühlt. Ich hatte wieder meine Sachen um mich und nicht so viele Apparate. Und die Schwestern dort kannten mich schon und haben mich netter und persönlicher betreut als die überlasteten Kollegen der Intensivstation 🙂

Fortsetzung folgt….

Ungeplante Auszeit

3. November 2013

Warum die Twitter-Pause? Weil es mich ziemlich gewickelt hat:

Im September hatte ich gesundheitliche Probleme. Mein Bauch wurde dicker und ich konnte nicht mehr richtig essen. Was mit Magen/Darm dachte ich. Mein Hausarzt auch und schickte mich zur Darmspielung. Der Gastroenterologe machte erst einmal eine Ultraschalluntersuchung, stellte Bauchwasser fest und schickte mich in die Frauenklinik. Dort stellte man nach einigen Untersuchung bei mir einen bösartigen Tumor am Eierstock fest. Das Bauchwasser wurde verursacht durch Metastasen, die das Bauchfell reizen. Bei dem Wort „Metastasen“ wurde mir erst einmal ganz anders. Vor allem nach ich mir ergoogelt hatte, dass Patienten mit Bauchwasser aufgrund von Metastasen meistens nur noch ein paar Monate zu leben haben. Ich habe mir noch nie im Leben so gewünscht, etwas nicht gelesen zu haben!!!
Inzwischen weiß ich aber, dass das noch kein Todesurteil ist, solange sie auf den Bauchraum beschränkt bleiben. Das scheint bei mir der Fall zu sein.

Normalerweise wird in solchen Fällen zuerst operiert und danach folgen sechs Chemo-Behandlungen. Ich habe mich jedoch enschieden, an einer Studie teilzunehmen. In dem Fall gibt man zuerst dreimal Chemo, um den Tumor schon einmal zum Schrumpfen zu bringen und die Metastasen zu bekämpfen. Dann wird die OP gemacht und noch dreimal Chemo. Zusätzlich gibt es wöchentlich das Studienmedikament, das die Blutzufuhr zu den Tumorzellen stören soll.
Vorweg wird in solchen Fällen noch eine Bauchspieglung gemacht, um den Befund zu sichern und Proben zu nehmen. Damit fingen dann die Probleme an.
In der Zwischenzeit hatte ich soviel Bauchwasser, dass ich aussah wie im sieben Monat. Ich konnte mich fast nicht mehr rühren und hatte Magenschmerzen. Obwohl ich kaum noch was gegessen hatte, zeigte die Waage inzwischen mehr an. Während der Spiegelung wurde mir zwei Liter Bauchwasser von geschätzten fünf abgelassen. Dank Drainage ging später noch mehr weg. Gottseidank. Allerdings kam danach mein Darm nicht merh in die Gänge. Sie haben alles versucht, aber ich hatte nur noch Schmerzen, wurde immmer aufgeblähter und stand kurz vor einem kompletten Verschluss. Am Ende ging es nicht mehr, ich wurde operiert und habe einen künstliche Darmausgang bekommen. Nur vorübergehend sagen sie. Das klappt hoffentlich auch. Vorübergehend kann ich gut damit leben. Ist bloß ziemlich lästig, aber sonst geht es. Weil es ein Dünndarmausgang ist, riecht wenigstens nichts. Der Beutel hängt neben dem Bauchnabel und lässt sich im Moment ganz gut unter der Klamotten verstecken. Die sind nämlich derzeit arg zu weit.

Ich hatte im Krankenhaus die ganze Zeit erzählt, dass sie sich nicht täuschen lassen sollen. Trotz Gewichtszunahme hab ich unter dem Strich abgenommen. Aber so ganz ernst hat das keiner genommen. Durch das Ablassen des Bauchwassers hatte sich nämlich eine Eiweißverschiebung ergeben, die zu Ödemen geführt hat. Und die spätere OP hat leider zu weiteren Ödemen geführt. Am Ende sah ich aus wie ein riesiges Osterei und hab 62 kg gewogen. Als das Wasser im Körper dann endlich anfing sich wieder zu verziehen, habe ich innerhalb von einer Woche 18(!)kg verloren. Mit 44 kg bin ich bei 1,64 m jetzt natürlich viel zu dünn und hab 10 kg weniger, als normal. Sehe aus, wie kurz vor dem Verhungern. Allerdings gehen meine Jeans jetzt als Boyfriend-Jeans durch. Schon wieder Geld gespart 😉

Und jetzt soll ich essen, hab aber eigentlich nie Hunger. Unglaublich, wie man sich quälen muss, um etwas zu essen, wenn man eigentlich gar nicht mag. Ich bekomme außerdem hochkalorische Milchshakes. Aber bisher klappt das mit dem Zunehmen noch nicht so recht. Ich möchte aber eine künstliche Ernährung vermeiden und zwinge mir deshalb laufend die zuckrigen und fettigen Sachen rein. Aber solche Lieblingssachen wir Leberwurst, Teewurst, Salami, Räucherfisch, Lachs und Hering soll man wieder nicht mir künstlichem Darmausgang. Und ich hab meinen Räucherlachs letzte Nacht mit fiesen Schmerzen büßen müssen. Aber morgen probiere ich trotzdem Sahnehering. So!

Die erste Chemo hab ich übrigens sehr gut vertragen. Nur meine Frisur sieht inzwischen mehr nach Gollum aus als nach Frodo. Aber was soll’s, wozu gibt es Tücher. Wächst ja irgendwann wieder. Am Dienstag habe ich die nächste Chemo. Die wurde um eine Woche verschoben, weil ich nach der OP Fieber bekommen hatte (Ihr seht, ich hab nix ausgelassen). Drückt mir die Daumen, dass es wieder gut läuft und sich die Nebenwirkungen in Grenzen halten.

Im Moment habe ich Ausgang vom Krankenhaus. Gestern war ich schon mal ein paar Stunden auf Probe hier. Heute übernachte ich in meiner Wohnung und rücke erst wieder am Montagabend ein. Bis dahin genieße ich es, dass ich endlich wieder richtig heißen Tee habe statt nur lauwarmer Brühe. Und ich schmuse wie ein Weltmeister mit meinen Katzen. Die Zwei haben mich einen guten Monat nicht gesehen und waren ganz aus dem Häuschen 🙂 🙂

Was mich in der Zeit vor und im Krankenhaus wirklich berührt hat: ich habe unheimlich viele ernst gemeinte Hilfsangebote bekommen. Dazu viele, viele Besuche, Geschenke, Grüße und Wünsche. Auch von einer ganzen Reihe Menschen, die ich hauptsächlich über Twitter kenne. Das soziale Netzwerk hat in meinem Fall tatsächlich funktioniert 🙂
Und auch in meinem direktem Umfeld durfte ich erleben, dass ich mehr gute Freunde habe, als ich dachte. Anderen geht geht es ja oft genau anders herum, aber ich hatte Glück: ich habe Freunde, die die Termine für meine pflegebedürftige Schwester machen (das lag mir anfangs am schwersten im Magen), andere kaufen für mich ein, putzen oder begleiten mich zu Terminen oder auf dem Weg nach Hause. Und ich bin sehr froh, dass es mehrere Schultern gibt, auf die sich das verteilt. Danke an alle!

Leider kann ich Euch auf Twitter in den nächsten Monaten nicht mit Geschichten aus dem Büro unterhalten. Aber im Krankenhaus gab es auch ein paar lustige Erlebnisse, die ich Euch zumindest hier im Blog nicht vorenthalten werde 🙂

Irgendwie blöd

13. August 2013

Grad eben klingelte das Telefon. Ich gucke drauf: Festnetznummer meiner Schwester aus Hannover. War dann aber nicht meine Schwester, sondern ihre polnische Pflegerin. Sie hätte den Schlüssel vergessen und stünde jetzt vor der Wohnungstür. Sie hätte geklingelt, aber meine Schwester würde nicht aufmachen (nachmittags ist sie ein paar Stunden im Rollstuhl und würde das hinbekommen, wenn auch nur langsam). Ich solle sie doch auf dem Handy anrufen.
Hab ich gemacht: der Anschluss ist gerade nicht verfügbar. War ja klar. Also den Hausverwalter angerufen. Der wohnt nur zwei Häuser weiter und hat für den Notfall mal einen Schlüssel von mir bekommen. Gottseidank war er auch zuhause und wollte gleich rüber gehen.
Kurz drauf klingelte das Telefon wieder: meine Schwester von ihrem Handy aus. Sie hatte es gerade aufgeladen, deshalb war sie nicht erreichbar. Und die Klingel hat sie nur einmal kurz gehört und gedacht, die Pflegerin macht auf. Klar. Genauso hatte ich mir das vorgestellt.

Bei solchen Sachen frage ich mich bloß immer: was machen die eigentlich, wenn ich mal nicht erreichbar bin?