Archive for the ‘Nachtgedanken’ Category

Ein gnädiger Tod

17. Dezember 2014

Vorhin habe ich mit meiner Mutter telefoniert und sie erzählte mir, dass jemand gestorben ist, den ich gekannt habe. Gekannt? Nein, nicht wirklich. Eigentlich gar nicht. Er war nach einem schweren Motorradunfall in einer Art Wachkoma und lebte in einem Pflegeheim für schwere Fälle. Dort habe ich ihn ein paarmal gesehen. Kennengelernt habe ich aber seine Mutter. Eine inzwischen 80-jährige Frau, die jeden Tag mindestens 12 Stunden im Pflegeheim zugebracht und sich um ihren Sohn gekümmert hat. Wirklich jeden Tag. Ich weiß nicht, woher sie die Kraft dafür genommen hat. Und sie hat immer darüber nachgedacht, wie sie es organisatorisch hinbekommen könnte, ihren Sohn nach Hause zu holen. Aber daraus ist nichts mehr geworden. Er ist friedlich eingeschlafen und musste nicht leiden. Aber für eine Mutter ist das natürlich nur sehr bedingt ein Trost.
Es klingt immer ein bisschen herzlos so etwas zu sagen, aber ich glaube wirklich, dass es so für alle Beteiligten das Beste ist. So muss sie sich zumindest keine Gedanken mehr darum machen, was mit ihrem Sohn passiert, wenn sie nicht mehr ist. Denn für ihn wäre es furchtbar gewesen. Er war nicht nur völlig hilflos, sondern hat Fremden gegenüber immer völlig panisch reagiert. Für den armen Mann wäre der Albtraum ohne seine Mutter noch schlimmer geworden.
Aber wie deutlich kann und darf man das gegenüber den Angehörigen, aussprechen? Ein sehr schwieriges Thema.

Länger aufgeblieben

29. November 2014

Am Freitag bin ich schon um 6:00 Uhr aufgestanden, Weil ich eine Freundin zu einem Arzttermin begleitet habe. Das ist mir ein bisschen schwer gefallen, weil ich zur Zeit frühestens um 8:00 Uhr aufstehen, manchmal sogar erst gegen 10:00 Uhr. Aber ich bin am Abend vorher brav schon um 22:00 Uhr ins Bett gegangen und war erstaunlicherweise beim Weckerklingeln halbwegs fit. Wir sind auch ziemlich pünktlich um 8:00 Uhr drangekommen und meine Freundin konnte mich deshalb schon um 8:50 Uhr beim hiesigen Einkaufszentrum absetzen. Dummerweise machen fast alle Geschäfte erst um 9:30 Uhr auf. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Aldi, der schon um 8:00 Uhr aufmacht. Also hab ich dort ein bisschen eingekauft und bin dann wieder nach Hause getrottet.
Tja, und abends war ich dann schon wieder um 22:00 Uhr müde und bin tatsächlich ins Bett gegangen, weil ich die Augen nicht mehr offen halten konnte. Und logischerweise war ich dann am Samstagmorgen schon wieder um 6:00 Uhr wach. Blöd. Ich bin kurz aufgestanden und hab die Katzen gefüttert. Dann bin ich aber noch mal wieder ins Bett und hab noch anderthalb Stunden geschlafen. Heute Abend war ich dann natürlich schon wieder um 22:00 Uhr müde. Aber ich habe durchgehalten. Jetzt ist es genau 23:59 Uhr und ich bin immer noch wach. Naja, sagen wir die Augen sind noch irgendwie offen. Aber es wäre doch gelacht, wenn ich nicht wieder in meinen alten Rhythmus finden würde.

Graue Haare?

3. November 2014

Letzte Woche war ich mal wieder in der Ambulanz der Frauenklinik. Die Schwester dort hatte mich längere Zeit nicht mehr gesehen.
Sie sah mich an und sagte: „Oh, Ihre Haare sind aber inzwischen schön wieder nachgewachsen.“
Ich: „Stimmt. Ich hatte schon Angst, weil sie erst mal nur in einem breiten Kranz gekommen sind. Oben in der Mitte und direkt über den Ohren war erst nix.“
Sie darauf: „Gell, und grau sind sie noch nicht.“
Da musste ich erst mal überlegen. Vorher waren meine Haare stark blondiert, da hätte man erste graue Haare sowieso nicht gesehen. Jetzt sind sie dunkel nachgewachsen und bisher war mir nichts aufgefallen. Aber stimmt, ich könnte tatsächlich schon grau werden. Darüber hatte ich bisher noch nie nachgedacht.
Zu Hause hab ich mir gleich einen Spiegel geschnappt und mich im Tageslicht genau angeguckt. Tatsächlich: an den Schläfen so zwei, drei graue Härchen und oben an der Stirn auch ein einzelnes. Verdammt! Jetzt hab ich mir doch glatt ein Schönheitsproblem andrehen lassen 😉

Endgültig

1. Oktober 2014

Neulich bin ich mein Adressbuch durchgegangen. Dabei ist mir der Name eines Mannes ins Auge gefallen, mit dem ich schon lange keinen Kontakt mehr hatte. Er wäre fast mal mein Schwiegervater geworden und wir zwei haben uns immer gut verstanden. Aber nachdem die Beziehung mit seinem Sohn auseinandergegangen ist, endete auch der Kontakt zu ihm und seiner Frau. Seine Frau ist schon vor ein paar Jahren gestorben, was ich erst einige Wochen später mitbekommen hatte. Ich hab mir immer vorgenommen, mich einmal bei ihm zu melden. Aber erst wusste ich nicht wie und dann war irgendwie zu viel Zeit vergangen. Vor kurzem habe ich erfahren, dass er letzten Herbst gestorben ist. Nun ist es zu spät.

Den Kontakt in meinem Adressbuch könnte ich jetzt löschen. Die Telefonnummer ist nicht mehr gültig, das Haus wurde inzwischen verkauft, auch sonst lebt keiner aus der Familie mehr dort. Aber ich habe es nicht getan. Irgendwie kam es mir so vor, als würde er damit endgültig sterben, seine Existenz in Vergessenheit geraten.
Ich werde die Kontaktdaten als Erinnerung behalten. Alles Gute Fredy!

Stimmungstief

27. August 2014

Heute hat mit Torsten auf meine Bitte hin ein paar Fotos von unserem Twittertreffen in Magdeburg vom letzten August geschickt. Erst hab ich mich über die netten Fotos gefreut. Aber dann bin ich traurig geworden, denn so sehe ich nicht mehr aus.
Die Haare, die Frisur, das kommt wieder. Aber der Körper, die Figur? Der Bauch ist zerschnippelt, vernarbt, verzogen. Das wird wenigstens noch besser und man sieht ihn ja nicht. Und Narben stören mich grundsätzlich auch nicht sehr.
Aber was mich sehr stört, sind die extrem dicken Beine, die ich gerade habe. Und auch am Bauch und am unteren Rücken sieht man die Wassereinlagerungen. Die Figur ist völlig im Eimer. Und darauf war ich vorher ziemlich stolz. Als Teenager und junge Frau war ich ein Pummelchen und habe ziemlich darunter gelitten. Deshalb war es toll, endlich schlank zu sein, Jeans in Größe 34/36 mit flachen Schuhen tragen zu können.
Wenn das mit den Ödemen nur vorübergehend für ein paar Monate wäre, wäre es schon nicht schön. Aber das ist nicht sicher. Vermutlich werde ich auch nach Ende der Medikamentation im Mai 2015 weiter Probleme haben.
Ich weiß, ich sollte mir mehr Gedanken darum machen, dass es Gewebeschäden geben könnte oder dass die Nieren unter den vielen Entwässerungstabletten leiden. Und ich muss dankbar sein, dass ich noch lebe, dass ich meinen künstlichen Darmausgang wieder los bin und dass ich keine Schmerzen habe. Aber ich fühle mich gerade sehr plump und häßlich. Und das macht mich traurig.

Wo bleibt *meine* Zeit?

12. März 2013

Heute etwa 70% meiner Arbeitszeit mit der Weiterbearbeitung des Projekts eines Kollegen aus der Nachbarabteilung verbracht, der zum ungünstigsten Zeitpunkt für 3 Monate abgezogen wurde. Meine eigene Arbeit bleibt seit Donnerstag fast völlig liegen.
In der Mittagspause für meine kranke Schwester Termine gemacht und Schriftverkehr erledigt,
Nach Feierabend für meine Nachbarin zur Bank und in den Supermarkt. Dann bei ihr noch eine Glühbirne auswechseln und den Müll runter bringen.
Irgendwie bin ich grad überall dabei.

Valentinstag

14. Februar 2013

Viele Singles finden es deprimierend, dass sie – mal wieder – kein Geschenk zum Valentinstag bekommen haben. Weil es an das ungewollte Singeldasein erinnert. Aber das ist schon vorher absehbar. Noch deprimierender finde ich es, wenn du in einer Beziehung bist und der lieblose Partner dir aus Gleichgültigkeit, Bequemlichkeit oder Geiz nicht einmal eine kleine Blume schenkt, während du auf das Gegenteil hoffst.

Traumsplitter

3. Januar 2013

Kurz vor dem Aufwachen etwas träumen und Fragmente davon sind noch im Gedächtnis. Die Bilder oder die Gefühle, die dabei so intensiv waren.

Heute morgen habe ich eine Art fliegender Bäume gesehen. Sie waren wunderschön in leuchtenden Grün- und Blautönen. Ich konnte fliegen und habe sie in der Luft ausgerichtet, damit man sie besser sehen kann. Der Start war sehr mühsam und kräfteraubend, aber es hat sich gelohnt. Dann hat mich der hungrige Kater geweckt.

Ich wünsche mir für morgen früh wieder so ein Erlebnis.

Viel Schein, viel Last

25. Oktober 2012

Heute Abend habe ich mich einem meiner Kollegen unterhalten. Ein sympatischer und netter Kerl, der auf mich immer einen sehr zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck gemacht hat. Genauso seine Frau, die ich vor ein paar Wochen auch mal kurz kennen gelernt habe.
Heute hat er mir von seiner schwer essgestörten Tochter und seinem drogensüchtigen Sohn erzählt. Er hat etwas von seiner Alltagsmaske fallen lassen und seinen Kummer gezeigt.
Ich habe schon von einigen Menschen irgendwann traurige Geschichten gehört. Anscheinend hat fast jeder sein Päckchen zu tragen, egal wie es nach außen aussieht.

Der letzte Kuss

20. Oktober 2012

Wann habe ich das letzte mal einen Mann geküsst?
Ich kann mich nicht mehr daran erinnern.