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Schon wieder Cortison

22. August 2015

Meine ganz schlimme Müdigkeit hat sich Gottseidank nicht wieder eingestellt. Nur eine leichte Müdigkeit, die sich aber mit ein paar Koffeintabletten einigermaßen behandeln ließ.
Dafür hat sich eine neue Nebenwirkung eingestellt: Das so genannte Hand-Fuß-Syndrom. Dabei gelangt mit dem Schweiß etwas von der Chemo auf die Haut und zersetzt an Händen und Füßen die Haut. Am Anfang war es noch nicht so schlimm und nur die dickeren Hautschichten haben sich abgepellt. Das sah zwar ganz furchtbar aus, tat aber kaum weh. Ich habe eine gute Feuchtigkeitscreme bekommen und dachte zunächst, damit lässt sich der Vorgang aufhalten. Aber falsch gedacht. Als nächstes wurde es zwischen den Fingern total rot und dann haben sich sogar richtige Blasen gebildet. Und das war dann richtig unangenehm und tat auch richtig weh. Deshalb habe ich jetzt eine Cortisonsalbe bekommen, die auch sofort geholfen hat. Außerdem muss ich jetzt für sechs Tage starke Cortisontabletten nehmen. Da fürchte ich ja schon die Nebenwirkungen. Nach der ersten war heute Morgen mein Gesicht feuerrot und die Augen etwas verquollen. Das hat sich inzwischen allerdings einigermaßen gegeben. Außerdem bin ich heute nach der zweiten Tablette ziemlich aufgedreht. Bin gespannt, ob ich heute Nacht schlafen kann. Und ich glaube, die Appetitsteigerung hat auch schon angefangen.

Außerdem wird die nächste Chemo um eine Woche verschoben. Das gefällt mir zwar überhaupt nicht, aber ansonsten laufe ich Gefahr, dass ich bald nur noch rohes Fleisch an den Händen habe und sie unter Umständen monatelang nicht benutzen kann, wie es einer anderen Patientin passiert ist. Dazu soll die Dosis auch etwas reduziert werden. Der Arzt hält es für vertretbar, weil der Tumormarker ja Gottseidank drastisch gesunken ist und die Chemo offenbar sehr gut anschlägt.

Aber wieder typisch, dass ich zu den 20 % gehöre, bei denen diese Nebenwirkung auftritt. Der Arzt hat sie schon gar nicht mehr gewundert.

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Nebenwirkungen

8. Juli 2015

Chemo und andere Medikamente haben Nebenwirkungen, zum Teil recht heftige.Ich bekomme wieder zwei Zyostatika, davon diesmal ein anderes als vorher. Von dem fallen mir nicht die Haare aus und es verursacht keine Nervenschäden. Meine Füße sind von der letzten Chemo nämlich immer noch teilweise taub und ich hoffe, das wird irgendwann noch. Immerhin ist die letzte Chemo von ersten Durchgang schon über ein Jahr her.

Was neben zeitweise Übelkeit jetzt aufgetreten ist, ist dafür eine unwahrscheinliche, lähmende Müdigkeit. Vor allem die ersten Tage nach der Chemo habe ich fast nur geschlafen. Auch tagsüber bin ich ein, zwei Stunden tief eingeschlafen und war vielleicht mal eine Stunde wach, bevor ich wieder eingeschlafen bin. Es war so, als stünde ich ständig unter Schlafmittel. Nach fünf Tagen wurde es deutlich besser, aber ich war immer noch müde, müde, müde. Dazu kam mit der Zeit natürlich eine körperliche Schwäche. Ich hab es kaum noch aus dem Haus geschafft und war schon nach 20 Metern völlig erschöpft. 

Gegen die Müdigkeit habe ich inzwischen ein Medikament bekommen. Es hat ein paar Tage gedauert, aber dann wurde es besser. Und ich war heilfroh. Es ist einfach kein Leben, wenn man nur noch müde ist, zu nichts mehr Lust hat und nicht mehr aus dem Haus kann. Sogar das Duschen war mir schon zuviel, das kann sich kein Außenstehender vorstellen. 

Aber alles hat seinen Preis. Das Medikament enthält nämlich Cortison und wird unter anderem zur Appetitsteigerung eingesetzt. Erst habe ich nichts gemerkt, aber irgendwann ging es dann los: ich hatte ständig Hunger und war nur noch am essen. Anfangs hat sich das nicht ausgewirkt, aber dann hab ich schlagartig zugenommen. Und zwar nur am Bauch. Auf einmal schiebe ich eine kleine Kugel vor mir her und ich hasse es. Ich fühle mich fett und aufgequollen. Andererseits schadet natürlich etwas mehr Gewicht während der Chemo sicher nicht. Nach der dritten war mir zwar Gottseidank nicht tagelang übel, aber wer weiß, wie es bei der nächsten wieder aussieht. Da kann ich eine Speckreserve vielleicht wieder gut gebrauchen.

Jetzt fängt allerdings mein Gesicht an aufzuquellen. Die Augen sind verschwiemelt, die Backen werden dick und der Mund klein. Ich bin mir selber fremd, wenn ich in den Spiegel sehe. Und das gefällt mir überhaupt nicht. Deshalb habe ich vor ein paar Tagen das Medikament abgesetzt und hoffe, dass die Nebenwirkungen bald wieder aufhören und die Müdigkeit nicht wieder kommt. Es ist echt ätzend.