Posts Tagged ‘Kollegen’

Zwischenstand

25. Juni 2015

So langsam könnte ich ja mal wieder was bloggen….das denke ich schon eine ganze Weile. Aber bei mir passierte irgendwie nichts. Das sieht man auch den relativ wenigen Tweets an. Vorbei die Zeit der Erlebnisse. Ich war lange krank zu Hause, hab viel geschlafen und mich irgendwie beschäftigt. Wöchentlich zum Arzt zur Infusion, zweimal zur Lymphdrainage, kurz was einkaufen. Das war es schon. Um über ein anderes Thema zu schreiben, war ich einfach zu müde und zu träge.

Dann ist doch endlich was passiert: ich hab angefangen zu planen, langsam wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Zunächst nur mit zwei Stunden am Tag, vier Tage die Woche. Das hab ich mir zugetraut. Und ich hab mich gefreut, dass wieder etwas Normalität in mein Leben kommt.
Und genau zu der Zeit fing der Tumormarker in meinem Blut wieder an zu steigen. Schwankungen sind zwar durchaus nicht ungewöhnlich, aber… Schnell hab ich mich mit meinem Onkologen darauf verständigt, ein PET/CT machen zu lassen. Das Besondere dabei ist, dass man eine radioaktive Zuckerlösung gespritzt bekommt. Tumorzellen stürzen sich auf Zucker und verraten sich durch ein Leuchten.

Genau zwei Stunden vor meinem Arbeitsbeginn nach anderthalb Jahren dann die Nachricht: der Krebs ist wieder da. Auf der Leber, dem gesamten Darm und noch zwei Stellen im Bauchraum. Ich wusste gar nicht, wie ich meinen Arbeitskollegen entgegentreten sollte. Gleich sagen, dass alles nur Makulatur ist und ich eigentlich gleich wieder gehen kann? Ich hab erst mal nichts gesagt. Alle haben sich so gefreut und mich so nett begrüßt. Das hat mich echt aufgebaut. Und ich musste die schlechte Nachricht auch erst einmal für mich selbst verarbeiten. Ich hatte zwar schon damit gerechnet, aber natürlich gehofft, dass es nur blinder Alarm ist.

Es war natürlich ziemlich blöd für mich, mir meinen Arbeitsplatz einzurichten, mich auf das Laufende zu bringen, mir Arbeit von den Kollegen zu holen, wohl wissend, dass es wohl sinnlos ist. Auf der anderen Seite war die Hoffnung, dass es keine weitere OP gibt und ich eine zweite Chemo gut vertrage und trotzdem arbeiten kann.

Leider kam es anders. Der Krebs hat meinen Darm versteift und ich musste zweimal nachts notfallmäßig mit einem beginnenden Darmverschluss ins Krankenhaus. Das war wirklich nicht witzig. Und meine Kollegen konnten sich ausrechnen, dass etwas nicht stimmt. Am Ende hab ich immerhin zwei Wochen ein bißchen gearbeitet. Aber das war es dann.

Jetzt bekomme ich wieder Chemo, die mich ziemlich fertig macht. Mit der Übelkeit geht es bisher und die Haare bleiben anscheinend dran. Aber ich bin unendlich schlapp und müde. Ich schlafe sehr viel und bin den Rest der Zeit gar nicht richtig wach. Und wenn ich mal aus dem Haus gehe, bin ich sofort aus der Puste. Langsam habe ich ein echtes Problem damit zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen. Dabei habe ich erst zwei Chemos hinter mir und vier folgen noch. Und die Nebenwirkungen werden bekanntermaßen eher schlimmer. Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll und kann nur auf gute Tage hoffen.
Außerdem habe ich das Pech, dass zum Ende des Monats gleich zwei Freunde aus Konstanz wegziehen. Beide haben einen Wohnungschlüssel und waren im Notfall für mich da. Die Beruhigung fehlt mir jetzt. 

Die ganze Situation zieht mich ziemlich runter. Ich habe immer darauf hin gelebt, dass ich keinen Rückfall bekomme und mein normales Leben irgendwann wieder weiter leben kann. Aber davon kann ich mich verabschieden. Ich werde die Chemo irgendwie wieder schaffen und den Krebs dann hoffentlich besiegt haben. Aber auch dann wird es nicht mehr wie vorher. Die OP hat viel zerstört und mein Darm funktioniert nicht mehr richtig. Ich hab Wasser in den Beinen und muss mehrmals am Tag zum Teil schauerliche Medikamente nehmen. 
Ich lebe zwar, aber Moment irgendwie nicht richtig. Diese elende Müdigkeit macht mich zusätzlich fertig. Hoffentlich wird das wieder besser. 

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Bewerben?

27. Juli 2012

In einer anderen Abteilung wird bald eine Stelle frei. Es wäre eine andere Arbeit, weniger interessant, aber dafür mit Aufstiegsmöglichkeit. Normalerweise würde ich darüber gar nicht nachdenken. Mir gefällt mein derzeitiger Job hier und ich habe eine Menge Dinge angeleiert, deren Erfolg ich gerne selber erleben würde. Da wäre mir das Geld egal.
Allerdings hätte ich dort ein angenehmeres Büro. Der Lärm in diesem Gebäude, in das wir vor zweieinhalb Jahren umgezogen sind, stört mich bis heute noch ziemlich.
Eine Etage höher wäre es ruhiger. Keine Nachbarabteilung mit 15 lärmigen Kollegen, keine zigmal am Tag ins Schloß fallende Feuerschutztür, die hier die lausigen Zwischenwände wackeln läßt und kein Herrenklo direkt gegenüber.
Aber was mich überhaupt erst ins Nachdenken gebracht hat, ist Kollege No.3, an den ich mich auch nach anderthalb Jahren nicht gewöhnt habe. Ich mag ihn nicht, er ist mir unheimlich, ja, ich habe fast ein bißchen Angst vor ihm. Wie sehr mich allein schon seine Anwesenheit streßt, ist mir jetzt erst so richtig bewußt geworden. Er ist seit vier Wochen weg wegen Fortbildung und anschließendem Urlaub (und bleibt noch weitere zwei Wochen). Seither bin ich viel entspannter. Der Mann ist nicht nur voll unterdrückter Aggressionen (schon zweimal hat er mich wegen Nichtigkeiten angeschrien), er steht auch ständig unter Spannung. Noch NIE habe ich ihn in normalem Tempo über den Flur gehen sehen. Er rennt mit vorgebeugtem Oberkörper über den Flur, hält jede Art von Gespräch, auch geschäftlicher Art, für überflüssiges Geschwätz, hat ständig Angst davor, daß er was falsch machen könnte, daß die Kollegen über ihn reden, daß man ihn nicht für voll nimmt, daß er seine Arbeit nicht schafft….Und diese totale Verspanntheit und eine gewisse Wut strahlt er aus und irgendwie färbt das auf mich ab. Ich war in den letzten Monaten selber viel aggressiver und hab manchmal heftig ausgeteilt. Das ist eigentlich nicht meine Art.
Außerdem kommt in einem halben Jahr voraussichtlich eine frühere Kollegin zunächst halbtags aus dem Mutterschutz und wird wohl wieder bei uns eingesetzt. Die hat so eine laute, nörgelige, ständig nur das Negative sehende Art an sich, die mir auch nicht so zusagt.
Die Kollegen aus der ersten Etage dagegen sind alle ruhig. Allerdings total trocken, nicht besonders humorvoll und ziemlich langweilig. Da würde ich mich auf Dauer vermutlich auch nicht wohlfühlen. Der Chef dort ist neu und grüßt einen nur widerwillig. Kommt allerdings mit dem Motorrad zur Arbeit, kann also eigentlich so verkehrt nicht sein.
Aber mir würden die Jungs aus der Nachbarabteilung hier unten fehlen, mit denen ich gelegentlich in den Außendienst gehe, die mir Essen mitbringen und dafür von mir mit Süßigkeiten versorgt werden. Aber wenn ich dafür No.3 nicht mehr sehen müßte….

Das Schicksal kann ich nicht spielen lassen, denn denen, die sich bisher beworben haben, würde man mich sicher vorziehen. Ich habe noch eine Woche Zeit, mir eine Bewerbung zu überlegen. Mal nachdenken.

Einfach nur Flirt

3. April 2012

Mit dem Flirten ist das so eine Sache, meist tue ich mich schwer damit. Ich bin oft unsicher: wo hört die Freundlichkeit auf und wo fängt der Flirt an? Könnte mein Gegenüber da etwas falsch verstehen? Möchte ich selber überhaupt flirten? Ist das jetzt schon eine Art Versprechen auf Mehr? Deshalb blocke ich im Zweifel lieber ab.
Umso angenehmer finde ich die lockeren Flirts, die ich mit zwei, drei Arbeitskollegen habe: wir kennen uns, wir mögen uns, finden uns gegenseitig durchaus irgendwo attraktiv – aber mehr wird daraus nicht werden. Das ist allen klar.
Daraus ergibt sich eine lockere Atmosphäre, die gegenseitige Komplimente, das Essen von einer Gabel oder kleine Aufmerksamkeiten möglich macht. Bestätigung von einer Person des anderen Geschlechts ohne Hintergedanken.
I like.

Kollegenzirkus

5. Oktober 2011

Als ich für meinen Job hier eingearbeitet wurde, gab man mir 2 Monate. Hat mir auch genügt, weil ja immer noch andere Kollegen zum fragen da waren. Dem Neuen dagegen hat man von Anfang an schon 6 Monate zugestanden. Die Einarbeitung haben bisher eine Kollegin und ich übernommen. So etwas ist mühsam und kostet vor allem anfangs immer deutlich mehr Zeit, als wenn man den Vorgang selber erledigt hätte. Inzwischen ist der Neue schon 9 Monate da und hat immer noch keinen eigenen Arbeitsbereich. Derzeit betreut er etwa 20 Kunden, während mein Bestand sich auf 190(!) beläuft. Daher habe ich mir heute morgen erlaubt, ihm 5 neue Vorgänge zu geben. Und der Kerl pampt mich an, ob er jetzt die Sachen bekäme, die ich nicht bearbeiten will. Geht`s noch?? Dem ganzen die Krone setzt es auf, daß er sich auch noch beim Chef beschwert hat und nicht mehr mit mir redet, weil er beleidigt ist. Langsam hab ich echt keinen Nerv mehr für diesen Zirkus.

Kollegen

7. Juli 2011

Ich arbeite in einem Betrieb mit rund 160 Leuten. Mit einigen arbeite ich sehr eng zusammen, mit einigen nur gelegentlich und die meisten kenne ich mehr oder weniger nur vom über den Flur gehen.
Naturgemäß sind ziemlich viele Charaktere vertreten. Geärgert habe ich mich dabei immer über die Faulpelze, die nach außen hin immer so tun, als ob sie schwerer beschäftigt wären, als alle anderen. Ich liebe auch sehr die Megawichtigen, die nur die allertollsten Sachen bearbeiten, die die Abteilung hochhalten, ohne die hier aber auch gar nichts laufen würde….die aber tatsächlich keine Ahnung haben.
Schwer genervt bin ich auch immer von meinem direkten Kollegen, weil der so ein wahnsinniger Umstandskrämer ist. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Ich kenne niemanden, der auch nur ansatzweise so lange braucht, bis er mal zum Punkt kommt. Er ist ein netter und herzensguter Mensch, aber so weit von meiner Denk- und Arbeitsweise entfernt – da muß ich mich manchmal schwer zusammenreißen.
Die Krönung ist aber unser neuer Kollege, den wir jetzt sein Januar einarbeiten. Er hat den Humor eines Kindes und bekommt unkontrolliert Lachanfälle wegen Sachen, die außer ihm keiner lustig findet. Er ist manchmal so beleidigt, daß er sein Büro nicht mehr verläßt, nach Hause gehen will oder jemanden tagelang ignoriert. Aus Gründen, die wir nicht verstehen. Er ist auch jähzornig und kann einen aus heiterem Himmel anbrüllen. Gegenüber den Sekretärinnen ist er arrogant und rechthaberisch, weil die ja nur schreiben.
Seit gestern ist er mal wieder mit mir beleidigt. Ich weiß nicht genau, weshalb eigentlich und ich frage auch nicht. Er redet nur das Allernötigste mit mir, völlig ingnorieren kann er mich nicht, weil ich derzeit für seine Einarbeitung zuständig bin und die Kollegin nicht da ist.
Ich finde das mühsam. Nach meiner ernsthaften Überzeugung nützt ein Gespräch da nichts. Der Mann gehört in psychologische Behandlung. Und ich habe weder die Zeit noch die Geduld, Kindermädchen für einen 36-jährigen zu spielen. Wir brauchen dringend arbeitsmäßige Unterstützung und niemanden, der uns mit seiner negativen Ausstrahlung noch Energie abzieht.

Ich hätte nie von mir gedacht, daß ich jemals ernsthaft daran arbeiten würde, einen Kollegen loszuwerden. In diesem Fall habe ich jedoch bereits damit angefangen. Und ich habe nicht die Spur eines schlechten Gewissens.