Posts Tagged ‘Krebs’

Schon wieder Cortison

22. August 2015

Meine ganz schlimme Müdigkeit hat sich Gottseidank nicht wieder eingestellt. Nur eine leichte Müdigkeit, die sich aber mit ein paar Koffeintabletten einigermaßen behandeln ließ.
Dafür hat sich eine neue Nebenwirkung eingestellt: Das so genannte Hand-Fuß-Syndrom. Dabei gelangt mit dem Schweiß etwas von der Chemo auf die Haut und zersetzt an Händen und Füßen die Haut. Am Anfang war es noch nicht so schlimm und nur die dickeren Hautschichten haben sich abgepellt. Das sah zwar ganz furchtbar aus, tat aber kaum weh. Ich habe eine gute Feuchtigkeitscreme bekommen und dachte zunächst, damit lässt sich der Vorgang aufhalten. Aber falsch gedacht. Als nächstes wurde es zwischen den Fingern total rot und dann haben sich sogar richtige Blasen gebildet. Und das war dann richtig unangenehm und tat auch richtig weh. Deshalb habe ich jetzt eine Cortisonsalbe bekommen, die auch sofort geholfen hat. Außerdem muss ich jetzt für sechs Tage starke Cortisontabletten nehmen. Da fürchte ich ja schon die Nebenwirkungen. Nach der ersten war heute Morgen mein Gesicht feuerrot und die Augen etwas verquollen. Das hat sich inzwischen allerdings einigermaßen gegeben. Außerdem bin ich heute nach der zweiten Tablette ziemlich aufgedreht. Bin gespannt, ob ich heute Nacht schlafen kann. Und ich glaube, die Appetitsteigerung hat auch schon angefangen.

Außerdem wird die nächste Chemo um eine Woche verschoben. Das gefällt mir zwar überhaupt nicht, aber ansonsten laufe ich Gefahr, dass ich bald nur noch rohes Fleisch an den Händen habe und sie unter Umständen monatelang nicht benutzen kann, wie es einer anderen Patientin passiert ist. Dazu soll die Dosis auch etwas reduziert werden. Der Arzt hält es für vertretbar, weil der Tumormarker ja Gottseidank drastisch gesunken ist und die Chemo offenbar sehr gut anschlägt.

Aber wieder typisch, dass ich zu den 20 % gehöre, bei denen diese Nebenwirkung auftritt. Der Arzt hat sie schon gar nicht mehr gewundert.

Zwischenstand

25. Juni 2015

So langsam könnte ich ja mal wieder was bloggen….das denke ich schon eine ganze Weile. Aber bei mir passierte irgendwie nichts. Das sieht man auch den relativ wenigen Tweets an. Vorbei die Zeit der Erlebnisse. Ich war lange krank zu Hause, hab viel geschlafen und mich irgendwie beschäftigt. Wöchentlich zum Arzt zur Infusion, zweimal zur Lymphdrainage, kurz was einkaufen. Das war es schon. Um über ein anderes Thema zu schreiben, war ich einfach zu müde und zu träge.

Dann ist doch endlich was passiert: ich hab angefangen zu planen, langsam wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Zunächst nur mit zwei Stunden am Tag, vier Tage die Woche. Das hab ich mir zugetraut. Und ich hab mich gefreut, dass wieder etwas Normalität in mein Leben kommt.
Und genau zu der Zeit fing der Tumormarker in meinem Blut wieder an zu steigen. Schwankungen sind zwar durchaus nicht ungewöhnlich, aber… Schnell hab ich mich mit meinem Onkologen darauf verständigt, ein PET/CT machen zu lassen. Das Besondere dabei ist, dass man eine radioaktive Zuckerlösung gespritzt bekommt. Tumorzellen stürzen sich auf Zucker und verraten sich durch ein Leuchten.

Genau zwei Stunden vor meinem Arbeitsbeginn nach anderthalb Jahren dann die Nachricht: der Krebs ist wieder da. Auf der Leber, dem gesamten Darm und noch zwei Stellen im Bauchraum. Ich wusste gar nicht, wie ich meinen Arbeitskollegen entgegentreten sollte. Gleich sagen, dass alles nur Makulatur ist und ich eigentlich gleich wieder gehen kann? Ich hab erst mal nichts gesagt. Alle haben sich so gefreut und mich so nett begrüßt. Das hat mich echt aufgebaut. Und ich musste die schlechte Nachricht auch erst einmal für mich selbst verarbeiten. Ich hatte zwar schon damit gerechnet, aber natürlich gehofft, dass es nur blinder Alarm ist.

Es war natürlich ziemlich blöd für mich, mir meinen Arbeitsplatz einzurichten, mich auf das Laufende zu bringen, mir Arbeit von den Kollegen zu holen, wohl wissend, dass es wohl sinnlos ist. Auf der anderen Seite war die Hoffnung, dass es keine weitere OP gibt und ich eine zweite Chemo gut vertrage und trotzdem arbeiten kann.

Leider kam es anders. Der Krebs hat meinen Darm versteift und ich musste zweimal nachts notfallmäßig mit einem beginnenden Darmverschluss ins Krankenhaus. Das war wirklich nicht witzig. Und meine Kollegen konnten sich ausrechnen, dass etwas nicht stimmt. Am Ende hab ich immerhin zwei Wochen ein bißchen gearbeitet. Aber das war es dann.

Jetzt bekomme ich wieder Chemo, die mich ziemlich fertig macht. Mit der Übelkeit geht es bisher und die Haare bleiben anscheinend dran. Aber ich bin unendlich schlapp und müde. Ich schlafe sehr viel und bin den Rest der Zeit gar nicht richtig wach. Und wenn ich mal aus dem Haus gehe, bin ich sofort aus der Puste. Langsam habe ich ein echtes Problem damit zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen. Dabei habe ich erst zwei Chemos hinter mir und vier folgen noch. Und die Nebenwirkungen werden bekanntermaßen eher schlimmer. Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll und kann nur auf gute Tage hoffen.
Außerdem habe ich das Pech, dass zum Ende des Monats gleich zwei Freunde aus Konstanz wegziehen. Beide haben einen Wohnungschlüssel und waren im Notfall für mich da. Die Beruhigung fehlt mir jetzt. 

Die ganze Situation zieht mich ziemlich runter. Ich habe immer darauf hin gelebt, dass ich keinen Rückfall bekomme und mein normales Leben irgendwann wieder weiter leben kann. Aber davon kann ich mich verabschieden. Ich werde die Chemo irgendwie wieder schaffen und den Krebs dann hoffentlich besiegt haben. Aber auch dann wird es nicht mehr wie vorher. Die OP hat viel zerstört und mein Darm funktioniert nicht mehr richtig. Ich hab Wasser in den Beinen und muss mehrmals am Tag zum Teil schauerliche Medikamente nehmen. 
Ich lebe zwar, aber Moment irgendwie nicht richtig. Diese elende Müdigkeit macht mich zusätzlich fertig. Hoffentlich wird das wieder besser. 

Es geht aufwärts

25. August 2014

Nachdem ich mich hier nun schon lange nicht mehr gemeldet habe, wird es mal wieder Zeit für ein Lebenszeichen 🙂
Ich habe gerade gesehen, dass mein letzter Post tatsächlich schon wieder fünf Monate her ist. So lange kommt es mir gar nicht vor. Aber die Zeit vergeht irgendwie unheimlich schnell, obwohl gar nicht viel passiert. Oder vielleicht auch genau deshalb.
Ich bin jeden Montag und jeden Freitag um 11:00 Uhr zur Lymphdrainage gegangen und jeden Dienstag um 12:00 Uhr zur Infusion des Studienmedikaments. Da treffe ich meine Leidensgenossin und neue Freundin U. Wir bekommen schon immer ungefragt den selben Termin 🙂
Ich habe gemerkt, wie wichtig ein Erfahrungsaustausch für mich ist. Kein Arzt erzählt dir vorher, was es alles an Nebenwirkungen geben kann. Nicht einmal, wenn sie recht häufig sind (z.B. taube Füße, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und mieses Gedächtnis). Da beruhigt es mich doch sehr, wenn jemand anders die gleichen Erfahrungen macht. Und es ist schön, dass ich jemanden gefunden habe, die die gleiche positive Einstellung hat wie ich. Und falls doch eine von uns mal zweifelt, ob wir da durch kommen, wird sie von der anderen wieder gepusht. Passt 🙂 🙂
Leider habe wir beide auch eine recht häufige Nebenwirkung des Studienmedikaments: Wassereinlagerungen. Vor allem mich hat es recht heftig erwischt. Zur Zeit hab ich ungefähr 10l Wasser, verteilt hauptsächlich auf die Beine und auch am Bauch. Das macht eine schicke Silhouette, weil der Oberkörper überhaupt nicht betroffen ist. Vor allem aber leidet meine Beweglichkeit. Durch das Wasser in den Beinen kann ich meine Füße nicht richtig anziehen und die Knie nicht richtig beugen. Auf der Treppe mime ich deshalb die Schnecke und beim Aufstehen von der Gymnastikmatte den Maikäfer. Und meine Hosen passen mir natürlich auch nicht. Nicht mal mehr die weiteren, die ich mir wegen dem geschwollen Bauch nach der OP gekauft hatte. Alles klemmt und zwickt. Blöd. Darum schlucke ich im Moment ziemlich viele Entwässerungstabletten, damit es nicht noch schlimmer wird. Aber auf Dauer ist das auch keine Lösung. Da muss sich mein Arzt was einfallen lassen.

Aber sonst wird langsam alles besser. Inzwischen kann ich mich auch mal weiter als 5m von einer Toilette entfernen. Das erhöht die Lebensqualität doch erheblich 😉 Auch die Lymphzyste im Unterbauch wird langsam kleiner. Sie ist zwar immer noch etwa 7cm groß, aber das ist nur noch die Hälfte. Soll sie sich ruhig Zeit lassen, Hauptsache ich muss nicht wieder unters Messer.
Inzwischen bin ich auch kräftiger geworden und nicht mehr so müde. Aber es geht alles viel langsamer vorwärts, als ich mir das vorgestellt hatte. Im Moment bin ich in Reha und lerne hier viel und bekomme wertvolle Informationen. Davon erzähle ich Euch dann demnächst….

Die Operation

31. Januar 2014

Am 19. Dezember bin ich morgens ganz ruhig in den OP gerollt. Ich wusste, dass die OP länger dauern würde und dass ich in guten Händen bin. Tatsächlich ging die OP dann fast 7 Stunden. Sie haben den Tumor und alle sichtbaren Metastasen entfernen können und neben den geplanten Dingen wie Eierstöcke, Gebärmutter, Darmnetz und Bauchfell ist lediglich die Milz noch flöten gegangen. Aber ohne die Milz kann man wohl ganz gut leben und alles andere ist noch da.
Leider musste ich dann aber am nächsten Tag wegen Nachblutungen noch einmal operiert werden. Und am Tag darauf noch einmal. Selber habe ich davon nichts mitbekommen, aber es war wirklich knapp. Die Ärzte hatten meine Freundin @Penny1205 schon nach einer Patientenverfügung gefragt. Das sagt wohl alles.
Ich bin nur zwischendurch immer mal wieder halb wach geworden und habe ein paar Gesprächsfetzen mitbekommen. Irgendwie war ich in einer seltsamen hellen schwebenden Welt und bin aufgrund der Bemerkung eines Arztes zu dem Schluss gekommen, dass ich wohl sterben muss. Seltsamerweise hat mich das nicht schockiert, sondern nur erstaunt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war ganz ruhig und habe das akzeptiert.
Ich bin dann doch nicht gestorben, hab es mir in den Tagen auf der Intensivstation aber fast gewünscht. Ich war sediert und wurde künstlich beatmet, war aber nicht so weg, wie ich hätte sein sollen. Ich war immer wieder halb wach und das war für mich nur eins: quälend. Diesen Zustand wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht. Als ich wieder richtig wach und die Beatmung los war, hatte ich Panikattacken und wollte nicht allein sein. Denn ich hatte nur noch Angst, nackte Angst. Inzwischen weiß ich – was einem keiner erzählt – dass so etwas eine häufige Nebenwirkung von Narkosen ist. Und ich hatte gleich drei an drei aufeinanderfolgenden Tagen und zusätzlich Sedierungen. Aber da haben sich meine Freunde wieder bewährt 🙂 🙂 @Penny1205 hat – nach hartem Kampf mit dem Stationsarzt – bei mir auf der Intensivstation übernachtet. Leider wurde sie krank und musste am nächsten Tag wieder nach Hause. Da hat spontan meine Kollegin C. an Heiligabend (!) ihr Essen mit den Patenkindern abgesagt und ist bis spät abends bei mir geblieben bis @thomasgemperle kam. In der Nacht ist er dann bei mir geblieben. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie dankbar ich den Dreien dafür bin.
Dann war die größte Angst vorbei und ich kam auch alleine zurecht. Aber eine Intensivstation ist in jedem Fall nicht besonders schön. Ich hatte eine Unzahl von Schläuchen, überall hat es gepiept und es war nie ruhig. Und leider hatte ich wieder jede Menge Ödeme und konnte mich wegen der geschwollenen Arme und Beine kaum rühren. Auch am Rücken und an der Seite hatte ich Schwellungen. Und Wasser im linken Ohr, so dass ich damit kaum noch was hören konnte. Blöd.
Wegen Kapazitätsproblemen durfte ich dann recht bald wieder auf die Normalstation. Da hab ich mich schon deutlich wohler gefühlt. Ich hatte wieder meine Sachen um mich und nicht so viele Apparate. Und die Schwestern dort kannten mich schon und haben mich netter und persönlicher betreut als die überlasteten Kollegen der Intensivstation 🙂

Fortsetzung folgt….

Die OP kommt

18. Dezember 2013

Morgen früh ist es soweit: der Tumor am Eierstock soll entfernt werden.
Das Ding hat sich ja ziemlich breit gemacht, ist hinter der Gebärmutter in Richtung anderem Eierstock gewachsen und hat außerdem meinen Darm ziemlich verklebt. Zeit, dass er endlich wegkommt. Ich hab ja vorab schon drei Zyklen Chemo bekommen, das sollte das Gebilde etwas zum Schrumpfen gebracht haben und die Entfernung durch klarere Abgrenzung erleichtern. Ich denke, das funktioniert auch soweit. Aber was natürlich keiner im Vorhinein genau weiß: was ist außerdem noch durch den Krebs befallen. Auf dem CT sieht es bisher nicht schlecht aus, aber im Bauch kann es natürlich trotzdem übel aussehen. Das ist der Gedanke, den ich bisher immer erfolgreich verdrängt habe. Ich glaube zwar nicht (und will auch nicht glauben), dass es da große Überraschungen geben wird, aber mir ist durchaus bewusst, dass es auch anders kommen kann. Vielleicht wache ich ich neben fehlenden Eierstöcken, Gebärmutter und Teilen des Darms auch mit nur einem halbem Magen oder nur einer Niere auf. Irgendwie etwas verstörender Gedanke, der mich doch ein wenig beschäftigt.
Aber trotzdem habe ich keine Angst vor der OP. Ändern kann ich an der Sache sowieso nichts und was sein muss, muss sein. Mit meinem Schicksal hadern kann ich dann immer noch. Und ich vertraue den Ärzten hier und bin froh, nicht an einem großen Krankenhaus zu sein. Inzwischen kenne ich die Ärzte, die mich operieren werden ziemlich gut und vor allem, die kennen auch mich inzwischen ganz gut. Ich bin sicher, sie werden sich die größte Mühe geben und mich nicht hängen lassen. Das ist sehr beruhigend.

Und heute versuche ich wenigstens noch ein bißchen was aus dem Tag hier im Krankenhaus zu machen und futtere zumindest noch ordentlich. Ich hab tatsächlich schon mein drittes Eis verdrückt. So langsam sollte ich vielleicht aufhören, bevor mir noch schlecht wird 😉

Wie es mir zuhause erging

16. Dezember 2013

Ich hatte mich ja sehr darauf gefreut, nach über einem Monat Krankenhaus endlich wieder zuhause zu sein. Mir war klar, dass es nicht einfach sein würde. Aber ich hatte nicht gedacht, dass es eine solche Quälerei werden würde.
Mir ging es nämlich überhaupt nicht gut, die meiste Zeit ging es mir sogar ziemlich besch**. Ich war nicht nur ständig müde und kaputt, mir war auch ständig übel. An manchen Tagen nur leicht, an den meisten jedoch musste ich darum kämpfen, mich nicht zu übergeben. Und dabei sollte und musste ich essen, um nicht noch weiter abzunehmen. Außerdem machte mein Kreislauf zunehmend schlapp. An manchen Tagen ging es und ich konnte mit Begleitung ein bisschen an die frische Luft und etwas am See spazieren. Die meiste Zeit aber war es einfach zu anstrengend. Ich war schon völlig fertig, wenn ich nur vom Bett ins Bad musste oder vom Sofa in die Küche.  WIE fertig, kann sich keiner vorstellen, der nicht selbst einmal in einer solch extremen körperlichen Verfassung war. Das Herz klopfte wie verrückt und ich musste mich vor Überanstrengung fast übergeben. Keine guten Voraussetzungen.
Dazu hatte ich zwischendurch immer wieder Theater mit dem Stomabeutel. Es gab immer wieder Phasen, wo das Ding einfach nicht richtig halten wollte und die Sauce auslief. Ich war ständig mit Umziehen und sauber machen beschäftigt. Außerdem verätzt die Flüssigkeit die Haut. Am Ende war ich eines Abends sogar notfallmäßig im Krankenhaus, weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste. Die Haut am Bauch hat gebrannt wie Feuer und nichts hielt mehr. Toll ist sowas natürlich auch nachts. Ich weiß nicht, wann ich das letzte mal ruhig durchgeschlafen habe. Leeren muss man das Teil meist sowieso einmal, weil der Dünndarm leider laufend durch arbeitet. Und ich habe immer Angst, der Beutel platzt mir mal. Und natürlich Angst, er wird vorzeitig undicht und überschwemmt mir das Bett. Ich hab einige Foren im Internet besucht. Die sind voll von Leuten, die jede Nacht ihr Bett mehrmals neu beziehen. Tolle Aussichten. Im Moment geht es bei mir. Aber drückt mir bloß die Daumen, dass die Rückverlegung in ein paar Tagen auch gut klappt.

Letzten Montag war ich zur Voruntersuchung für die geplante Tumor-OP am 19. Dezember im Krankenhaus. Aufnahme in der Verwaltung, Aufklärungsgespräche, Blutabnahme etc. Ich hatte es schon kaum geschafft, überhaupt hin zu kommen. Sie haben mich dann mit einem Rollstuhl von Zimmer zu Zimmer geschoben. Aber hinlegen konnte ich mich nicht. Deshalb bin ich dann zusammengeklappt. Nachdem mich der Onkologe untersucht hat und die ersten Ergebnisse der Blutabnahme da waren kam heraus, dass ich völlig dehydriert war und meinem Körper mehrere Liter Wasser gefehlt haben. Außerdem waren aufgrund der Chemo praktische sämtliche Blutwerte total abgefallen. Vor allem die weißen Blutkörperchen und auch der rote Blutfarbstoff.
Sie haben mich dann wegen akuter Ansteckungsgefahr in Isolation gesteckt, damit ich ja mit nichts infiziere. Ich habe intravenös jede Menge Wasser, Mineralien, Antibiotika, und sogar zwei Blutkonserven bekommen. Außerdem sauteure Spritzen (in der Apotheke hab ich mal für eine über 1.800€ bezahlt), um die Produktion der weißen Blutkörperchen zu beschleunigen. Schon nach zwei Tagen ging es mir dann deutlich besser. Auch die ständige Übelkeit hatte sich verflüchtigt und ich kann inzwischen wieder normal essen. Wisst Ihr, wie schön? 🙂
Die Dehydrierung habe ich übrigens auch dem blöden Ileostoma zu verdanken. Wenn etwa 90% dessen, was man trinkt über den Beutel wieder rausläuft, wird es natürlich schwierig mit der Flüssigkeitsversorgung.

Im Moment geht es mir jedenfalls wieder ganz gut und ich warte auf meine OP am Donnerstag. Die wird kein Spaziergang und danach wird es mir sicherlich ein paar Tage wieder ziemlich mies gehen. Aber dann bin ich wenigstens den Beutel los, den Tumor los und hab nur noch dreimal Chemo vor mir. Das ist zu schaffen.

Ungeplante Auszeit

3. November 2013

Warum die Twitter-Pause? Weil es mich ziemlich gewickelt hat:

Im September hatte ich gesundheitliche Probleme. Mein Bauch wurde dicker und ich konnte nicht mehr richtig essen. Was mit Magen/Darm dachte ich. Mein Hausarzt auch und schickte mich zur Darmspielung. Der Gastroenterologe machte erst einmal eine Ultraschalluntersuchung, stellte Bauchwasser fest und schickte mich in die Frauenklinik. Dort stellte man nach einigen Untersuchung bei mir einen bösartigen Tumor am Eierstock fest. Das Bauchwasser wurde verursacht durch Metastasen, die das Bauchfell reizen. Bei dem Wort „Metastasen“ wurde mir erst einmal ganz anders. Vor allem nach ich mir ergoogelt hatte, dass Patienten mit Bauchwasser aufgrund von Metastasen meistens nur noch ein paar Monate zu leben haben. Ich habe mir noch nie im Leben so gewünscht, etwas nicht gelesen zu haben!!!
Inzwischen weiß ich aber, dass das noch kein Todesurteil ist, solange sie auf den Bauchraum beschränkt bleiben. Das scheint bei mir der Fall zu sein.

Normalerweise wird in solchen Fällen zuerst operiert und danach folgen sechs Chemo-Behandlungen. Ich habe mich jedoch enschieden, an einer Studie teilzunehmen. In dem Fall gibt man zuerst dreimal Chemo, um den Tumor schon einmal zum Schrumpfen zu bringen und die Metastasen zu bekämpfen. Dann wird die OP gemacht und noch dreimal Chemo. Zusätzlich gibt es wöchentlich das Studienmedikament, das die Blutzufuhr zu den Tumorzellen stören soll.
Vorweg wird in solchen Fällen noch eine Bauchspieglung gemacht, um den Befund zu sichern und Proben zu nehmen. Damit fingen dann die Probleme an.
In der Zwischenzeit hatte ich soviel Bauchwasser, dass ich aussah wie im sieben Monat. Ich konnte mich fast nicht mehr rühren und hatte Magenschmerzen. Obwohl ich kaum noch was gegessen hatte, zeigte die Waage inzwischen mehr an. Während der Spiegelung wurde mir zwei Liter Bauchwasser von geschätzten fünf abgelassen. Dank Drainage ging später noch mehr weg. Gottseidank. Allerdings kam danach mein Darm nicht merh in die Gänge. Sie haben alles versucht, aber ich hatte nur noch Schmerzen, wurde immmer aufgeblähter und stand kurz vor einem kompletten Verschluss. Am Ende ging es nicht mehr, ich wurde operiert und habe einen künstliche Darmausgang bekommen. Nur vorübergehend sagen sie. Das klappt hoffentlich auch. Vorübergehend kann ich gut damit leben. Ist bloß ziemlich lästig, aber sonst geht es. Weil es ein Dünndarmausgang ist, riecht wenigstens nichts. Der Beutel hängt neben dem Bauchnabel und lässt sich im Moment ganz gut unter der Klamotten verstecken. Die sind nämlich derzeit arg zu weit.

Ich hatte im Krankenhaus die ganze Zeit erzählt, dass sie sich nicht täuschen lassen sollen. Trotz Gewichtszunahme hab ich unter dem Strich abgenommen. Aber so ganz ernst hat das keiner genommen. Durch das Ablassen des Bauchwassers hatte sich nämlich eine Eiweißverschiebung ergeben, die zu Ödemen geführt hat. Und die spätere OP hat leider zu weiteren Ödemen geführt. Am Ende sah ich aus wie ein riesiges Osterei und hab 62 kg gewogen. Als das Wasser im Körper dann endlich anfing sich wieder zu verziehen, habe ich innerhalb von einer Woche 18(!)kg verloren. Mit 44 kg bin ich bei 1,64 m jetzt natürlich viel zu dünn und hab 10 kg weniger, als normal. Sehe aus, wie kurz vor dem Verhungern. Allerdings gehen meine Jeans jetzt als Boyfriend-Jeans durch. Schon wieder Geld gespart 😉

Und jetzt soll ich essen, hab aber eigentlich nie Hunger. Unglaublich, wie man sich quälen muss, um etwas zu essen, wenn man eigentlich gar nicht mag. Ich bekomme außerdem hochkalorische Milchshakes. Aber bisher klappt das mit dem Zunehmen noch nicht so recht. Ich möchte aber eine künstliche Ernährung vermeiden und zwinge mir deshalb laufend die zuckrigen und fettigen Sachen rein. Aber solche Lieblingssachen wir Leberwurst, Teewurst, Salami, Räucherfisch, Lachs und Hering soll man wieder nicht mir künstlichem Darmausgang. Und ich hab meinen Räucherlachs letzte Nacht mit fiesen Schmerzen büßen müssen. Aber morgen probiere ich trotzdem Sahnehering. So!

Die erste Chemo hab ich übrigens sehr gut vertragen. Nur meine Frisur sieht inzwischen mehr nach Gollum aus als nach Frodo. Aber was soll’s, wozu gibt es Tücher. Wächst ja irgendwann wieder. Am Dienstag habe ich die nächste Chemo. Die wurde um eine Woche verschoben, weil ich nach der OP Fieber bekommen hatte (Ihr seht, ich hab nix ausgelassen). Drückt mir die Daumen, dass es wieder gut läuft und sich die Nebenwirkungen in Grenzen halten.

Im Moment habe ich Ausgang vom Krankenhaus. Gestern war ich schon mal ein paar Stunden auf Probe hier. Heute übernachte ich in meiner Wohnung und rücke erst wieder am Montagabend ein. Bis dahin genieße ich es, dass ich endlich wieder richtig heißen Tee habe statt nur lauwarmer Brühe. Und ich schmuse wie ein Weltmeister mit meinen Katzen. Die Zwei haben mich einen guten Monat nicht gesehen und waren ganz aus dem Häuschen 🙂 🙂

Was mich in der Zeit vor und im Krankenhaus wirklich berührt hat: ich habe unheimlich viele ernst gemeinte Hilfsangebote bekommen. Dazu viele, viele Besuche, Geschenke, Grüße und Wünsche. Auch von einer ganzen Reihe Menschen, die ich hauptsächlich über Twitter kenne. Das soziale Netzwerk hat in meinem Fall tatsächlich funktioniert 🙂
Und auch in meinem direktem Umfeld durfte ich erleben, dass ich mehr gute Freunde habe, als ich dachte. Anderen geht geht es ja oft genau anders herum, aber ich hatte Glück: ich habe Freunde, die die Termine für meine pflegebedürftige Schwester machen (das lag mir anfangs am schwersten im Magen), andere kaufen für mich ein, putzen oder begleiten mich zu Terminen oder auf dem Weg nach Hause. Und ich bin sehr froh, dass es mehrere Schultern gibt, auf die sich das verteilt. Danke an alle!

Leider kann ich Euch auf Twitter in den nächsten Monaten nicht mit Geschichten aus dem Büro unterhalten. Aber im Krankenhaus gab es auch ein paar lustige Erlebnisse, die ich Euch zumindest hier im Blog nicht vorenthalten werde 🙂