Posts Tagged ‘Müdigkeit’

Nebenwirkungen

8. Juli 2015

Chemo und andere Medikamente haben Nebenwirkungen, zum Teil recht heftige.Ich bekomme wieder zwei Zyostatika, davon diesmal ein anderes als vorher. Von dem fallen mir nicht die Haare aus und es verursacht keine Nervenschäden. Meine Füße sind von der letzten Chemo nämlich immer noch teilweise taub und ich hoffe, das wird irgendwann noch. Immerhin ist die letzte Chemo von ersten Durchgang schon über ein Jahr her.

Was neben zeitweise Übelkeit jetzt aufgetreten ist, ist dafür eine unwahrscheinliche, lähmende Müdigkeit. Vor allem die ersten Tage nach der Chemo habe ich fast nur geschlafen. Auch tagsüber bin ich ein, zwei Stunden tief eingeschlafen und war vielleicht mal eine Stunde wach, bevor ich wieder eingeschlafen bin. Es war so, als stünde ich ständig unter Schlafmittel. Nach fünf Tagen wurde es deutlich besser, aber ich war immer noch müde, müde, müde. Dazu kam mit der Zeit natürlich eine körperliche Schwäche. Ich hab es kaum noch aus dem Haus geschafft und war schon nach 20 Metern völlig erschöpft. 

Gegen die Müdigkeit habe ich inzwischen ein Medikament bekommen. Es hat ein paar Tage gedauert, aber dann wurde es besser. Und ich war heilfroh. Es ist einfach kein Leben, wenn man nur noch müde ist, zu nichts mehr Lust hat und nicht mehr aus dem Haus kann. Sogar das Duschen war mir schon zuviel, das kann sich kein Außenstehender vorstellen. 

Aber alles hat seinen Preis. Das Medikament enthält nämlich Cortison und wird unter anderem zur Appetitsteigerung eingesetzt. Erst habe ich nichts gemerkt, aber irgendwann ging es dann los: ich hatte ständig Hunger und war nur noch am essen. Anfangs hat sich das nicht ausgewirkt, aber dann hab ich schlagartig zugenommen. Und zwar nur am Bauch. Auf einmal schiebe ich eine kleine Kugel vor mir her und ich hasse es. Ich fühle mich fett und aufgequollen. Andererseits schadet natürlich etwas mehr Gewicht während der Chemo sicher nicht. Nach der dritten war mir zwar Gottseidank nicht tagelang übel, aber wer weiß, wie es bei der nächsten wieder aussieht. Da kann ich eine Speckreserve vielleicht wieder gut gebrauchen.

Jetzt fängt allerdings mein Gesicht an aufzuquellen. Die Augen sind verschwiemelt, die Backen werden dick und der Mund klein. Ich bin mir selber fremd, wenn ich in den Spiegel sehe. Und das gefällt mir überhaupt nicht. Deshalb habe ich vor ein paar Tagen das Medikament abgesetzt und hoffe, dass die Nebenwirkungen bald wieder aufhören und die Müdigkeit nicht wieder kommt. Es ist echt ätzend.

Zwischenstand

25. Juni 2015

So langsam könnte ich ja mal wieder was bloggen….das denke ich schon eine ganze Weile. Aber bei mir passierte irgendwie nichts. Das sieht man auch den relativ wenigen Tweets an. Vorbei die Zeit der Erlebnisse. Ich war lange krank zu Hause, hab viel geschlafen und mich irgendwie beschäftigt. Wöchentlich zum Arzt zur Infusion, zweimal zur Lymphdrainage, kurz was einkaufen. Das war es schon. Um über ein anderes Thema zu schreiben, war ich einfach zu müde und zu träge.

Dann ist doch endlich was passiert: ich hab angefangen zu planen, langsam wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Zunächst nur mit zwei Stunden am Tag, vier Tage die Woche. Das hab ich mir zugetraut. Und ich hab mich gefreut, dass wieder etwas Normalität in mein Leben kommt.
Und genau zu der Zeit fing der Tumormarker in meinem Blut wieder an zu steigen. Schwankungen sind zwar durchaus nicht ungewöhnlich, aber… Schnell hab ich mich mit meinem Onkologen darauf verständigt, ein PET/CT machen zu lassen. Das Besondere dabei ist, dass man eine radioaktive Zuckerlösung gespritzt bekommt. Tumorzellen stürzen sich auf Zucker und verraten sich durch ein Leuchten.

Genau zwei Stunden vor meinem Arbeitsbeginn nach anderthalb Jahren dann die Nachricht: der Krebs ist wieder da. Auf der Leber, dem gesamten Darm und noch zwei Stellen im Bauchraum. Ich wusste gar nicht, wie ich meinen Arbeitskollegen entgegentreten sollte. Gleich sagen, dass alles nur Makulatur ist und ich eigentlich gleich wieder gehen kann? Ich hab erst mal nichts gesagt. Alle haben sich so gefreut und mich so nett begrüßt. Das hat mich echt aufgebaut. Und ich musste die schlechte Nachricht auch erst einmal für mich selbst verarbeiten. Ich hatte zwar schon damit gerechnet, aber natürlich gehofft, dass es nur blinder Alarm ist.

Es war natürlich ziemlich blöd für mich, mir meinen Arbeitsplatz einzurichten, mich auf das Laufende zu bringen, mir Arbeit von den Kollegen zu holen, wohl wissend, dass es wohl sinnlos ist. Auf der anderen Seite war die Hoffnung, dass es keine weitere OP gibt und ich eine zweite Chemo gut vertrage und trotzdem arbeiten kann.

Leider kam es anders. Der Krebs hat meinen Darm versteift und ich musste zweimal nachts notfallmäßig mit einem beginnenden Darmverschluss ins Krankenhaus. Das war wirklich nicht witzig. Und meine Kollegen konnten sich ausrechnen, dass etwas nicht stimmt. Am Ende hab ich immerhin zwei Wochen ein bißchen gearbeitet. Aber das war es dann.

Jetzt bekomme ich wieder Chemo, die mich ziemlich fertig macht. Mit der Übelkeit geht es bisher und die Haare bleiben anscheinend dran. Aber ich bin unendlich schlapp und müde. Ich schlafe sehr viel und bin den Rest der Zeit gar nicht richtig wach. Und wenn ich mal aus dem Haus gehe, bin ich sofort aus der Puste. Langsam habe ich ein echtes Problem damit zum Arzt oder zum Einkaufen zu kommen. Dabei habe ich erst zwei Chemos hinter mir und vier folgen noch. Und die Nebenwirkungen werden bekanntermaßen eher schlimmer. Ich weiß gar nicht, wie ich das schaffen soll und kann nur auf gute Tage hoffen.
Außerdem habe ich das Pech, dass zum Ende des Monats gleich zwei Freunde aus Konstanz wegziehen. Beide haben einen Wohnungschlüssel und waren im Notfall für mich da. Die Beruhigung fehlt mir jetzt. 

Die ganze Situation zieht mich ziemlich runter. Ich habe immer darauf hin gelebt, dass ich keinen Rückfall bekomme und mein normales Leben irgendwann wieder weiter leben kann. Aber davon kann ich mich verabschieden. Ich werde die Chemo irgendwie wieder schaffen und den Krebs dann hoffentlich besiegt haben. Aber auch dann wird es nicht mehr wie vorher. Die OP hat viel zerstört und mein Darm funktioniert nicht mehr richtig. Ich hab Wasser in den Beinen und muss mehrmals am Tag zum Teil schauerliche Medikamente nehmen. 
Ich lebe zwar, aber Moment irgendwie nicht richtig. Diese elende Müdigkeit macht mich zusätzlich fertig. Hoffentlich wird das wieder besser.