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Ein gnädiger Tod

17. Dezember 2014

Vorhin habe ich mit meiner Mutter telefoniert und sie erzählte mir, dass jemand gestorben ist, den ich gekannt habe. Gekannt? Nein, nicht wirklich. Eigentlich gar nicht. Er war nach einem schweren Motorradunfall in einer Art Wachkoma und lebte in einem Pflegeheim für schwere Fälle. Dort habe ich ihn ein paarmal gesehen. Kennengelernt habe ich aber seine Mutter. Eine inzwischen 80-jährige Frau, die jeden Tag mindestens 12 Stunden im Pflegeheim zugebracht und sich um ihren Sohn gekümmert hat. Wirklich jeden Tag. Ich weiß nicht, woher sie die Kraft dafür genommen hat. Und sie hat immer darüber nachgedacht, wie sie es organisatorisch hinbekommen könnte, ihren Sohn nach Hause zu holen. Aber daraus ist nichts mehr geworden. Er ist friedlich eingeschlafen und musste nicht leiden. Aber für eine Mutter ist das natürlich nur sehr bedingt ein Trost.
Es klingt immer ein bisschen herzlos so etwas zu sagen, aber ich glaube wirklich, dass es so für alle Beteiligten das Beste ist. So muss sie sich zumindest keine Gedanken mehr darum machen, was mit ihrem Sohn passiert, wenn sie nicht mehr ist. Denn für ihn wäre es furchtbar gewesen. Er war nicht nur völlig hilflos, sondern hat Fremden gegenüber immer völlig panisch reagiert. Für den armen Mann wäre der Albtraum ohne seine Mutter noch schlimmer geworden.
Aber wie deutlich kann und darf man das gegenüber den Angehörigen, aussprechen? Ein sehr schwieriges Thema.

Wie weit kümmern?

23. Februar 2013

Ich hatte hier ja schon von meiner Nachbarin erzählt, die sich regelmäßig um meine Katzen kümmert. Das kann sie jetzt leider nicht mehr, denn kurz vor Weihnachten hatte sie einen Schlaganfall. Gottseidank war es nur ein leichter, der lediglich den rechten Arm und die Sprache betroffen hat. In der Reha lief es ganz gut, aber sie hat sich dann selber vorzeitig entlassen. Dann ging der Kampf mit ihrer Enkelin los. Die alte Dame mir ihren knapp 90 Jahren wollte keine Pflegestufe, keine Pflegehilfe, keine Hilfe im Haushalt, keinen Notfallknopf….also überhaupt nichts. Ihre Enkelin sollte sich um sie kümmern und sonst niemand. Die wollte aber nicht. Zum einen, weil die zwei kein herzliches Verhältnis haben, vor allem aber, weil sie selber an MS leidet und dadurch natürlich körperliche Grenzen hat. Etwas, was die alte Dame nicht sehen will.
In der ersten Woche war die Enkelin dann am Ende doch jeden Tag da, weil meine Nachbarin sich nicht so wohl fühlte. Nach Ansicht der Enkelin allerdings nur vorgeschoben, was ich für durchaus möglich halte. Es gipfelte darin, dass die Gute nach einer Woche den Krankenwagen gerufen hat und im Krankenhaus erzählt hat, das es ihr so wahnsinnig schlecht ginge und sich niemand gekümmert habe. Das Krankenhaus hat der Enkelin deshalb eine Anzeige wegen Vernachlässigung angekündigt. Hurrah. Gefunden haben sie jedenfalls nichts und die alte Dame wieder nach Hause geschickt. Die Enkelin hat dann ohne weiter zu fragen einen Termin mit dem Pflegedienst vereinbart und es sollte jeden Tag eine Pflegerin kommen und beim Waschen und Anziehen helfen. Es wundert wohl keinen, wenn ich erzähle, dass sie die Pflegerin gleich wieder raus geschmissen hat. Es sollte wohl noch jemand zum Putzen kommen, ist bisher aber noch nicht erschienen.
Und letztes Wochenende haben sich die beiden dann endgültig zerstritten. Die Enkelin hat schon länger Bankvollmacht und hatte Sachen für die Zeit im Krankenhaus und in der Reha gekauft. Dafür hatte sie etwas Geld abgehoben. Die alte Dame behauptet nun, sie hätte die Hälfte ihrer Ersparnisse genommen und hat mit Anzeige bei der Polizei gedroht. Keine Ahnung, was sich die zwei an den Kopf geworfen haben. Die Enkelin hatte dann jedenfalls endgültig die Nase voll, hat den Schlüssel da gelassen und will das Haus nie mehr betreten. Das hat sie mir Sonntagabend am Telefon erzählt.
Die alte Dame hat mich dann am Montag mit schwacher Stimme im Büro angerufen, ob ich abends bei ihr vorbei kommen könnte. Sie hat mir dann ihre Version der Dinge erzählt, die natürlich etwas anders aussah. Angeblich fehlen auch die Kontoauszüge, die bisher in der Küche gelegen hätten. Keine Ahnung, wo die Wahrheit liegt. Ich habe ihr angeboten, für sie bei der Sparkasse die Auszüge ncoh einmal anzufordern, damit sie nachsehen kann. Außerdem wollte sie die Bankvollmacht widerrufen. Das hab ich auch mal rein geschrieben, aber den Brief noch nicht eingeworfen.
Ich hab noch die Selbstauskunft für den Medinzinischen Dienst ausgefüllt, damit sie vielleicht doch eine Pflegestufe bekommt. Jetzt müsste noch jemand einmal in der Woche ihre Medikament richten, was bisher die Enkelin gemacht hat. Keine Ahnhng, wer das nun erledigen soll. Ich hab einen Hausbesuch des Hausarztes angeleiert, aber der erste Versuch hat nicht geklappt, weil sie Klingel nicht gehört hat. Werde aber dranbleiben. Die alte Dame hat zu mir gesagt, wenn er meint, sie sei im Altersheim besser aufgehoben, dann würde sie das machen. Und sie hat mir das Versprechen abgenommen, dass ich mich dann um die Räumung ihrer Wohnung kümmere *seufz*
Sie selber kann die Wohnung im Moment nicht verlassen, weil sie im dritten Stock wohnt und wir keinen Aufzug haben. Sie fühlt sich dort allerdings wohl und ich denke, mit ein bißchen Hilfe könnte sie gut noch eine Weile dort bleiben. Aber das muss sie natürlich annehmen und es muss organisiert werden.
Das sehe ich jedoch nicht als meine Aufgabe an. Sie hat hier zwei Enkelinnen, die da zuerst verantwortlich sind. Allerdings hat sie sich früher auch nie um die beiden gekümmert und war wohl auch nicht sehr nett zu ihnen. Das rächt sich jetzt irgendwie. Ich selber habe nach wie vor genug um die Ohren mit den Angelegenheiten meiner Schwester. Trotzdem kann ich meine Nachbarin natürlich nicht einfach sich selbst überlassen. Ich gehe nachher hoch, bringe ihr die Post und frage, ob ich was einkaufen soll. Nächste Woche sehen wir dann weiter.

Update:
Der Hausarzt war nach meinem ausführlichen Brief gestern mittag noch einmal da. Er will dafür sorgen, dass ab Montag eine Schwester kommt, die sich um die Pflege und den Haushalt kümmert. Und er kümmert sich um einen Platz in einem Seniorenheim.
Ich sehe dann erst mal weiter nach Post und fülle Überweisungen für sie aus und werfe sie bei der Bank ein. Das schaffe ich grad noch 🙂

Update 2:
Heute Abend war ich noch kurz bei der Nachbarin, um nach dem Rechten sehen. Leider ist weder gestern noch heute jemand gekommen, um ihr zu helfen. Keine Ahnung, was da jetzt falsch gelaufen ist. Werde morgen noch mal beim Hausarzt anrufen, was da los ist.
Dann war ich noch kurz ein paar Sachen für sie einkaufen, weil das bißchen Joghurt und Obst vom Samstag schon längst aufgegessen war. Mann, Mann.

Probleme überall

8. Juni 2012

Einige von Euch fragen sich vielleicht, was ich so oft in Hannover mache: ich kümmere mich um meine schwerkranke Schwester. Es fing vor 2 Jahren an und wurde zeitweise so schlimm, daß ich für ein paar Monate sogar die gesetzliche Betreuung übernehmen mußte. Das ist Gottseidank vorbei, aber ich regele weiterhin alle Angelegenheiten und das ist leider nicht wenig.
Nach langen Krankenhausaufenthalten war sie zuletzt ein gutes Jahr in einem Pflegeheim. Jetzt haben wir den Schritt gewagt und ich habe sie Ende Mai nach fast genau zwei Jahren wieder in ihre Wohnung zurückgeholt. Dabei mußte ich unglaublich viel bedenken und organisieren, angefangen vom Pflegebett und allen möglichen Hilfsmitteln über die Suche nach neuen Therapeuten bis hin zur Sicherstellung der täglichen Pflege.
Sie lediglich einem ambulanten Pflegedienst zu überlassen, war mir angesichts ihrer immer noch sehr großen Hilflosigkeit zu riskant. Deshalb habe ich mir über eine Agentur einen polnischen Pflegedienst vermitteln lassen. Die Frauen kommen dann in der Regel für 3 Monate nach Deutschland und reisen dann für 1 Monat wieder aus (manche arbeiten aber auch 2 und 2). Meist sind es keine gelernten Pflegekräfte, aber sie kümmern sich um den Haushalt und leisten Hilfe beim Waschen, Aufstehen, Anziehen, Essen etc.
Meine Schwester ist völlig klar im Kopf und kann grundsätzlich selber sagen, was sie möchte oder was zu tun ist. Aber durch die Krankheit hat auch ihre Aussprache stark gelitten. Sie ist vor allem für Fremde nach wie vor nur ganz schlecht zu verstehen. Deshalb hatte ich ausdrücklich um eine Frau mit möglichst guten Deutschkenntnissen gebeten.
Zuerst kam Danuta. Eine sehr nette Frau, aber ihr Deutsch war so miserabel, daß sie nicht einmal mich verstanden hat. Wie sollte ich sie da einarbeiten? Und die Verständigung mit meiner Schwester hat natürlich überhaupt nicht geklappt. Dann stellte sich am zweiten Tag auch noch heraus, daß sie eine kaputte Schulter hat. Damit einen Menschen zweimal am Tag aus dem Bett in den Rollstuhl heben und wieder zurück? Dazu abends nochmal umsetzen für den Besuch im Bad? Ein ziemlicher Fehlgriff.
Eine Woche später kam Anna. Ihr Deutsch ist schon deutlich besser und sie kann sich mit meiner Schwester ganz gut verständigen. Die zwei haben sich auf ein System geeinigt, das ganz gut funktioniert. Ich denke, sie werden auch ohne mich klarkommen.

Womit beide Pflegerinnen aber das größte Problem hatten: den Umgang mit der elektrischen Pumpe für die Sondennahrung. Danuta hatte nach einer Woche immer noch nicht richtig kapiert, wo der Unterschied zwischen On/Off und Start/Stop liegt. Und wozu der Knopf ‚Fill‘ da ist, sowieso nicht. Sie hatte auch Angst vor dem Gerät. Anna hat sich ebenfalls sehr schwer damit getan, ihre Berührungsängste aber langsam abgelegt.
Dann ist da allerdings noch die Sache mit dem neu hinzugekommenen Dreiwegehahn für die zusätzliche Gabe von Wasser. Oh jeh. Aber nachdem ich schon im Krankenhaus gelegentlich einer Schwester zeigen mußte, wie man die Dinger richtig hindreht, wundert mich das nicht.
Was mich aber wundert: wieso haben viele Frauen so gar keine Affinität zu solchen Dingen. Ist das wirklich angeboren oder (was ich eher vermute) wurde es versäumt ihnen bestimmte Grundstrukturen beizubringen?

Und beide Damen können für meine Begriffe überhaupt nicht kochen. Ich weiß nicht, ob es in Polen üblich ist, Kartoffeln und Gemüse ohne alles, sprich ohne Sauce, ja nicht einmal ein bißchen Butter auf den Tisch zu bringen. Auch der Reis wurde mir ganz pur serviert. Ansonsten alles paniert, was irgendwie geht und auch dort keine Sauce und Gewürze.
So gesehen hat meine Schwester noch Glück, daß sie fast nur Sondennahrung bekommt und mittag etwas Babybrei 😉

Nachher werde ich dann nach drei Wochen endlich wieder nach Hause fahren und hoffen, daß alles auch ohne mich klappt. In zwei Wochen komme ich wieder und sehe nach dem Rechten.
Anna bleibt leider nur bis zum 21.07., dann muß ich die nächste in Empfang nehmen. Aber vielleicht stellen wir doch auf ambulante Pflege um. Mal sehen.