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Ein gnädiger Tod

17. Dezember 2014

Vorhin habe ich mit meiner Mutter telefoniert und sie erzählte mir, dass jemand gestorben ist, den ich gekannt habe. Gekannt? Nein, nicht wirklich. Eigentlich gar nicht. Er war nach einem schweren Motorradunfall in einer Art Wachkoma und lebte in einem Pflegeheim für schwere Fälle. Dort habe ich ihn ein paarmal gesehen. Kennengelernt habe ich aber seine Mutter. Eine inzwischen 80-jährige Frau, die jeden Tag mindestens 12 Stunden im Pflegeheim zugebracht und sich um ihren Sohn gekümmert hat. Wirklich jeden Tag. Ich weiß nicht, woher sie die Kraft dafür genommen hat. Und sie hat immer darüber nachgedacht, wie sie es organisatorisch hinbekommen könnte, ihren Sohn nach Hause zu holen. Aber daraus ist nichts mehr geworden. Er ist friedlich eingeschlafen und musste nicht leiden. Aber für eine Mutter ist das natürlich nur sehr bedingt ein Trost.
Es klingt immer ein bisschen herzlos so etwas zu sagen, aber ich glaube wirklich, dass es so für alle Beteiligten das Beste ist. So muss sie sich zumindest keine Gedanken mehr darum machen, was mit ihrem Sohn passiert, wenn sie nicht mehr ist. Denn für ihn wäre es furchtbar gewesen. Er war nicht nur völlig hilflos, sondern hat Fremden gegenüber immer völlig panisch reagiert. Für den armen Mann wäre der Albtraum ohne seine Mutter noch schlimmer geworden.
Aber wie deutlich kann und darf man das gegenüber den Angehörigen, aussprechen? Ein sehr schwieriges Thema.

Endgültig

1. Oktober 2014

Neulich bin ich mein Adressbuch durchgegangen. Dabei ist mir der Name eines Mannes ins Auge gefallen, mit dem ich schon lange keinen Kontakt mehr hatte. Er wäre fast mal mein Schwiegervater geworden und wir zwei haben uns immer gut verstanden. Aber nachdem die Beziehung mit seinem Sohn auseinandergegangen ist, endete auch der Kontakt zu ihm und seiner Frau. Seine Frau ist schon vor ein paar Jahren gestorben, was ich erst einige Wochen später mitbekommen hatte. Ich hab mir immer vorgenommen, mich einmal bei ihm zu melden. Aber erst wusste ich nicht wie und dann war irgendwie zu viel Zeit vergangen. Vor kurzem habe ich erfahren, dass er letzten Herbst gestorben ist. Nun ist es zu spät.

Den Kontakt in meinem Adressbuch könnte ich jetzt löschen. Die Telefonnummer ist nicht mehr gültig, das Haus wurde inzwischen verkauft, auch sonst lebt keiner aus der Familie mehr dort. Aber ich habe es nicht getan. Irgendwie kam es mir so vor, als würde er damit endgültig sterben, seine Existenz in Vergessenheit geraten.
Ich werde die Kontaktdaten als Erinnerung behalten. Alles Gute Fredy!