Gestern wurde ich mit dem Thema konfrontiert, warum ich auf Twitter folge oder entfolge. Das scheint eine unendliche Geschichte zu sein, die jeden Teilnehmer mehr oder weniger stark beschäftigt und die schon des öfteren Thema diverser Blogs war. Ich möchte aber trotzdem einmal kurz meine Sicht der Dinge darstellen:
Das Folgeverhalten entwickelt sich und ist eine Frage der persönlichen Einstellung. Am Anfang versucht jeder, sich irgendwie zurecht zu finden. Er folgt Zeitungsredaktionen, Städten, Web-Gurus und den ersten Personen. Danach vielleicht regional, nach der Bio, dem Geschlecht, dem Avatar… was auch immer.
Aber irgendwann zeigt es sich: folge ich nur den Spaßmachern? Nur den Intellektuellen? Nur denen, die ich kenne? Nur den Beliebten?
Kritisch scheint mir vor allem die letzte Gruppe zu sein, weil die sich oft selbst den meisten Streß macht. Denn da geht es vielmal nicht ums Folgen, sondern um´s Zurückfolgen. Ich habe es schon erlebt, daß sich jemand mehrmals entfolgt hat um sich vorne wieder anzustellen, nur um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Da kann ich nur den Kopf schütteln.
Ich selber folge allerdings auch fast nur Leuten, die mir ebenfalls folgen. Und zwar deshalb, weil ich Twitter nicht in erster Linie als Einbahnstraße sehe. Wenn ich nur jemanden lesen will, kann ich auch einen Blog abonnieren. Natürlich gibt es Ausnahmen und ich folge z.B. @Vergraemer oder @tochtervon, einfach weil mir die Aussprüche gefallen.
Aber wenn jemand aus seinem Leben erzählt, muß es mich auf irgendeine Art interessieren: vielleicht weil die Lebensumstände so ganz anders sind als meine oder weil jemand besonders humorvoll schreiben kann. Ansonsten brauche ich schon einen persönlichen Bezug. Das ist wie im RL: wenn meine beste Freundin von ihrer Bügelwäsche erzählt, interessiert mich das vielleicht noch. Ob sich dagegen die mir unbekannte Tochter einer Kollegin aus der Nebenabteilung jetzt die Haare blondiert, ist mir völlig egal.
Ich kann nicht sagen, wann sich bei mir ein derartiges Interesse an einem anderen Twitterer einstellt. Aber oftmals tut es das eben nicht. Dann lese ich nur noch um die Tweets herum und folge irgendwann nicht mehr. Da muß nichts Besonderes vorgefallen sein. Bei manchen ändert sich allerdings auch die Art der Tweets und ich folge deshalb nicht mehr.
Was ich von vorneherein nicht leiden kann: ständiges Gerede über Sex und vor allem die Verwendung von Begriffen wie f*** oder v***. Das ist schlicht ordinär und unter meinem sprachlichen Niveau. Ich mag auch keinen ständigen Seelenstriptease, das finde ich nur peinlich. Und ich mag nicht täglich detailliert über körperliche Befindlichkeiten lesen, das finde ich eklig.
Damit meine ich nicht, daß jemand mal mitteilt, wenn er mit Grippe im Bett liegt oder daß er sich gerade nicht gut fühlt, weil seine Beziehung zerbrochen ist. Ganz gewiß nicht. Aber auch hier ist es wie im RL: wer nur ständig von seinen Krankheiten erzählt, dem gehe ich aus dem Weg. Der Bekannten, die nun schon seit 6 Monaten nur von ihrer gescheiterten Beziehung erzählt, der höre ich irgendwann nicht mehr zu.
Und ich bin da auch nicht sentimental. Rücksicht auf Menschen zu nehmen, die mir größtenteils nicht persönlich bekannt sind – das geht zu weit. Natürlich tut es mir leid, wenn sich jemand betroffen fühlt. Das kann ich sogar bis zu einem gewissen Grad verstehen. Auch ich habe es in einigen Fällen bedauert, daß ich entfolgt wurde. Und ich gebe es zu, ich war auch schon in ein, zwei Fällen betroffen deswegen. Aber man darf die Sache hier einfach nicht zu persönlich nehmen.
Im übrigen finde ich das Wort “entfolgt” nicht so gelungen. Das klingt fast so wie “entledigt”. Da sollten wir uns vielleicht etwas anderes überlegen.



